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Christian Schulz wechselte 2007 von Bremen nach Hannover © getty

Vorm Werder-Spiel bekennt 96-Kapitän Schulz: Der Absturz in den Tabellenkeller ist auch Ergebnis körperlicher Defizite.

Von Christian Paschwitz

München - Zehn Spiele ohne Sieg, auf dem Relegationsplatz den Abstieg vor Augen:

Und nun auch noch das Nord-Derby gegen ein wiedererstarktes Werder Bremen vor der Brust (Sa., ab 15 Uhr LIVE).

Hannover 96 steht das Wasser bis zum Hals. "Die Situation ist sehr prekär", meint Kapitän Christian Schulz.(DATENCENTER: Die Tabelle)

Im Interview mit Sport1.de räumt der Ex-Bremer zuletzt auch körperliche Mängel ein: "Wir haben immer so zwei, drei Spieler, die unter ihrem Leistungsvermögen spielen."

Sport1.de: Herr Schulz, wird die Vorfreude aufs Wiedersehen mit den alten Kollegen womöglich getrübt von der Sorge, auch gegen Werder auf den Deckel zu bekommen?

Christian Schulz: Mit dem Zweiten beschäftige ich mich gar nicht. Wir gehen davon aus, dass wir die nötigen Punkte einfahren. Es wäre natürlich super, wenn wir gegen Bremen damit anfangen. Seitdem ich bei 96 spiele, hat Werder übrigens noch nie hier in Hannover gewinnen können.

Sport1.de: Allerdings ist Werder ausgerechnet jetzt im Begriff, die eigene Krise zu überwinden?

Schulz: Die Bremer haben riesige Qualität in ihrem Kader, von daher war es nur eine Frage der Zeit, wann sie aus der Krise kommen. Es kann ja schnell passieren, dass man aus der Winterpause ein wenig schlafmützig kommt. Ich habe aber Bremens Pokalspiel gegen Hoffenheim gesehen - das sieht schon wieder alles richtig gut aus ? so wie man Werder eigentlich kennt.

Sport1.de: Viele 96-Fans meinen: Wenn jetzt nicht endlich ein Sieg gelingt, dann wird's zappenduster. Jörg Schmadtke hingegen sagt, man dürfe gegen Werder nicht bedingungslos einen Sieg einfordern, weil das psychologisch unklug wäre. Wer hat denn nun Recht?

Schulz: Die Situation ist sehr prekär, wir stehen auf einen Relegationsplatz, und die Nürnberger sind nur ein Punkt hinter uns. Die Lage ist uns bewusst, auch dass die nächsten Spiele nicht einfacher werden, uns läuft ja langsam auch die Zeit davon. Von daher sollte man schon anfangen, Punkte einzufahren, damit man wieder in die sicheren Regionen kommt.

Sport1.de: Was fehlt 96 nach wie vor, was hat sich zuletzt schon wesentlich verbessert?

Schulz: Gerade in Hoffenheim haben wir körperlich schon viel kraftvoller agiert, nur in den letzten 20 Minuten müssen wir noch eine Schippe draufpacken. Aber soweit sind wir halt noch nicht. Und wir müssen hinten weniger zulassen, vorn die Chancen besser nutzen.

Sport1.de: Mirko Slomka befand zuletzt, dass die Mannschaft während des Spiels zu viel Erholungszeit brauche und nicht jeder die Belastungsintervalle gewohnt sei. Ist die Mannschaft schlichtweg nicht fit genug?

Schulz: Das mit der Fitness ist so eine Sache. Wir hatten viele verletzte Spieler, die natürlich länger brauchen, um wieder bei 100 Prozent zu sein. Da sollte man etwas vorsichtig sein mit den Erwatungen, die können so etwas gar nicht leisten. Das Trainingsprogramm ist jetzt aber natürlich auch etwas anders: Es wird viel mehr im Kraftbereich und Intervallbereich gemacht. Da merkt man schon, dass nun mehr Kraft kommt. Man muss zugeben, dass wir da vorher etwas zu schludrig waren.

Sport1.de: Nach dem Hoffenheim-Spiel hat Leon Andreasen gesagt, es seien nicht alle im Team an ihre Belastungsgrenzen gegangen. Sehen Sie das auch so?

Schulz: Ein Bundesliga-Spiel ist Hochleistungssport. Wenn da nicht alle an ihre Grenzen stoßen, funktioniert es auch nicht. Es ist aber nicht so, dass keiner will. Allerdings haben wir immer so zwei, drei Spieler, die unter ihrem Leistungsvermögen spielen. So etwas können wir uns natürlich nicht erlauben. Wir sind nicht Bayern oder Leverkusen, die einen Spieler, der einen schlechten Tag hat, einfach so austauschen können.

Sport1.de: Und deswegen holt Mirko Slomka jetzt sogar die Medizinbälle hervor?

Schulz: Ach, das war nur zum Aufwärmen, ein netter Nebeneffekt. Medizinbälle hatten wir auch schon lange nicht mehr auf dem Platz. Das zeigt aber auch, dass in Hannover alles probiert wird.

Sport1.de: Und für mehr Fitness hat 96 neuerdings auch Prof. Dr. Jürgen Freiwald von der Uni Wuppertal zu für den Bereich Leistungsdiagnostik, Prävention, Rehabilitation und Kondition.

Schulz: Ja, das ist auch ein weiteres Mosaiksteinchen, um das Ruder rumzureißen. Mirko Slomka hat hier schon Einiges bewegt, mit neuen Leuten und neuen Methoden. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich das auch auszahlen wird.

Sport1.de: Was macht Slomka anders als Andreas Bergmann?

Schulz: Das Trainingsprogramm ist strukturierter. Gerade im athletischen Bereich wird noch mehr gearbeitet. Wir hatten unter Andreas Bergmann auch das Problem, dass wir immer viele Verletzte hatten und das Programm auf diese abgestimmt werden musste. Jetzt wird die Linie durchgezogen für die Spieler, die auf den Platz stehen.

Sport1.de: Arouna Kone hat gleich getroffen ? lastet jetzt der meiste Druck auf dem Neuen?

Schulz: Druck braucht er sich nicht zu machen. Er zeigt täglich im Training, über welche Qualitäten er verfügt. Es ist klasse, dass er mit einem Tor in Hoffenheim den perfekten Einstand gegeben hat, das gibt ihm Selbstvertrauen. Er wird uns auf jeden Fall weiterhelfen.

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