Löws Breitseite gegen Zwanziger lässt tief blicken: Das Verhältnis ist zerrüttet. Ein Trennung vor der WM wäre dennoch fatal.

Was kommt da noch alles hoch?

Dass Jogi Löw nach der geplatzten Vertragsverlängerung nun erst richtig zur Attacke bläst gegen den DFB und seinen Präsidenten Theo Zwanziger lässt ganz tief blicken.

Längst schon geht es nicht mehr um einen finanziellen Poker - ob Löws Gehalt angehoben wird, er und sein Trainerstab einen einmaligen Bonus in Höhe eines gesamten Jahresgehaltes erhalten.

Oder ob Team-Manager Bierhoff ein Veto-Recht eingeräumt bekommt bei der Berufung des neuen Bundestrainers.

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Das eigentliche Thema ist vielmehr ein in Trümmern liegender Umgang der wichtigsten Entscheidungsträger im deutschen Fußball. Und das ausgerechnet im WM-Jahr.

Denn wie kaputt muss das Verhältnis zwischen Bundestrainer und seinem Verbandsvorgesetzten eigentlich sein, wenn Löw Zwanziger öffentlich indirekt gar der Lüge bezichtigt?

Einen Handschlag-Vertrag, wie vom DFB im Dezember verlauten ließ, habe es jedenfalls nie gegeben, widerspricht der Bundestrainer seinem Boss vehement.

Und ohnehin seien hinsichtlich der "plötzlich in der Öffentlichkeit diskutierten angeblichen Vertragsdetails viele Unwahrheiten in Umlauf gekommen".

Das ist starker Tobak. Und es macht deutlich, dass das entgegen von beiden Seiten stets gern zur Schau gestellte Zwischenmenschliche bei Löw und Zwanziger - warum auch immer ? enormen Schaden genommen hat.

Dabei stellen sich zwei Fragen: Was in aller Welt mag Zwanziger veranlasst haben, von einer Einigung mit Löw zu sprechen, wenn dem so tatsächlich nicht gewesen sein sollte?

Und zweitens: Warum bewies Löw dann, sofern tatsächlich die Unwahrheit verbreitet wurde, nicht die Größe, mit Zwanziger intern in Klausur zu gehen?

Stattdessen nahm der 50-Jährige lieber in kauf, die ohnehin schon verfahrene Atmosphäre noch mehr eskalieren zu lassen.

Wie aus dieser Zerrüttung wieder ein vertrauensvolles wie konstruktives Miteinander erwachsen soll, ist schwer nachzuvollziehen.

Sportlich wäre es aber dennoch das Fatalste, sich von Löw nun zu trennen, 128 Tage vor Südafrika gar mit einem anderen Trainer in die WM zu gehen.

Löw schließlich hat die Mannschaft zusammengestellt, keiner weiß aktuell taktisch wie spielerisch besser, ihre Stärken herauszukitzeln und Schwächen einzudämmen.

Dass es danach aber gemeinsam weitergeht - seit dem heutigen Tag kaum vorstellbar.

Nur eines darf als sicher gelten: Zwanziger wird Löws Attacke keineswegs auf sich sitzen lassen.

Auch wenn er sich in der ersten Reaktion (noch) ironisch zurückhielt ("Ich habe die Aussagen des Bundestrainers zur Kenntnis genommen und freue mich darüber, dass er es genauso sieht wie wir, dass wir die volle Konzentration auf die WM legen müssen."

Zwanziger kann es auch gar nicht, würde er mit der Etikettierung eines "Lügners" doch all seine Reputation einbüßen.

Es dürfte noch einiges hochkommen?

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