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Markus Babbel trainierte bis Dezember den VfB Stuttgart © getty

Der Ex-Stuttgarter-Teamchef ärgert sich noch immer über alte Störfeuer. Zudem geht Markus Babbel auf eigene Fehler ein.

Von Mathias Frohnapfel

München - Irgendwann ist es Markus Babbel zu viel geworden und er hat einfach seine Meinung kundgetan.

"Ich habe dem Vorstand gesagt, dass ich keinen Sieg garantieren kann", berichtet der ehemalige VfB-Trainer von den Tagen vor seinem Abschied in Stuttgart.

Ehrliche Worte sind das.

Mit dem Abstand von zwei Monaten spricht der 37-Jährige jetzt über seine Zeit bei den Schwaben.

Er berichtet von der Doppelbelastung aus Trainerlehrgang und dem Job als Chefcoach, die schlicht "zu groß" war. "Ich habe ausgesehen wie eine weiße Wand ", erklärt er der "Bild".

Plötzlich war der Kompass weg

Kleinigkeiten, die Babbel zuvor quasi nebenbei verfolgt und eingeordnet hat, entwickelten eine Eigendynamik.

Die Schusstechnik eines Spielers, der genaue Ablauf des Trainingsalltags, die Stimmung der einzelnen Profis: Dinge wie diese muss ein Fußballtrainer ja ständig als Puzzleteile neu einsortieren.

Im Mai 2009 führte Babbel noch die Stuttgarter sensationell in die Champions League, doch inmitten des Trainerlehrgangs musste sich Babbel im stürmischen Herbst selbst eingestehen:

"Ich wusste nicht mehr richtig, wo ich anfangen und wo ich aufhören sollte. Eine meiner großen Stärken ist, dass ich ein gutes Auge habe, wie jemand trainiert und wie sich jemand in der Mannschaft gibt."

Ein kräftezehrender Job

In seinen besten Momenten wirkte Markus Babbel in Stuttgart beinahe wie ein Double von Pep Guardiola, Trainer des FC Barcelona.

Ein junger Coach, gut aussehend, adrett gekleidet und mit einer klaren Ansprache ans Team.

Wie sehr der Job aber an jedem Trainer nagt, hat nicht nur Guardiola bereits zugegeben. Auf Jahre hinaus könne man so eine Aufgabe jedenfalls nicht schultern, meinte der Spanier.

Bei Babbel kamen zudem mehrere Tage pro Woche in Köln hinzu. Und wie er ärgerlich feststellt, eine Menge Störfeuer von außen.

Als es schlecht lief, kritisierte ihn Guido Buchwald hart.

"Für mich ist sein Verhalten unterste Schublade. Eines Ehrenspielführers des VfB Stuttgart unwürdig. Sich so auf Kosten anderer profilieren zu wollen ist bitter", sagte Babbel der "Sport Bild".

Spitze gegen Matthias Sammer

Auch auf Matthias Sammer ist Babbel nur bedingt gut zu sprechen. Der ehemalige Nationalteamkollege ist als DFB-Sportdirektor mitverantwortlich für die Gestaltung des Lehrgangs.

"Man sollte als heute Verantwortlicher nie vergessen, welche Annehmlichkeiten man selbst in der Ausbildung wahrgenommen hat", bemerkt Babbel spitz.

"Begründete Ausnahmen sollten immer möglich sein. Jetzt gibt es angeblich keine mehr. Was mich allerdings ein bisschen ärgert ist, dass manche trotzdem anders behandelt werden."

Sammer dürfte diese Kritik alles andere als erfreut aufnehmen, daran dürfte auch Babbels Hinweis: "Das werde ich Matthias aber persönlich sagen" wenig ändern.

"Ich würde heute Gomez halten"

Der ehemalige Stuttgarter Teamchef hat sich genau mit seiner eigenen Zeit in Stuttgart auseinandergesetzt.

"Ich würde so ein Team aus heutiger Sicht auf fünf, sechs Positionen verändern und Mario Gomez halten."

Rückblickend nennt er auch den Grund, weshalb er Thomas Hitzlsperger als VfB-Kapitän abgesetzt hat.

Hitzlsperger, der mittlerweile zu Lazio gewechselt ist, sei ein Typ "der sich um alle kümmert und sich dabei selbst vergessen hat. Es war sehr hart für ihn, aber ich wollte ihm mit dieser Maßnahme helfen."

Mitspieler stichelten gegen Lehmann

Babbel war auch genervt vom Neid auf Torwart Jens Lehmann:

"Wir hatten permanent mit Eitelkeiten zu kämpfen. Statt über sich selbst nachzudenken, kamen ältere Spieler zu mir und beschwerten sich: Der Jens solle doch zum Auslaufen."

Letztlich sei man "nicht im Kindergarten", entgegnete er den Profis dann. "Macht ihr euren Job, er macht seinen!"

Im Frühjahr absolviert Babbel seine Prüfung als Fußballlehrer, womöglich kann er dann seine Lehren aus Stuttgart bald auf Praxistauglichkeit überprüfen.

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