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Die Leverkusener feiern einen der beiden Treffer gegen Wolfsburg © getty

Leverkusen setzt seine unglaubliche Erfolgsserie fort. Von Serien will Trainer Heynckes aber nichts wissen. Wolfsburg rutscht weiter ab.

Von Thorsten Mesch

München/Leverkusen - Während die Leverkusener zum Party-Hit "Hey, das geht ab" mit ihren Fans feierten, schlichen die Wolfsburger kleinlaut vom Rasen.

Dass Bayer nach dem hart erkämpften und glücklich zustande gekommenen 2:1 gegen den VfL zum 15. Mal in Serie an der Tabellenspitze stehen würde, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen.

Erst nach dem 3:1 des FC Bayern gegen Dortmund stand fest, dass Leverkusen die Spitze verteidigt hatte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dennoch war die Stimmung in der BayArena fast schon so gut, als wäre Leverkusen gerade zum ersten Mal Meister geworden.

Rekorde für Bayer und Heynckes

Zum 22. Mal in Folge blieb die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes ungeschlagen und stellte den Vereinsrekord ein, den die Rheinländer 1997/'98 unter Christoph Daum aufgestellt hatten.

Nebenbei schaffte die Werkself mit 13 Punkten aus fünf Spielen auch noch den besten Rückrundenstart seit 1991/'92.

Heynckes übertraf mit saisonübergreifenden 28 Spielen ohne Niederlage sogar seine bisherige Bestmarke aus der Saison 1988/'89, damals als Trainer des Rivalen aus München.

"Serien interessieren mich nicht"

Doch der Coach wollte von all der Statistik nichts wissen. "Serien interessieren mich nicht", sagte Heynckes nach dem mühevollen Sieg gegen den abgestürzten Meister.

"Ich wusste gar nicht, dass ich 1989 solange unbesiegt war. Wohl aber weiß ich, dass wir Herbstmeister und Meister geworden sind", meinte der Coach.

Jeder schaut nur auf sich

Herbstmeister ist Heynckes mit Leverkusen schon, aber bis zur Meisterschaft ist es noch ein langer Weg.

"Ich denke, dass das Rennen sehr offen ist", meinte Heynckes. "Der FC Bayern hat eine klasse Mannschaft. Ich denke, sie schauen auf sich. Wir schauen auf uns. Und das andere - da müssen wir sehen, wie es kommt."

Für Bayer wäre "die Qualifikation für die Champions League nach Platz neun in der letzten Saison ein großartiger Erfolg", hatte Heynckes schon vor dem Spiel betont: "Deswegen lassen wir uns nicht aus der Reserve locken."

Hartes Stück Arbeit

Der Sieg gegen Wolfsburg war ein Produkt aus Arbeit, Geduld und Glück.

Vor allem in der ersten Halbzeit tat sich Heynckes' junges Team gegen die defensiv agierenden Niedersachsen schwer, hatte kaum Ideen, geschweige denn Torchancen.

"Der Gegner hat sich schnell zurückgezogen, und wir haben das Mittelfeld zu langsam überbrückt", analysierte Heynckes. "Ich habe meine Mannschaft in der Halbzeit aufgefordert, die Drehzahl und das Tempo zu erhöhen. Das hat sie umgesetzt."

Lenz' Pech ist Bayers Glück

Einen Fehlgriff von Gäste-Torwart Andre Lenz nach einem Freistoß von Toni Kroos bestrafte Stefan Reinartz mit dem 1:0 (48.) 202540(DIASHOW: Die Bilder des 22. Spieltags)

Nach dem 2:0 in der 68. Minute, als der Ball nach einem Kopfball von Eren Derdiyok von der Latte gegen Lenz' Bein und von dort ins Tor prallte, schien Leverkusen das Spiel im Griff zu haben.

Ohne Hyypiä zu Gast in Bremen

Doch nach dem 1:2 durch Edin Dzeko (79.) drohte Bayer, wie in der Vorwoche in Bochum geschehen, den Sieg noch zu verspielen.

"Das ist uns in der Vergangenheit schon öfter passiert. Daran müssen wir arbeiten", mahnte Reinartz. Am kommenden Sonntag in Bremen darf sich die Werkself keine größeren Fehler erlauben, zumal Abwehrchef Sami Hyypiä an der Weser wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen wird.

Wolfsburg seit zehn Spielen sieglos

Ungleich größere Sorgen haben die nun schon seit zehn Ligaspielen sieglosen Wolfsburger. "Jeder kleine Fehler, den wir im Moment machen, wird bestraft", meinte Pechvogel Lenz.

"Tausend Mal hält man den Ball fest, dann springt er irgendwie aus den Händen raus. Ich kann mich nur bei der Mannschaft entschuldigen", sagte der untröstliche Torhüter.

Köstners Achterbahnfahrt

"Meine Gefühle fahren Achterbahn. Wir haben wenig Torchancen zugelassen und als Mannschaft sehr gut zusammengearbeitet. Und dann passiert aus dem Nichts das Tor", sagte Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner, der auch im dritten Spiel keinen Sieg schaffte.

Die "Leichtigkeit und Lockerheit", die das Team in der Meistersaison ausgezeichnet hat und die nun Leverkusen demonstriert, müsse man sich wieder erarbeiten.

Meister punktgleich mit Bochum

Während die Leverkusener weiter die Bayern ärgern, muss der Vorjahresmeister aufpassen, nicht sogar noch in den Abstiegskampf verwickelt zu werden.

"Über Fortschritte brauchen wir nicht reden, wir müssen nur auf die Tabelle schauen", sagte Kapitän Zvjezdan Misimovic.

Mit 25 Punkten rutschte der Meister auf Platz 13 ab ? punktgleich mit dem VfL Bochum.

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