DSF-Experte Udo Lattek glaubt, dass München früher oder später an Bayer vorbeizieht. Von van Nistelrooy ist er begeistert.

Hallo Fußball-Freunde,

nach dem 3:1-Sieg der Bayern über Dortmund gab es hinterher Diskussionen um die Rechtmäßigkeit zweier Bayern-Treffer.

Zum 2:1 von Arjen Robben habe ich zwei Versionen. Gestern habe ich in der Bayern-Kurve gesessen - da war es kein Foul. Heute im Doppelpass sitze ich neben Herrn Watzke, da war es ein Foul.

Im Ernst: Es ist unheimlich schwer festzustellen, ob es ein Foul war, oder nicht. Ich habe mir die Zeitlupe ein paar Mal angesehen. Persönlich hätte ich es nicht gepfiffen, aber man kann es geben.

Zum 3:1 von Mario Gomez muss ich sagen: Das ist eine Milimeter-Entscheidung. Das als Schiedsrichter in diesem Moment richtig zu erkennen, ist fast unmöglich.

Das Dortmunder Zweikampfverhalten hat mir gefallen. Sie haben die Räume immer eng gemacht. Es waren mindestens zwei Mann immmer beim Gegner, meistens sogar der Dritte auch noch. Das war ausgezeichnet.

Generell traue ich der Mannschaft viel zu. Das Potenzial ist sehr gut. Sie haben in den ersten 45 Minuten gestern gezeigt, wie gut sie spielen können.

Von der Taktik, von der Raumaufteilung her und sie haben auch gute Individualisten. Wie die junge Mannschaft die letzten Rückschläge jetzt verarbeiten wird, das muss man abwarten und es wird entscheidend dafür sein, wie Klopp die Jungs jetzt einstellt.

Dann können sie vielleicht dahin marschieren, wo sie hin wollen und sich oben festsetzen. Das andere Problem, das ich sehe ist, dass diese jungen Spieler sich gut entwickeln und eventuell weggekauft werden.

Beim Erfolg gegen Wolfsburg hat Bayer auch von Andre Lenz' Torwartfehler profitiert. Er kann den Ball auch einfach wegfausten, das wäre einfacher gewesen. Er läuft raus wie ein Fliegenfänger, das darf einem Torwart nicht passieren.

Das Kopf an Kopf-Rennen zwischen Leverkusen und Bayern bleibt so weiter spannend. Aber spätestens wenn die Münchner in Leverkusen spielen, wird die Meisterschaft entschieden. Dann wird Bayern gewinnen und das Thema ist erledigt.

Auch die Dreifach-Belastung wird kein Problem sein für die Bayern. Das kriegen die Münchner geregelt. Du läufst von Spiel zu Spiel und hast gar nicht viel Zeit, nachzudenken.

Nur wenn die Stars, also Ribery und Robben, sich verletzen sollten, dann bekommt Bayern Probleme. Wenn die sie nicht verletzen, dann marschieren die einfach durch. Eine gute Mannschaft - und Bayern ist sogar eine sehr gute - kann diese Belastung verkraften.

Ruud van Nistelrooys perfekter Einstand hat mich nicht überrascht. Er ist ein Typ, der für mich zum Besten gehört. Ich habe eine Menge Fußballer und Stürmer gesehen. Er ist das Beste, was jemals auf dem Markt war.

Er ist schnell, er ist gut am Ball, er ist kopfballstark und kann schießen. Ganz wichtig ist zudem, dass er ein netter Kerl ist. Er hebt nicht ab und hat nie den Star raushängen lassen.

Er ist stets auf dem Teppich geblieben und hat sich im Sinne der Mannschaft verhalten. Das scheint auch bei der Mannschaft in Hamburg gut anzukommen. Wenn der sich nicht verletzt, dann hat der HSV einen goldenen Griff getan.

Ich glaube, van Nistelrooys Verpflichtung gibt den Hamburgern nochmal zusätzlich einen Schub und denke, dass die nochmal richtig angreifen werden."

Hannover-Keeper Florian Fromlowitz muss nach der Niederlage gegen Bremen erneut viel Kritik einstecken.

Aber Robert Enke war nicht nur Torwart, sondern auch Leitfigur. Die Abwehr wusste immer, dass sie ihn hinten drin haben, wenn mal ein Schuss durchkommen sollte.

Enke hat die Sicherheit ausgestrahlt, auch mal einen Unhaltbaren zu halten. Das macht Fromlowitz nicht. Ich habe den Jungen immer für einen guten gehalten. Die Unsicherheiten können sich eigentlich nur im Kopf abspielen. Wenn er zum Beispiel beim 0:1 einfach stehen bleibt, passiert gar nichts - aber er wirft sich hin und macht so den Raum für den Ball frei.

Außerdem war es unklug von Hannover, das Interesse an Gerhard Tremmel publik werden zu lassen. Das darf nicht passieren. Der junge Torwart tut alles, um in die Mannschaft zu kommen und um Enke zu ersetzen.

Der wird doch durch sowas total verunsichert. Man hätte vorher mit Fromlowitz sprechen und sagen müssen, dass er trotzdem die Nummer Eins ist, man aber auch einen guten Mann in der Hinterhand haben will.

In der jetzigen Situation würde ich Uwe Gospodarek bringen. So viel schlechter kann er nicht sein. Er ist ein guter, erfahrener Torwart.

Die Reflexe werden nicht mehr so gut sein wie früher, aber er wird mehr Ruhe ausstrahlen. Wenn Fromlowitz jetzt wieder im Tor steht, wird die Abwehr von vornherein verunsichert sein und denken, dass ihm wieder ein Fehler unterlaufen könnte. Man muss mit ihm sprechen und es muss etwas passieren. Das Risiko würde ich eingehen.

Euer Udo Lattek

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