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DER SCOUT: Joachim Löw hat vor dem Achtelfinale behauptet, dass sich sein Team seit Jahren mit dem algerischen Fußball beschäftigt. Seinem Chefscout Urs Siegenthaler traut man das tatsächlich zu. Seit 2005 späht der 66 Jahre alte Schweizer die deutschen Gegner in aller Welt aus, erstellt Analysen, Videofilme und sonstige nützliche Dinge, sein Ruf in der Szene ist blendend. An der Seite des gelernten Architekten arbeiten der 42 Jahre alte Christofer Clemens und der 34 Jahre alte Stephan Nopp
Urs Siegenthaler trainierte von 1987 bis 1990 den FC Basel © getty

Der DFB-Chefscout soll im Sommer den wichtigen Job in Hamburg übernehmen. Die Gespräche dafür stehen offenbar kurz vorm Abschluss.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Suche nach einem Sportchef für den Hamburger SV ist offenbar abgeschlossen.

DFB-Chefscout Urs Siegenthaler wird nach Informationen mehrer Medien ab Sommer den wichtigen Job in Hamburg wahrnehmen.

Bei den Hanseaten hält man sich bedeckt. "Wir kommentieren keine Namen", erklärte Vorstandsmitglied Katja Kraus auf Nachfrage von Sport1.de.

Mit Siegenthaler würde die Vereinsführung einen völlig überraschenden Kandidaten präsentieren.

Denn bislang stand Siegenthaler, der seit 2005 für den DFB arbeitet, bei kaum einem auf der Rechnung.

Spezialwissen als Trumpf

Dabei wäre er bestens geeignet für die anspruchsvolle Aufgabe.

Der 62-Jährige hat durch die zahlreichen Beobachtungen für die Nationalelf detailgenaues Spezialwissen auf dem Spielermarkt angesammelt.

Auch Coach Bruno Labbadia kennt Siegenthaler gut, vor vier Jahren war er dessen Dozent beim Trainerlehrgang.

Ein entscheidendes Gespräch mit HSV-Chef Bernd Hoffmann und Labbadia soll bereits stattgefunden haben.

Kraus: Kein Interesse am Sportdirektor-Posten

Die Einigung ist angeblich nur noch Formsache, sofern der HSV-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am Dienstag grünes Licht gibt.

Katja Kraus, die ebenfalls für den Posten gehandelt wurde, möchte indes in ihrem jetzigen Amt als Vorstandsmitglied für Marketing und Kommunikation weitermachen.

"Ich bin glücklich und ausgelastet mit meinem Aufgabenbereich", sagte die ehemalige Nationaltorhüterin, die in Zukunft Siegenthalers Vorgesetzte wäre.

Siegenthaler möchte nicht zweiter Vorsitzender sein

Denn in Hamburg strebt Siegenthaler allem Anschein nicht den Posten des zweiten Vorsitzenden an und will sich stattdessen voll auf die sportlichen Belange konzentrieren.

Laut Hamburger Medien soll er sich in seiner künftigen Aufgabe als Sportchef unter anderem um das Scoutingsystem, das Nachwuchszentrum und die Ausbildung kümmern.

Bereits seit Sommer 2009 suchen die Hamburger nach einem neuen Sportchef, nachdem man sich von Dietmar Beiersdorfer getrennt hatte.

Vertrag beim DFB läuft bis Sommer

Mit dem Wechsel von Siegenthaler zum HSV ginge beim DFB zugleich eine Ära zu Ende.

Der Schweizer bereitete zuerst mit Chefcoach Jürgen Klinsmann die WM 2006 vor, später stand er Joachim Löw in der EM-Vorbereitung 2008 zur Seite.

Auch für die WM in Südafrika erhofft sich Löw von Chefscout Siegenthaler wichtige Erkenntnisse.

Siegenthalers Vertrag beim DFB endet im Sommer. Ein Abgang nach Hamburg wäre ein weiteres Mosaikstein für die Vermutungen, dass auch Löw nach der WM aufhört.

Bierhoff: Entscheidung liegt bei Siegenthaler

Beim DFB steht man einen möglichen Abgang des Chefscouts nach dem Turnier in Südafrika offen gegenüber.

"Siegenthaler hat mich schon vor längerer Zeit angesprochen", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

"Wir freuen uns, wenn Kräfte, die wir in der Nationalmannschaft installiert haben, bei Bundesligisten auf Interesse stoßen. Wir haben Siegenthaler die freie Wahl der Entscheidung gelassen - unter der Voraussetzung, dass er bis nach der WM zur Vefügung steht", so Bierhoff weiter.

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