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Nur neun Punkte holte Jürgen Klinsmann mit dem FC Bayern bisher in der Liga © getty

Dem Bayern-Coach versaut das 3:3 gegen Bochum den Wiesn-Abschluss. Manager Uli Hoeneß wettert derweil gegen die Ersatzleute.

Von Mathias Frohnapfel und Michael Schulz

München - Zwischen Himmel und Hölle lagen am Samstag zwei Minuten.

Zumindest in München-Fröttmaning.

Die Bayern kassierten in jenen 120 Sekunden gegen den VfL Bochum zwei Tore und aus einem gefühlten 5:1 wurde ein für den Rekordmeister bitteres 3:3.

Dass Daniel van Buyten und zweimal Ze Robert für Bayern vorgelegt hatten, nützte nichts. Sinan Kaloglu sowie in der Endphase Christoph Dabrowski und Dennis Grote glichen aus.

Erste "Klinsi-Raus"-Rufe

Die 69.000 Fans in der Arena pfiffen und klagten nach dem Schlusspfiff, als ob die Staatsregierung gerade das Oktoberfest abgeschafft hätte.

Einige wenige stimmten die unvermeidlichen "Klinsmann-Raus"-Rufe an. Prosit zum letzten Wiesn-Wochenende!

Riesenlöcher in der Abwehr

Allerdings: Die Löcher in Bayerns Abwehr hatte nicht Jürgen Klinsmann zu verantworten.

Und der 44-Jährige wird mit Sicherheit seinen Routiniers Lucio, Daniel van Buyten und Massimo Oddo nicht verboten haben, vor den Gegentreffern nachzusetzen.

Auch dass Rensing beim 3:3 bemitleidenswert durch den Strafraum irrlichterte, steht wohl kaum in seinem Trainerhandbuch.

Die Konsequenzen hat jetzt jedoch Bayerns Neu-Trainer zu schultern.

Die erste ist noch zu verschmerzen: "Es ist nicht so angenehm mit so einem Ergebnis aufs Oktoberfest zu gehen", sagte der frühere Bundestrainer.

Bayern nur noch Elfter

Trotz des Unentschiedens steht ja weiter der traditionelle Wiesn-Besuch der Mannschaft am Sonntag an.

Die weiteren Folgen sind für "Klinsi" weitaus schlimmer. Der ruhmreiche FC Bayern - Meister, Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer ? ist auf Platz 11 abgerutscht.

Es ist der schlechtester Saisonstart seit 1966.

"Absolut unbefriedigend"

"Absolut unbefriedigend", knurrte Klinsmann nachher in die TV-Mikrofone. "Es brodelt in uns."

Dann analysierte er: "Die Mannschaft war eine Spur zu sicher." Der Gedanke, der laut "Klinsi" nach der zwei-Tore-Führung im Kopf seiner Profis rotierte: "Das Ding ist schon im Kasten."

War es aber nicht.

Ribery ist "sehr traurig"

Die Chancen für "drei, vier Spiele zusammen" reichten dem FCB nicht. Das lag auch daran, dass Luca Toni alleinstehend aus vier Metern seine Pflichtaufgabe nicht erfüllte.

Franck Ribery klagte gegenüber Sport1.de: "Ich bin sehr traurig über das Unentschieden und darüber, dass ich kein Tor gemacht habe."

Dabei hatte der wiedergenese Mittelfelddribbler beinahe wie eh und je die Allianz Arena zu seinem Königreich gemacht und dem Bayern-Spiel viel Kreativität gegeben.

Wieso am Ende aber kein Sieg stand, wusste der Franzose auch nicht genau. "Im letzten Jahr war alles gut, wir haben zwei Trophäen geholt und alle waren glücklich. Nun haben wir ein Jahr indem es nicht so gut läuft. Aber ich habe keine Erklärung, woran es liegt."

Hoeneß hetzt gegen Ersatzleute

Uli Hoeneß hatte dagegen sehr wohl eine Idee, woran es den Bayern an diesem verregneten Samstag mangelte.

Im Stadionbauch schimpfte der Manager: "Wenn jeder, der dann reinkommt, die Leistung gebracht hätte, für die er bezahlt wird, wäre dieses Unentschieden nicht passiert."

Ein recht ungeschminkter Vorwurf an die eingewechselten Tim Borowski, Lukas Podolski, und Jose Ernesto Sosa.

Ze Roberto: Held ohne Bühne

Der Mann, der unter gewöhnlichen Umständen als neuer Bayern-Held gefeiert worden wäre, schritt derweil wortlos Richtung Parkplatz.

Ze Roberto hatte nichts zu sagen. Dabei hatte der 34 Jahre alte Doppel-Torschütze seinen x-ten Frühling in München. Matthias Sammer staunte im TV-Studio nur: "Der beste Bayern-Spieler in dieser Saison".

Die Konkurrenz zieht davon

Derweil trauerte Karl-Heinz Rummenigge den vergebenen Chancen nach. Der Vorstandsvorsitzende hatte genau registriert, dass sein Klub "Land auf die Konkurrenz" verloren hat.

Damit müssen die Münchner nun leben. Die Länderspiel-Pause verlängert die Durststrecke von drei Spielen ohne Sieg in der Liga um zwei Wochen.

Es ist die härteste Konsequenz für Reformer Jürgen Klinsmann. Er weiß das.

Denn: Das Ergebnis "schnell ausradieren", dies geht im Moment nicht.

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