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Lorenz-Günther Köstner arbeitet seit dem 1. Januar 2009 beim VfL Wolfsburg © getty

Schwierige Trainersuche beim VfL: Zwei prominente Kandidaten sagen ab. Der Manager setzt auf den Interimscoach. Langfristig?

Von Martin Volkmar undJürgen Blöhs

München - Sportlich gesehen ist der VfL Wolfburg als Tabellenelfter nur noch Mittelmaß ( Ergebnisse und Tabelle).

Der mächtige Aufsichtsrat Stephan Grühsem, hauptberuflich Kommunikationschef von Geldgeber VW, hat kürzlich sogar den Abstiegskampf ausgerufen.

Trotzdem ist das Beste für die "Wölfe" gerade gut genug. Und so werden in den Medien fast nur Hochkaräter als Nachfolger des vergangene Woche entlassenen Trainers Armin Veh gehandelt.

Die genannten Guus Hiddink, Marco van Basten oder Sven Göran Eriksson seien durchaus nach seinem Geschmack, ließ Geschäftsführer Dieter Hoeneß nach dem 1:1 beim Hamburger SV verlauten.

Schuster sagt ab

Ob die Top-Trainer aber unbedingt nach Wolfsburg wollen, ist die andere Frage. Geld ist offenbar nicht alles, wie man an der Absage von Bernd Schuster sieht.

Der Ex-Coach von Real Madrid, angeblich Wunschkandidat speziell der auch in der VfL-Führung maßgeblich vertretenen VW-Spitze, sagte vor wenigen Tagen ab. Er habe eine andere Lebensplanung, so Schuster.

Stevens dementiert Kontakt

Und auch mit dem zweiten Favoriten scheint es nichts zu werden: Huub Stevens galt, auch wegen seiner Zusammenarbeit mit Hoeneß bei Hertha BSC, als der Topfavorit, hat den Niedersachsen laut "Süddeutsche Zeitung" aber ebenfalls einen Korb gegeben.

Auf Nachfrage von Sport1.de dementiert der Niederländer sogar jeglichen Kontakt nach Wolfsburg.

"Ich habe zum letzten Mal vor vier Monaten mit Dieter Hoeneß telefoniert, danach hat er mir noch zum Geburtstag gratuliert. Seitdem haben wir nicht mehr gesprochen", sagte Stevens.

"Dass mein Name genannt wird, ist schön, doch solche Spekulationen gibt es jedes Mal. Aber ich wiederhole: Ich habe mit niemandem in Wolfsburg gesprochen, und daher stellt sich die Frage für mich nicht."

Schließlich habe er noch einen laufenden Vertrag bis Sommer 2011 bei Red Bull Salzburg, so der Sport1.de-Kolumnist weiter: "Ich weiß nicht, ob Wolfsburg mit Lorenz-Günther Köstner weitermachen wird. Ich weiß aber, was in meinem Vertrag steht."

Daher könnte der angesprochene Interimstrainer möglicherweise doch eine Chance als Dauerlösung bekommen. Schon jetzt hat er die volle Rückendeckung des Managers.

Hoeneß will an Köstner festhalten

"Lorenz-Günther Köstner wird wahrscheinlich bis zum Saisonende unser Trainer bleiben", erklärte Hoeneß nach dem überraschend guten Einstand in Hamburg. "Wenn es so weitergeht, gibt?'s überhaupt keine Zweifel an ihm."

Sollte es aber nicht so weitergehen, lässt sich der VfL-Boss alle Optionen offen. Schließlich geht es nun gegen das Bundesliga-Spitzentrio FC Bayern, Leverkusen und Schalke sowie in der Europa League gegen den FC Villarreal.

Deshalb beharren die "Wolfsburger Nachrichten" auch darauf, dass nach ihren Informationen Hans Meyer kurzfristig als Retter einspringen würde.

"Mit Sicherheit kein Schnellschuss"

Am liebsten aber, das ist überdeutlich, möchte Hoeneß mit Köstner weitermachen. "Er hat die Aufgabe, dass wir wieder Boden unter die Füße bekommen und in Ruhe eine Entscheidung in der Trainerfrage treffen können", erklärte er.

Und Sport1.de gegenüber ergänzte Hoeneß: "Wir werden die Lage in Ruhe analysieren. Es wird mit Sicherheit keinen Schnellschuss geben."

Zufrieden mit Training und Auftreten

"Es war in den wenigen Tagen sichtbar, wie sich die Mannschaft verbessert hat", lobt der Manager die Arbeit des Trainers seit der Entlassung von Armin Veh.

"In den drei Trainingseinheiten habe ich das Hauptaugenmerk auf die Defensive gelegt. Wir haben in der Saison einfach zu viele Tore durch die Mitte kassiert", verriet Köstner Sport1.de. Außerdem habe er "viele Einzelgespräche geführt".

Mit Erfolg: "Gerade die Stürmer haben gut nach hinten gearbeitet - und auch gekämpft", lobt Köstner das Spiel seiner Mannschaft beim HSV, das sehr an die Handschrift von Meister-Trainer Felix Magath erinnerte.

Zurück zur Meister-Taktik

Das bestätigt auch Dieter Hoeneß:

"Wir haben nach hinten gut gearbeitet und jederzeit gefährliche Konter gefahren. Gerade die erste Halbzeit erinnte an die vergangene Saison. Das scheint eher unser Spiel zu sein. Damit ist die Mannschaft im letzten Jahr Deutscher Meister geworden", sagte der Manager zu Sport1.de.

Von einer "Magath-Taktik" wollte der 57-Jährige aber nicht reden. "Das ist mir zu platt", meinte Hoeneß und betonte: "Das war Köstner-Taktik."

Vertrauen des Konzerns macht Köstner stolz

Er habe nichts gefordert, sondern sich "nur auf das Spiel eingestellt", erklärte der Interimstrainer. Wie es aussieht, wird Köstner auch am Samstag gegen den FC Bayern auf der Bank sitzen.

"Ich tue meine Pflicht", erklärte der Coach, "und es macht mich stolz, dass der Weltkonzern VW mir das Vertrauen gibt."

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