vergrößernverkleinern
Christian Nerlinger arbeitet seit Sommer 2009 mit Louis van Gaal (r.) zusammen © getty

Bayern-Sportchef Nerlinger beurteilt die Titelchancen zuversichtlich, die Zukunft von Ribery und van Gaal dagegen zurückhaltend.

Von Martin Volkmar und Christian Ortlepp

München - Knapp zwei Monate ist es her, dass Uli Hoeneß vom Manager auf den Präsidenten-Thron beim FC Bayern wechselte.

Gestärkt von der trotz Krise unerwartet zuversichtlichen Stimmung bei der Jahreshauptversammlung begannen die Münchner zwei Tage später ihre Siegesserie.

Seitdem hat der FCB neben dem 4:1-Triumph in der Champions League bei Juventus Turin auch in der Bundesliga sieben Mal hintereinander gewonnen. (Ergebnisse und Tabelle)

"Wenn ich unsere Leistungen sehe, denke ich schon, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Wir spielen nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven Fußball", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger Sport1.de.

"Bei Bayern nur als Tabellenerster zufrieden"

"Aber beim FC Bayern ist man nur zufrieden, wenn wir Tabellenerster sind. Ich hoffe natürlich, dass das bald der Fall sein wird."

Mit dem ehemaligen Nationalspieler, der sich einst als Praktikant bei seinem Ex-Klub beworben hatte, kehrte als Sportchef der Erfolg zurück.

Als Hoeneß-Nachfolger kann er auf eine blütenweiße Weste verweisen, doch Spitzenreiter war der FCB seit seinem Dienstantritt im Sommer 2008 noch nie.

Nach Ansicht der Roten ist es nach der Aufholjagd der vergangenen Woche allerdings nur noch eine Frage der Zeit, ehe Tabellenführer Bayer Leverkusen verdrängt wird.

Lob für Leverkusen und Heynckes

"Leverkusen hat eine gute Mannschaft, wirkt sehr selbstbewusst und verfügt mit Jupp Heynckes über einen herausragenden Fachmann als Trainer", erklärte Nerlinger über den Ex-Coach des FC Bayern.

"Das wird für uns ein hartes Stück Arbeit. Aber wir sind so selbstbewusst, dass wir an die Meisterschaft glauben. Wir werden uns dieses Jahr mit der Schale auf dem Rathausbalkon auf dem Marienplatz wiedersehen."

Trotzdem versucht der 36-Jährige die Erwartungshaltung im Umfeld zu dämpfen, die 22. Meisterschaft sei nun nur noch ein Selbstläufer.

"Im Moment schaut alles sehr positiv aus. Allerdings warne ich davor, jetzt in Euphorie zu verfallen, denn wir haben eine Dreifachbelastung und die schwierigen Wochen kommen noch", sagte er dem DSF.

"Aber insgesamt sind wir auf einem sehr guten Weg."

Nerlinger räumt Startprobleme unter van Gaal ein

Maßgeblich dafür ist auch nach seiner Ansicht der bis zum Beginn der Erfolgsserie äußerst umstrittene Louis van Gaal. "Es ist offensichtlich, dass wir Startschwierigkeiten hatten", räumte Nerlinger ein.

"Aber wir haben immer gewusst, dass wir einen starken Kader haben und dass Louis van Gaal auch ein bisschen Zeit braucht." (Zur Meldung: Der "Kuschel-General" und sein "Held in Strumpfhosen")

Nun hat der Chefcoach, der schon kurz vor dem Rauswurf stand, die Wende geschafft und könnte als erster niederländischer Trainer Deutscher Meister werden.

Vertragsverlängerung derzeit kein Thema

Dennoch denkt Nerlinger auch in Erinnerung des stürmischen Herbstes noch nicht an eine vorzeitige Verlängerung des noch bis 2011 laufenden Vertrags von van Gaal.

"Ich kann mir eine längere Zusammenarbeit durchaus vorstellen. Aber ich bin auch nicht derjenige, der zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt schwankt", sagte er Sport1.de.

"Ich sehe die alltägliche Arbeit mit der Mannschaft und die überzeugt mich. Aber es ist jetzt nicht an der Zeit, über die Saison hinauszudenken."

Aktuell zähle nur eins: "Wir verwenden unsere komplette Energie darauf, jetzt den sportlichen Erfolg zum FC Bayern zu bringen. Und das bedeutet: Die deutsche Meisterschaft und wenn möglich den DFB-Pokal zu holen sowie in der Champions League noch für die ein oder andere Überraschung zu sorgen."

Nichts Neues bei Ribery

Genauso zurückhaltend gibt sich Nerlinger beim Dauerthema Franck Ribery, dessen Vertrag bekanntlich 2011 ausläuft.

Doch frühestens im März wird wohl eine Entscheidung über die Zukunft des Franzosen fallen.

"Das Thema Vertragsverlängerung stell sich uns noch nicht, das ist so auch mit Franck vereinbart. Deshalb sind wir da ganz gelassen", erklärte der Sportdirektor.

"Er ist ein absoluter Weltklassespieler. Aber er hatte eine sehr schwere, fast schon chronische Verletzung. Die hat er überwunden und ich glaube, dass er sogar noch stärker als vorher zurückkommen wird. Darauf freuen wir uns, alles andere stellen wir hintenan."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel