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Verzweiflung in schwarz, grün und gelb: Tim Wiese (l.) hat gerade das 1:4 kassiert © getty

Beim VfB Stuttgart gehen die zuletzt starken Bremer sang- und klanglos unter. Die Gastgeber feiern dabei ihre jungen Wilden.

Von Matthias Becker

München - Stuttgart ist vor allem im Herbst eigentlich eine Reise wert.

Die Blätter an den Bäumen auf den Hügeln rund um die Stadt verfärben sich und mit dem Cannstatter Wasn lockt das zweitgrößte Volksfest Deutschlands zum Feiern ein.

Mit dem Besuch in Städten mit großen Volksfesten hat Werder Bremen zuletzt beim 5:2 in München gute Erfahrungen gemacht - Stuttgart war für die Norddeutschen dennoch wieder keine Reise wert.

Schaaf schwer verärgert

Mit 4:1 verpasste der dortige VfB den Bremern schon die dritte deftige Klatsche innerhalb von drei Jahren (2007/2008: 6:3, 2006/2007: 4:1). Und dabei brachte nicht das Ergebnis selbst, sondern das Zustandekommen die Bremer Verantwortlichen auf die Palme.

"Die Spieler haben nicht alles eingesetzt, was nötig war", erklärte Werder-Trainer Thomas Schaaf, dessen Team nach zuvor sechs Pflichtspielen ohne Niederlage und dem 1:1 bei Inter Mailand in der Champions League auf den Boden der Tatsachen landete:

"Ein richtiger Profi macht keinen Unterschied zwischen Champions League und Bundesliga", ärgerte sich Schaaf über die Einstellung seiner Profis.

Rückkehr der Einstellungsdebatte

Die hatte schon vor dem überraschenden Erfolg bei den Bayern für teaminterne Diskussionen bei den Grün-Weißen gesorgt.

Durch die folgende Erfolgsserie wurde die Diskussion überdeckt. "Das 5:4 gegen Hoffenheim war schön, aber es hat über Probleme bei uns hinweggetäuscht", analysierte Sportdirektor Klaus Allofs. Von Wolke sieben ist Werder in Stuttgart mit Schwung heruntergestürzt.

"Wir haben tatenlos zugeschaut"

Vor allem die erstaunliche Lust- und Ideenlosigkeit ihrer Elf dürfte Allofs und Schaaf in Alarmstimmung versetzt haben. "Wir haben tatenlos zugeschaut und zu keiner Phase ins Spiel gefunden", wunderte sich der Trainer: "Wir waren in vielen Dingen sehr, sehr, sehr nachlässig."

Eklatant ist dabei die Defensivschwäche des Vizemeisters: Mit 16 Gegentreffern in sieben Spielen stellt Werder als Tabellensechster die Schießbude der Liga. Nur die Tatsache, dass Werder auch den besten Angriff stellt, kann diese Schwäche ausgleichen.

Die angestrebten Titel werden so aber nicht gewonnen. "Wir müssen wissen, dass wir uns solche Dinge nicht erlauben können, wenn wir etwas erreichen wollen", mahnte daher auch Schaaf.

Aus Personalnot eine Tugend

Dass sie in dieser Saison vielleicht etwas Besonderes erreichen können, nahmen dagegen die offensiv überzeugend aufspielenden Stuttgarter erfreut zur Kenntnis.

"Wir sind schon mal Meister geworden mit so vielen Jungen", erklärte Trainer Armin Veh, der seine Mannschaft ausführlich lobte: Sie habe "ein Klasse-Spiel gemacht, war unheimlich diszipliniert und laufstark und hat auch gut Fußball gespielt".

Veh selbst machte aus der aktuellen Personalnot wie schon in der Meister-Saison 2006/2007 eine Tugend und warf mit Christian Träsch einen 21-Jährigen ins kalte Wasser. Der Rechtsverteidiger erzielte bei seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an ein Traumtor zum 2:0 und bereitete das 3:0 vor.

Stuttgart schon auf Platz zwei

Zusammen mit anderen Jungprofis wie dem besten Stuttgarter des Tages, Sami Khedira (21 Jahre), Roberto Hilbert (23) oder Mario Gomez (23) verbreitet er bei den Schwaben die Hoffnung auf eine erfolgreiche Saison.

Trotz einer Achterbahnfahrt in den vergangenen zwei Wochen ist der VfB auf Tabellenplatz zwei geklettert. 13 Punkte aus sieben Spielen bedeuten den besten Saisonstart seit vier Jahren.

"Man hat gesehen, was möglich ist"

"Man hat gesehen, was möglich ist, wenn man bereit ist zu laufen und zu kämpfen und die Zweikämpfe annimmt", freute sich Khedira ? und versetzte Gegner Werder damit unbewusst noch einen letzten Nackenschlag.

Aber die Bremer waren ohnehin schon komplett bedient - Stuttgart ist für sie eben einfach keine Reise wert.

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