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Der frühere Stürmer Heiko Herrlich spielte von 1995 bis 2004 bei Borussia Dortmund © imago

Im Sport1.de-Interview spricht Bochums Trainer über die Aufgabe gegen Leverkusen und das Image der "grauen Maus".

Von Mathias Frohnapfel

München - Heiko Herrlich hat den VfL Bochum vom 17. auf den 14. Tabellenplatz geführt und zumindest die größte Abstiegsangst erst einmal bekämpft.

Die VfL-Profis versucht der Trainer mit ungewöhnlichen Ideen zu motivieren. (DATENCENTER: Der 21. Spieltag)

So reiste das Team in der Winterpause für zwei Tage in die Alpen, verbrachte eine Nacht auf einer Selbstversorgerhütte ? mit Mehrbettzimmer.

Vorm Heimspiel gegen Leverkusen (Sa., ab 15 Uhr LIVE) spricht Herrlich im Sport1.de-Interview über die Herausforderung gegen den Spitzenreiter, seine Ambitionen in Bochum und das Image der "grauen Maus".

Sport1.de: Herr Herrlich, Sie haben bei Bayer Leverkusen Ihre Karriere als Fußball-Profi begonnen. Haben Sie eine besondere Verbindung zu dem Verein?

Heiko Herrlich: Ja klar. Ich habe da vier Jahre gelebt. Ich habe viele schöne Erinnerungen an die Zeit und dort auch meine Frau kennen gelernt. In der Vereinsgeschichte gab es ja nicht so viele Titel, aber bei einem war ich zumindest dabei (1993 als DFB-Pokal-Sieger, d. Red.)

Sport1.de: Sie haben erklärt, mit Bochum die Heimbilanz ausbauen zu wollen. Jetzt spielen Sie zu Hause gegen den Spitzenreiter. Worauf wird es ankommen gegen Leverkusen?

Herrlich: Leverkusen spielt eine überragende Saison bisher und ist momentan das Nonplusultra im deutschen Fußball. Sie haben noch kein Spiel verloren. Wir haben bisher nicht so eine tolle Heimbilanz, aber unser Ziel ist es trotzdem dagegen zu halten. Wenn wir es schaffen, 100 Prozent abzurufen und Leverkusen nicht seinen besten Tag erwischt, können wir vielleicht einen Punkt mitnehmen. Dafür muss bei uns alles passen.

Sport1.de: Sie haben vorher als Jugendtrainer gearbeitet und auch die U17 bei der WM 2007 auf den dritten Platz geführt. Wie war aus Ihrer Sicht der Sprung in die Bundesliga?

Herrlich: Eigentlich überhaupt nicht schwer. Ich bin ja sozusagen wieder nach Hause gekommen.

Sport1.de: Als U 17-Trainer haben Sie mit Toni Kroos zusammengearbeitet. Wie bewerten Sie seine Entwicklung?

Herrlich: Toni Kroos wurde damals in Südkorea zum besten Spieler des Turniers gewählt. Darauf bin ich auch stolz, weil Deutschland zuvor noch nie den besten Spieler gestellt hat. Toni hat sich jetzt in Leverkusen sensationell weiterentwickelt.

Sport1.de: Wie hart muss man als Fußball-Trainer sein?

Herrlich: Was heißt hart? Als Cheftrainer muss man nun einmal Entscheidungen treffen, und die können sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Dieses Risikos bin ich mir bewusst. Davor habe ich keine Angst.

Sport1.de: Sie haben vor kurzem gesagt "Manchmal habe ich den Sammer gehasst" und so den unheimlichen Ehrgeiz Ihres früheren Mitspielers beschrieben. Wie wird es Ihren Spielern gehen mit Blick auf Trainer Herrlich?

Herrlich: Die Aussage über Matthias war sicherlich ironisch überspitzt. Für ihn gab es nun einmal keine Pausen und keine Trainingsspiele. Das war immer wie im WM-Endspiel.

Sport1.de: Was heißt das konkret?

Herrlich: Matthias hat die ganze Mannschaft durch seine Art mitgerissen. Und als er aufgrund seiner Knieverletzung im Herbst 1997 nicht mehr spielen konnte, war es sicherlich kein Zufall, dass wir in der Abschlusstabelle Platz zehn belegt haben, obwohl die anderen Spieler noch mit an Bord waren.

Sport1.de: Wie charakterisieren Sie Bochum, den Verein und Ihre Mannschaft?

Herrlich: Für mich ist Bochum immer die Perle im Revier gewesen - sympathischer Verein, sympathische Stadt. Ich wohne jetzt schon 14 Jahre im Ruhrgebiet und konnte gut beobachten, wie mit wenig Mitteln oder Möglichkeiten sie relativ viel erreicht haben. Auch bei den Trainern herrschte eine Kontinuität. Ich wäre auch fast als Spieler in Bochum gelandet. Allerdings ließ das zum Ende meiner Spieler-Karriere meine körperliche Verfassung nicht mehr zu.

Sport1.de: Jetzt sind Sie Trainer beim VfL.

Herrlich: Ich habe einfach richtig Bock auf die Geschichte hier. Die Mitarbeiter sind total motiviert. Uns ist aber natürlich klar, dass wir in allen Bereichen qualitativ sehr gut sein müssen, um strukturelle und wirtschaftliche Nachteile auzugleichen.

Sport1.de: Geht es da auch um das Image von Bochum, das Sie noch positiv ausbauen wollen? Das Bild von der grauen Maus ärgert Sie gewiss, oder?

Herrlich: Ich persönlich habe Bochum nie mit einer grauen Maus in Verbindung gebracht. Wie gesagt, mir gefallen Stadt und Verein sehr gut. Was ich beim VfL etablieren will, ist ein gewisses Anspruchsdenken, dass nicht immer sofort eine Zufriedenheit einkehrt.

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