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Thomas Schaaf führte Werder 2004 zum Double-Gewinn © imago

Trainer Schaaf nimmt das Team in die Pflicht, Sportchef Allofs fordert die Wende. Personell tut sich was an der Weser.

Von Thorsten Mesch

München - Werder Bremen spielt eine Saison der Extreme: Bis zum Spätherbst standen die Norddeutschen blendend da. 23 Pflichtspiele ohne Niederlage, Platz zwei in der Bundesliga.

Am 12. Dezember wurde diese imposante Serie durch ein 0:2 gegen Schalke gestoppt - und der Absturz begann.

Sieben Spiele ohne Sieg und fünf Niederlagen in Folge sind gleichbedeutend mit der schlechtesten Bilanz seit zwölf Jahren.

Schaaf will Probleme anpacken

Ein Defensiv-Debakel mit vier Gegentoren in einer ersten Halbzeit hatten die Hanseaten vor dem 3:4 in Mönchengladbach zuletzt vor 29 Jahren erlebt. 198232(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

"Es hilft nichts, nur darüber zu reden oder sich diesen Dingen zu verwehren", sagt Thomas Schaaf, der eine der schwierigsten Phasen seit seinem Dienstantritt als Werder-Coach im Mai 1999 durchmacht: "Man muss sich diesen Dingen stellen. Das tun wir."

"Parolen helfen nicht"

Warum seine Mannschaft in Gladbach derart desolat aufgetreten ist, konnte Schaaf nicht sagen. Man habe "in der letzten Woche gut gearbeitet", meinte der 48-Jährige.

Nach dem 2:3 gegen den FC Bayern hatte Schaaf die Fehler klar angesprochen und sie seinem Team mit einer Videoanalyse noch einmal vor Augen geführt - jedoch ohne Erfolg: Schon nach 18 Minuten lag Werder in Gladbach 0:3 hinten.

"Man versucht Erklärungen zu finden. Es hilft aber nichts, irgendwelche Parolen rauszuhauen", meinte Schaaf. "Wir bleiben sachlich, wir bleiben sehr konzentriert und wir bleiben auch fair und anständig."

Rückendeckung für Abdennour

Dementsprechend nahm der Trainer auch seinen heftig kritisierten Verteidiger Aymen Abdennour in Schutz.

"Er tut mir sehr leid, wenn ich die Berichterstattung sehe", meinte Schaaf: "Ich glaube, dass man sich einen jungen Mann rausgesucht hat, der völlig falsch bewertet wird."

Ihm falle es "sehr schwer, einen Sündenbock zu finden", schließlich sei die ganze Mannschaft beteiligt.

Mannschaft ist keine Einheit

Doch genau da hakt es bei Werder im Moment.

"Wir arbeiten nicht als Mannschaft, jeder kämpft zuerst für sich", sagte Sportchef Klaus Allofs nach dem Debakel von Gladbach. "Ich habe den Eindruck, dass hier jeder nur noch sein Ding macht."

Nationalspieler Per Mertesacker forderte "elf willige Kicker" und könnte damit den seit längerer Zeit zumeist lustlos über den Platz trabenden Mesut Özil gemeint haben.

Allofs fordert schnelle Wende

Allofs stellte fest, "dass mittlerweile eine gewisse Verunsicherung in der Mannschaft deutlich zu spüren ist und die Spieler inzwischen Angst vor der Niederlage haben." Dies gelte es möglichst schnell abzustellen.

"Noch ist der Zug nicht abgefahren", meint Allofs mit Blick auf die sieben Punkte Rückstand auf einen Europapokalplatz, aber wir müssen schnell die Wende schaffen." Womit er aber "die Meisterschaft nicht direkt" meinte.

Feinschliff im Kader

Doch Schaaf weiß - auch aus der Erfahrung der vergangenen Saison, die Werder auf Platz zehn beendete - dass dies nicht von heute auf morgen klappt.

"Es geht zügig, sich einen guten Weg kaputtzumachen. Doch es kann dann lange dauern, wieder zurückzufinden", so der Coach, der zusammen mit Allofs kurz vor Ende der Transferphase noch Feinschliff am Kader vornahm.

Kevin Schindler (MSV Duisburg) und Jurica Vranjes (Genclerbirligi Ankara) werden ausgeliehen, der Vertrag von Dusco Tosic wurde aufgelöst, Sandro Wagner kommt vom MSV.

Der U-21-Europameister ist allerdings noch durch seinen Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt und kann nur als Zuschauer mitfiebern, dass die Bremer den freien Fall stoppen.

Wende gegen das Schlusslicht?

Die nächste Chance dazu bietet sich schon am Freitagabend, wenn Schlusslicht Hertha BSC ins Weserstadion kommt.

"Wenn wir uns immer weiter hinterfragen und hart arbeiten, dann werden wir es in absehbarer Zeit auch besser machen", glaubt Schaaf.

Es würde zu Werders extremer Saison passen, wenn sie mit einem Sieg gegen die Berliner ihre nächste Serie starten würden.

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