vergrößernverkleinern
Lorenz-Günther Köstner begann seine Trainerlaufbahn 1982 bei Bayern Hof © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Wolfsburgs neuer Trainer Köstner über Wolfsburgs Probleme und erinnert sich an 2000.

Von Thorsten Mesch

München - Nach dem Topspiel gegen den FC Bayern München (1:3) wartet auf den VfL Wolfsburg mit Tabellenführer Bayer Leverkusen der nächste Kracher.

Auch unter dem neuen Trainer Lorenz-Günther Köstner läuft es beim Deutschen Meister noch nicht rund.

Gegen den Hamburger SV (1:1) betreute Köstner die Mannschaft zum ersten Mal und hat den Unterschied zur erfolgreichen Meistersaison ausgemacht.

"Wir müssen uns die Leichtigkeit aus der vergangenen Rückrunde erst wieder erarbeiten", sagt Köstner, der die SpVgg Unterhaching 1999 in die Bundesliga geführt hatte, bei Sport1.de.

Im Interview spricht der 58-Jährige bei Sport1.de über das Aufeinandertreffen mit Bayer Leverkusen am 22. Spieltag, sein Verhältnis zu Zvjezdan Misimovic und erinnert sich an 2000.

Sport1.de: Herr Köstner, wie sind Sie als Trainer der U23 von den Profis aufgenommen worden?

Lorenz-Günther Köstner: Die Mannschaft hat mich aufgenommen, als wäre ich schon ein halbes Jahr dagewesen. Einige Spieler kannten mich ja schon aus der zweiten Mannschaft. Da gab es überhaupt keine Probleme.

Sport1.de: Dieter Hoeneß hat im DSF-Doppelpass gesagt, Armin Veh war im Vergleich zu Felix Magath ein anderer Typ, der mehr auf Eigenverantwortung setzt. Damit habe die Mannschaft ein großes Problem gehabt, die Spieler seien bequem geworden. Ist das so?

Köstner: Sagen wir es so: Mit einer Meisterschaft hat man etwas Großes erreicht. Man ist dadurch als einzelner aber kein besserer Mensch oder kein besserer Spieler geworden, sondern man hat die Meisterschaft als Mannschaft gewonnen. Das hat einen so stark gemacht. Wenn der Erfolg ausbleibt, wird leicht geurteilt, man sei bequemer geworden". Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gute Spieler aus Eigenverantwortung heraus mehr machen. Viel öfter und leichter, weil sie mehrmals erfolgreich sein wollen.

Sport1.de: Ist das in Wolfsburg nicht geschehen?

Köstner: Doch. Aber der Lauf, den die Mannschaft in der überragenden Rückrunde hatte und durch den sie Meister wurde, ist momentan nicht da.

Sport1.de: Die Abwehrschwäche ist eklatant. Stimmen Sie zu?

Köstner: Das ist eine Tatsache, die Tabelle lügt ja nicht: Wir haben als amtierender Meister die meisten Gegentore kassiert.

Sport1.de: Wo liegen weitere Probleme?

Köstner: Die Kompaktheit als Mannschaft muss zum Beispiel wieder trainiert werden. Das fällt dem einen oder anderen Spieler nicht leicht, weil es wieder mehr wehtut. Bastian Schweinsteiger hat etwas Gutes gesagt: "Jetzt sehen es die Wolfsburger, wie schwer es ist, wenn man Meister ist und das im nächsten Jahr bestätigen muss."

Sport1.de: Wie fassen Sie die Spieler an, um zurück zum Erfolg zu finden?

Köstner: Ich habe die erste Woche nur gelobt. . Ich habe gesagt: "Fangt doch neu an. Jedes Training, jedes Gespräch, das ihr untereinander führt, kann wertvoll sein."

Sport1.de: Was haben Sie verändert? Es wurde ja schon vom "Mini-Magath" geschrieben?

Köstner: Ich habe das Training etwas umgestellt. Ich arbeite schon sehr lange mit Medizinbällen, genauso wie der Felix. Ich halte sie für ein gutes Trainingsinstrument. Wir haben Übungen gemacht, wie es die Spieler unter Magath gewohnt waren. Ich habe das mit Überzeugung gemacht. Felix hat mich ja damals für die zweite Mannschaft nach Wolfsburg geholt und gesagt: "Du bist doch auch einer von meinem Schlag. Fass die härter an als bis jetzt." Ich habe auch viele Gespräche geführt, aber das allein reicht nicht. Stark wird man auf dem Platz.

Sport1.de: Haben Sie im Spiel gegen den FC Bayern trotz der Niederlage schon Verbesserungen gesehen?

Köstner: Wir haben gegen Bayern genauso viele Torchancen gehabt, aber die spielen zu Null und wir kassieren drei Tore. Als Mannschaft ist man stark. Wer aber mehr für sich spielt, der spielt mehr mit dem Gegner und für den Gegner.

Sport1.de: Nachdem Sie Zvjezdan Misimovic gegen Bayern erneut ausgewechselt haben, war der sauer.

Köstner: Misimovic habe ich in Hamburg fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt. Das war ein taktischer Wechsel. Zwetschge hat es vielleicht etwas persönlich genommen. Wir haben darüber gesprochen und er hat auch die ganze Woche gut trainiert. Gegen Bayern habe ich ihn etwas früher rausgenommen. Wir haben deshalb aber kein Problem miteinander.

Sport1.de: Wie schätzen Sie Leverkusen ein?

Köstner: Unsere Spieler haben in der vergangenen Rückrunde diese Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit durch ganz harte Arbeit erreicht. Solch einen Lauf haben jetzt die Bayern - und erst recht Leverkusen, schon seit Beginn der Saison. Wir müssen uns diese Leichtigkeit erst wieder erarbeiten.

Sport1.de: Sollte es gut laufen, machen Sie sich Hoffnung auf eine längere Anstellung als Chef, oder gehen Sie davon aus, ins zweite Glied zurückzukehren?

Köstner: Ich kämpfe für die Sache, aber die Fronten sind geklärt. Ich bin jetzt Trainer der ersten Mannschaft und weiß, dass ich anschließend wieder zu meiner Zweiten in die Regionalliga zurückkehren kann. Auf der anderen Seite ist es doch ein sehr schönes Gefühl, wenn einem dieses Vertrauen entgegengebracht wird. Es ist doch etwas anderes, vor ausverkauftem Haus gegen Bayern, in Leverkusen und gegen Schalke zu spielen, als vor 250 Zuschauern mit der Zweiten gegen Meuselwitz.

Sport1.de: Spielt es für Sie eine Rolle, wann der neue Trainer verpflichtet wird?

Köstner: Daran verschwende ich keinen Gedanken. Wenn ich jetzt ein junger Trainer wäre und meine Chance sehen würde, auf den Zug aufzuspringen, wäre ich verbissener. Aber ich weiß, wofür ich hier bin. Ich hoffe, dass es uns gelingt, wieder in den Erfolgsspur zu finden.

Sport1.de: Es heißt, Sie haben Bayern im Jahr 2000 durch einen Sieg mit Unterhaching gegen Leverkusen zum Meister gemacht. Jetzt könnten Sie Bayern mit einem Sieg oder Remis in Leverkusen zum Tabellenführer machen.

Köstner: Das war ja gar nicht so, aber das hat mich nie gejuckt. Wir hatten unser Ziel erreicht. Leverkusen hat es damals nicht fertig gebracht. Natürlich wollen wir am Samstag in Leverkusen etwas holen, aber Bayern muss erstmal zuhause gegen Dortmund gewinnen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel