Nach dem 3:3 gegen Bochum steht Jürgen Klinsmann schon vor einem Scherbenhaufen. Doch Bayerns Krise liegt keineswegs nur am Trainer.

Alles sollte anders werden unter Jürgen Klinsmann beim FC Bayern.

Der Verein sollte moderner werden, die Mannschaft offensiver und attraktiver Fußball spielen und vor allem mit den absoluten Top-Teams in Europa wieder auf Augenhöhe agieren.

Doch nach den ersten drei Monaten steht Klinsmann schon vor einem Scherbenhaufen.

Der Rekordmeister weist nach dem frustrierenden 3:3 gegen Bochum die schlechteste Bilanz seit 42 Jahren auf. Nur dank der Inkonstanz der Konkurrenten hält sich der Rückstand auf die Tabellenspitze noch in Grenzen.

Die Bayern-Krise hat viele Gründe, die keineswegs nur beim neuen Trainer zu suchen sind.

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So hat auch die Vereinsführung offenbar nicht aus der katastrophalen Saison 2006/2007 gelernt.

Damals verließ Michael Ballack den Klub und alle Verantwortlichen waren überzeugt davon, dass man die entstandene Lücke aus dem bestehenden Kader schließen könne. Eine komplette Fehleinschätzung.

Diesmal verließ Oliver Kahn das Team und auch er wurde nicht adäquat ersetzt. Nicht im Tor ? wo Michael Rensing bislang die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte.

Und noch weniger als absoluter Führungsspieler, der der Defensive Halt gab und die Mannschaft mit seinem Sieger-Gen mitriss.

Die lange Suche nach einem neuen Kapitän zeigte bereits, dass niemand dieses Vakuum schließen kann oder will.

Dass Klinsmann dann Mark van Bommel auswählte, um ihm jetzt das Vertrauen zu entziehen, ist einer seiner hausgemachten Fehler. Wie auch seine wechselnden Aufstellungen und taktischen Varianten, die das Team offenbar mehr verwirrt als weitergebracht haben.

So wird die Luft mit jedem Misserfolg für Klinsmann dünner.

Zumal der neue Coach schon seit Beginn seiner Tätigkeit von der Mehrheit der Fans äußerst skeptisch beobachtet wurde.

Nicht zuletzt durch die langjährige Fehde zwischen Hoeneß und Klinsmann, seit dieser den FCB als Spieler im Unfrieden verließ.

So steckt der als Visionär geholte Trainer schon nach wenigen Wochen in der Ergebnis-Falle: Um wieder Ruhe reinzubekommen, helfen ihm nur Siege - egal wie sie zustande kommen.

Seinem Ziel, dem Neubau einer offensiv ausgerichteten Mannschaft auf internationalem Top-Niveau, kommt Klinsmann aber mit einer Rückkehr zum Ergebnis-Fußball keinen Schritt näher.

Stattdessen muss er seinen Weg unbeirrt weiter gehen und dabei schnellstmöglich die Kurve kriegen. Schon jetzt ist er auf die Geduld der gewöhnlich nicht sehr geduldigen Bayern-Bosse angewiesen.

Für die Vereinsführung dürfte der Druck daher am größten sein. Denn eine frühzeitige Entlassung Klinsmanns würde einem Offenbarungseid von Hoeneß und Rummenigge gleichen.

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