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Louis van Gaal wechselte vor der Saison von AZ Alkmaar zum FC Bayern © imago

Gegen Wolfsburg gelingt den Bayern der achte Ligasieg in Folge. Robben kann es auch in roter Unterhose. Aber van Gaal meckert.

Von Daniel Rathjen

München - Das Spiel war kaum abgepfiffen, da verfinsterte sich die Miene von Louis van Gaal.

"Ich bin sehr böse. Wir haben nicht konzentriert genug gespielt, viel zu arrogant", grollte der Trainer des FC Bayern 200406(die Bilder).

Das 3:1 (2:0) beim VfL Wolfsburg war dem knorrigen Niederländer nicht genug. Die Revanche für die 1:5-Schmach aus der vergangenen Saison war zwar gelungen (Ergebnisse und Tabelle).

Doch die phasenweise mangelnde Konzentration seiner Spieler brachte den 58-Jährigen auf die Palme.

Es wirkte komisch. Denn seine Einschätzung passte rein gar nicht zur allgemeinen Stimmungslage der Münchner.

Sie hatten den Deutschen Meister dominiert und den achten Ligasieg in Folge eingefahren. Der Vorsprung von Tabellenführer Bayer Leverkusen ist auf zwei Tore geschmolzen.

Die Gäste bestimmten das Spielgeschehen, legten nach einem Blitztor von Arjen Robben (2.) durch Daniel van Buyten (26.) nach und entwickelten mit der Einwechslung von Franck Ribery in der zweiten Halbzeit zusätzlich Druck.

"Nicht konzentriert genug"

Der Franzose nötigte Wolfsburgs Abwehrchef Andrea Barzagli dann auch gleich zu einem Eigentor (57.), Grafite erzielte nur noch den Ehrentreffer (90.).

"Aber nach dem 2:0 waren wir nicht aufmerksam genug. Wichtig ist für mich, dass jedes Spiel konzentriert zu Ende gespielt wird. Und das haben wir nicht getan", schimpfte van Gaal.

Seine Unzufriedenheit habe überhaupt nichts mit dem Verpassen der Tabellenspitze zu tun, weil ihn diese derzeit noch gar nicht interessiere.

Hatte sein Verhalten gar mit der Meldung zu tun, dass Nigeria ihn gerne als Nationaltrainer verpflichten möchte? Wohl kaum.

Van Gaal nach Nigeria?

Schließlich dementierte van Gaal sämtliche Gerüchte sofort bei "LIGA total": "Ich habe einen Kontrakt. Das ist auch nicht das erste Mal, dass Nigeria auf mich zugekommen ist. Aber ich denke, dass Bayern eine große Herausforderung für mich ist."

Wie auch immer, die Meinung des Trainers zum Spiel sorgte bei den Akteuren für Irritationen.

Robben, der dieses Mal DFB-gerecht in roter statt grauer langer Unterhose auflief, gab Kontra.

"Mit dem Begriff 'Arroganz' bin ich nicht einverstanden. Wir haben Konzentrationsfehler gemacht, aber wir sind doch auch nur Menschen", rechtfertigte er sich.

Er sei mit dem klaren Sieg beim Deutschen Meister vollauf zufrieden. "Ich denke, das war ein gutes Spiel."

Zuspruch von Rummenigge

Von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bekam van Gaal immerhin Zuspruch: "Ich finde seine Reaktion gut. Louis ist ein Mensch, der den Finger auch mal nach Siegen in die Wunde legt und nicht erst, wenn man verliert."

Dass die Bayern in dieser Saison überhaupt noch einmal in der Liga eine Niederlage kassieren, scheint momentan schier unmöglich.

Zu flüssig läuft das Spiel, zu selbstbewusst sind die Leistungsträger. Nichts deutet auf einen Leistungsknick hin.

Köstner zollt Respekt

Das musste auch Lorenz-Günther Köstner feststellen. "Für mich ist es nur eine Frage der Zeit", meinte Wolfsburgs Trainer, befragt nach dem Zeitpunkt, wann denn die Bayern wieder die Tabellenführung übernähmen.

Für sein Team wird der Rest der Saison eine große Herausforderung. Die "Wölfe" wollen sich mittelfristig in der Spitzengruppe der Liga etablieren.

Nun sind die internationalen Plätze schon elf Punkte entfernt.

Daran und auch an der Stärkung der grundsätzlichen Leistungsbereitschaft will und muss Köstner nach dem verpatzten Heimdebüt dringend arbeiten.

Grafite als Vorbild

Der Coach ging mit seiner Mannschaft hart ins Gericht. "Im Moment haben wir es noch nicht verdient, gegen Teams wie die Bayern Erfolge zu feiern."

Wie man sich aus einem Leistungstief herauskämpfen kann, dafür führte Köstner ausgerechnet den oft gescholtenen Grafite als Beispiel heran.

Der Brasilianer scheiterte mit einem Foulelfmeter an Jörg Butt, ließ zwei weitere gute Chancen aus, rackerte aber immer weiter und traf in der Schlussminute.

"Er hat in den vergangenen Tagen freiwillig immer mehr trainiert", lobte Köstner: "Ein solches Engagement erwarte ich jetzt auch von den anderen Spielern."

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