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Carlos Eduardo (l.) und Co. sind seit vier Spielen ohne Punktgewinn © imago

Nach vier Niederlagen in Folge richtet sich der Blick nach unten. Torwart und Manager streiten, besonders in der Offensive hapert es.

Hoffenheim - Vier Niederlagen in Folge, drei Spiele ohne Tor:

Die einstigen Himmelsstürmer von 1899 Hoffenheim befinden sich in der Bundesliga im freien Fall und sind endgültig auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

"Wir haben eine gute Mannschaft, aber die spielt nicht gut. Wir stecken in einer schwierigen Phase", sagte 1899-Manager Jan Schindelmeiser nach dem 0:2 gegen Schalke 04.

Auch Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrand, der von Schindelmeiser allerdings selbst wegen seines schlechten Stellungsspiels beim 0:1 durch Kevin Kuranyi (19.) kritisiert wurde, nahm die Mannschaft nach dem völlig verpatzten Start in die Rückrunde in die Pflicht.

Fehlende Einstellung als Problem

Denn den Ballkünstlern um Carlos Eduardo, der wie Hildebrand vor Beginn der Saison die Champions League als Ziel ausgegeben hatte, mangelt es wegen der Pleitenserie offenbar an der richtigen Einstellung.

"Wir müssen endlich den Arsch hochkriegen und Gas geben", sagte Hildebrand.

Verbalduell zwischen Torwart und Manager

Schindelmeisers Kritik an seiner Person ("Timo wäre besser auf der Linie geblieben") ließ er nicht gelten.

"Mir ist egal, was Herr Schindelmeiser sagt", meinte Hildebrand und ging zum Gegenangriff über: "So wie Herr Schindelmeiser nicht über meine Leistung sprechen sollte, werde ich das auch nicht über seine tun."

Doch Schindelmeiser blieb bei seinem Standpunkt: "Natürlich habe ich das Recht, seine Leistung zu bewerten."

Stürmer-Not im Kraichgau

Dass die Hoffenheimer trotz der Millionen-Investitionen von Dietmar Hopp in den vergangenen zwei Jahren gegen die Spitzenklubs Bayern München (0:2), Bayer Leverkusen (0:3) und Schalke 04 (0:2) in drei Spielen sieben Treffer kassierten, selbst aber kein Tor schossen, zeigt das Dilemma der Elf von Trainer Ralf Rangnick.

Im Kraichgau herrscht in 2010 Stürmer-Not: Der lange verletzte Vedad Ibisevic kommt nicht in Form, Demba Ba ist verletzt und der Nigerianer Chinedu Obasi kehrt erst zu Beginn der Woche vom Afrika-Cup zurück.

Europacup wäre Fantasterei

Der Rest der Offensivabteilung ist seit Wochen überfordert, den hohen Ansprüchen in Hoffenheim gerecht zu werden.

"Wir sind alle frustriert und unzufrieden. Unser Hauptroblem ist, dass wir uns sehr schwer mit dem Toreschießen tun", stellte auch der ernüchterte Rangnick fest:

"Es wäre Fantasterei, sich jetzt mit den Europapokalplätzen zu beschäftigen."

"Eher nach unten schauen

Nationalspieler Andreas Beck meinte: "Nach oben brauchen wir in der Tabelle nicht zu schauen, eher nach unten, damit wir da nicht noch reinrutschen."

Allerdings hatten die Gäste in Gelsenkirchen auch Pech. Beim Stand von 0:1 verweigerte Referee Florian Meyer den Hoffenheimern nach einem Foul von Schalkes Vicente Sanchez an Beck (46.) einen Foulelfmeter.

Dabei hatte Meyer laut Rangnick "den Elfer schon gepfiffen, sich aber vom Assistenten an der Linie umstimmen lassen."

Rangnicks Job nicht gefährdet

Das wegen eines vorangegangenen Foulspiels umstrittene 0:2 durch Schalkes Lukas Schmitz kurz darauf (49.) beendete dann alle Hoffnungen der Hoffenheimer auf den ersten Punktgewinn im neuen Jahr.

Um seine Zukunft in Hoffenheim muss sich Rangnick trotz der jüngsten Niederlagen jedoch keine Sorgen machen.

Mäzen Hopp hatte zuletzt angekündigt, den Vertrag mit dem Coach vorzeitig verlängern zu wollen.

Trainer sorgt sich um seinen Vater

Wohl auch, weil jeder im Verein Verständnis dafür hat, dass Rangnick seinen Kopf derzeit nicht nur beim Fußball hat.

Denn Rangnicks Vater Dietrich liegt in der Uniklinik Heidelberg noch immer auf der Intensivstation. Rangnick pendelt täglich zwischen Trainingszentrum und Klinik.

Tagoe feiert Comeback

Wieder gesund ist dagegen Prince Tagoe. "Wir freuen uns, dass er wieder spielen kann", sagte Schindelmeiser.

Mit der Einwechslung des ghanaischen Nationalspielers in der 82. Minute endete eine monatelange Auseinandersetzung zwischen Klub und Spieler.

Tagoe hatte wenige Wochen nach seiner Verpflichtung im Sommer von 1899 die Kündigung erhalten, weil bei einer Nachuntersuchung ein Herzfehler diagnostiziert worden war.

Es folgten ein Rechtsstreit, weitere Untersuchungen, die Tagoe schließlich als gesund einstuften, die Rücknahme der Kündigung - und das Debüt gegen Schalke.

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