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Zwei alte Bekannte: Andrej Voronin (l.) und Rudi Völler © getty

Nach langer Durststrecke trifft der Stürmer ausgerechnet in seiner alten Heimat. Ladehemmungen hat dagegen die Tormaschineri.

Leverkusen - Als Andrej Voronin nach schier endlosen 613 Minuten seinen ersten Treffer im Hertha-Trikot erzielte, hatte er gar keine Lust zu jubeln. In seiner alten Heimat feierte der Ukrainer als stiller Genießer das Ende seiner Durststrecke.

"Ich hatte drei schöne Jahre in Leverkusen und ein tolles Verhältnis zu den Fans. Deshalb habe ich aus Respekt nicht gejubelt", betonte Voronin, der mit dem 1:0 (0:0)-Siegtreffer für Berlin in der 89. Minute seinem Ex-Klub Bayer Leverkusen den K.o. versetzte.

Voronin erleichtert

"Endlich habe ich mein Tor gemacht. Ich musste lange darauf warten", meinte Voronin, der anschließend mit Tochter Mascha auf dem Arm viele Hände schütteln musste.

Ein guter Ruf aus der Vergangenheit war ihm bei seinem Wechsel an die Spree vorausgeeilt, nun scheint der Stürmer mit langer Anlaufzeit in Berlin angekommen zu sein.

Als Schnäppchen im Sommerschlussverkauf

"Ich hoffe, dass bei ihm jetzt der Knoten geplatzt ist", meinte Manager Dieter Hoeneß, der Voronin als Schnäppchen im Sommerschlussverkauf geholt hatte. Für ein Jahr wurde mit dem englischen Rekordmeister FC Liverpool, der für den 29-Jährigen eine Nummer zu groß war, ein Leihgeschäft arrangiert.

Die Engländer sollen dabei sogar ein Teil des Gehalts von Voronin übernommen haben.

Ein Jahr lang hatte er an der Anfield Road auf der Bank oder Tribüne gesessen, seine Torjägerqualitäten konnte er nie unter Beweis stellen. Das war in Leverkusen anders: 31 Tore in 92 Bundesligaspielen erzielte er von 2004 bis 2007 für Bayer, auch wenn er nach drei Jahren nicht mehr die ganz große Wertschätzung unterm Bayer-Kreuz genoss und sich die Wege trennten.

Friedrich: "Hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt"

Der Treffer tat aber nicht nur der Gemütslage Voronins gut, auch die Berliner konnten den Sieg gut gebrauchen. Nach drei Spielen ohne Sieg war in der Hauptstadt schon Unruhe aufgekommen.

"Der Sieg war in jeder Hinsicht gut. Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt", sagte Kapitän Arne Friedrich mit Blick auf die Tabelle, in der die Berliner mit elf Punkten nun wieder in der oberen Hälfte stehen.

Dass der dritte Saisonsieg aber vor allem dem Leverkusener Unvermögen zu verdanken war, interessierte am Ende keinen mehr.

7:1 Torchancen, 9:2 Ecken - und 0:1 Tore

Denn fast über die gesamte Spielzeit bot Bayer Einbahnstraßen-Fußball, ging aber wieder mal viel zu fahrlässig mit den Torchancen um.

"Das ist ein bitterer Tag. Jetzt tragen wir dieses Spiel 14 Tage mit uns herum", lamentierte Bayer-Coach Bruno Labbadia über die Ladehemmung seiner Tormaschinerie (zuvor 18 Treffer in sechs Spielen).

7:1 Torchancen und 9:2 Ecken spielten Patrick Helmes und Co. vor 22.500 Zuschauern in der BayArena allein in der ersten Halbzeit heraus.

Bekanntes Szenario

"Das war der Schlüssel zur Niederlage. Wir haben den Gegner erst aufgebaut. Schade um die drei Punkte", haderte Kapitän Simon Rolfes.

Ein Szenario, das die Leverkusener schon gegen Dortmund (2:3) und Hamburg (2:3) erlebt hatten, als sie trotz starken Leistung am Ende ohne Punkte dastanden.

So verpasste Bayer den Sprung auf den ersten Platz und reihte sich mit zwölf Punkten im Verfolgerfeld ein.

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