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Stehen am Samstag im Mittelpunkt: Tim Wiese und Jens Lehmann (r.) © imago

Sie ecken oft an: Spannende Frage also, was passiert, wenn Stuttgarts Jens Lehmann und Werders Tim Wiese erstmals aufeinander treffen.

Von Christian Paschwitz

München - Sie polarisieren beide gern, gelten als streitbar und nehmen öffentlich selten ein Blatt vor den Mund.

Wenn sie sich am Samstag (15 Uhr LIVE) erstmals bei einem Bundesliga-Spiel begegnen, wird ihr Umgang wohl aber locker-kollegial ausfallen.

Zumindest ist nicht bekannt, dass Werder Bremens Tim Wiese und Jens Lehmann, Torhüter-Pendant beim VfB Stuttgart, gegenseitige Abneigungen hegen.

Warum auch? Weil Lehmann ("Ich bin ein arroganter Fußballer") nach der EM als nationale Nummer eins zurücktrat, ist schließlich das potenziellste aller potenziellen Konfliktfelder zwischen beiden aus der Welt.

Wiese hält sich zurück

Wenn Wiese ("Mich interessieren nur mein Klub und meine Leistung") demnach auf eins verzichten kann, dann ist es, Lehmann zu attackieren.

So wie er das in der Vergangenheit gegen die Torwart-Kollegen jedoch immer tat, wenn es um den schwarz-rot-goldenen Pfosten-Posten ging.

Beispiel: "Es wird ein Hildebrand nominiert, der im Klub nur auf der Bank sitzt. Oder ein Enke, der mit Hannover im Mittelfeld spielt. Ich bringe national und international Top-Leistungen. Ich verstehe nicht, was das soll."

Zum Kick gegen Lehmann scheinen verbale Scharmützel hingegen ausgeschlossen. Zum einen natürlich, weil Wiese ("Das Kapitel Nationalelf habe ich abgehakt. Scheinbar passe ich da nicht rein.") von Bundestrainer Jogi Löw inzwischen doch noch in den Kreis Deutschlands Bester berufen worden ist.

Ein überaus großes Ego

Zum anderen aber auch, weil den 26-Jährigen mit Lehmann (38) weitaus mehr verbindet, als auf den ersten Blick ersichtlich.

Allen voran ein überaus großes Ego und ein Selbstbewusstsein, mit dem sie bei ihren Mitspielern bestenfalls Reizpunkte setzen oder gewitzt daherkommen.

Wenn Wiese etwa alle Jahre wieder den Bayern den Kampf um die Meisterschaft androht. Oder Lehmann sagt: "Eine Minute nach Spielende habe ich noch nicht die Intelligenz, um das Spiel zu beurteilen."

Großspurige Ein- und Auslassungen

Immer wieder mal gehen derartig großspurige Ein- und Auslassungen für Lehmann und Wiese aber auch nach hinten los. Aktuell trifft's besonders Lehmann:

Vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Varna hatte der VfB-Keeper den Wettbewerb als "Beschäftigungstherapie" verspottet, in dem durch zu viele Mannschaften das Niveau zwangsläufig sinke. Die Abqualifizierung geriet fast zum Bumerang.

Nur haarscharf verhinderte Stuttgart nach einem 0:2 die totale Blamage. Lehmann kassierte dabei ein peinliches Gegentor, als er einen Rückpass an der Strafraumgrenze erlaufen wollte, stolperte und schließlich wie ein Maikäfer über den Boden krabbelte.

Vogel für den Schiedsrichter

Im Spiel bei Borussia Dortmund hatte Lehmann kürzlich dem Schiedsrichter einen Vogel gezeigt, weil der nicht so gepfiffen hatte, wie Lehmann das für richtig hielt. Bei einem Disput mit Teamkollege Thomas Hitzlsperger wiederum soll eine Wasserflasche durch die Kabine geflogen sein.

Dass er mehrfach per Helikopter von seiner Villa am Starnberger See zum Training einschwebte, komplettiert Lehmanns polarisierendes Bild in der Öffentlichkeit, das auch Wiese abzugeben versteht.

Wenngleich es bei dem gebürtigen Bergisch Gladbacher noch mehr die äußeren Kennzeichen sind als die sportlichen Eskapaden, deren letzte schon länger zurückliegen: Mit seinem Fehler kurz vor Abpfiff ließ Wiese Werder im Champions-League-Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin ausscheiden.

Kung-Fu-Tritt gegen Olic

Und in der Vorsaison war er den Hamburger Ivica Olic mit einem Kung-Fu-Tritt angesprungen.

Was Kritikern jedoch mindestens genauso aufstößt, ist Wieses Lebensstil, der als eitel und überheblich gelten mag und für gewisse Showeinlagen gut ist: Wiese fährt Ferrari, ist immer top-gestylt, geht einmal die Woche ins Sonnenstudio und sorgte beim Werder-Anhang einst für Aufruhr, als er im rosa-roten Trikot auflief.

Während der exaltierte Lehmann den Hubschrauber als persönliches Verkehrsmittel nutzt, lässt Wiese auf dem Ahlhorner Fliegerhorst gern Modell-Kampfjets mit zwei Meter Spannweite in die Luft steigen und meint: "Im Laufe der Jahre habe ich sicher über 50 000 Euro für das Hobby ausgegeben.?

Stille Momente als Christen

So erhaben und abgehoben sich der Lehmann und Wiese bisweilen geben, Ecken und Kanten bewusst zur Schau tragen - beide haben auch ihre stillen Momente: Nicht nur, weil sie in der Mannschaft als Einzelgänger gelten.

Lehmann und der frühere Messdiener Wiese sind bekennende Christen: "Ich bete vor jedem Spiel in der Kabine. Ich knie mich hin und sage: Lieber Gott, sorge dafür, dass wir siegen und dass ich keine Tore kriege", so Wiese.

Im Vorjahr hatte es nichts geholfen: Wiese unterlag mit Werder in Stuttgart mit 3:6. Lehmann erlebte bei Arsenal wegen eines gewissen Manuel Almunia das 5:0 über Derby County von der Bank aus. Danach hatten beide akuten Diskussionsbedarf.

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