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Er glaubt selbst nicht mehr richtig dran: Jos Luhukay steht in Gladfbach vorm Aus © getty

Wird Mirko Slomka nun sein Nachfolger? Nach dem 1:2 gegen Köln ist Mönchengladbachs Trainer Jos Luhukay nicht mehr im Amt zu halten.

Von Christian Paschwitz

München/Mönchengladbach - Vor ein paar Wochen hatten sie sich am Niederrhein noch alle mit einem angeklebten schwarzen Schnäuzer geschmückt. Mit der Gesichtsbehaarung von Jos Luhukay eben, dem Trainer und Architekten des Gladbacher Aufstiegs.

Doch nach der 1:2 (1:1)-Pleite gegen den 1. FC Köln ist der Bart ab bei Schlusslicht Borussia ? der Trainer wird gleich "mitrasiert": Luhukay ("Ich zweifele keine Sekunde an meiner Kompetenz"), hat seine Chance wohl verwirkt, weiter die sportliche Verantwortung beim Schlusslicht zu tragen.

Die Aussagen und Reflexe der Gladbacher Verantwortlichen bedürfen jedenfalls keiner Interpretationshilfe: Weder Sportdirektor Christian Ziege noch Präsident Rolf Königs rangen sich nach der bitteren Pleite im Rheinland-Derby zu einem Bekenntnis für Luhukay durch.

Es waren dürre Sätze, die da fielen. Auf keinen Fall jedoch Aussagen pro Trainer. "Man trifft so kurz nach dem Spiel keine Entscheidung. Bald werden wir mehr sagen", meinte Ziege ausweichend und verbat sich zunächst Nachfragen zum Thema.

Am Sonntag schon Vollzug?

Was in der Branche so viel bedeutet, dass Luhukays Entlassung beschlossene Sache ist. Die entsprechende Vollzugsmeldung könnte schon am Sonntag rausgehen, der Betroffene selbst muss der Form halber erst noch informiert werden. Am Abend zogen sich die Mönchengladbacher Granden zu Beratungen zurück.

So wirklich scheint Luhukay ("Ich kann das eh nicht entscheiden") an seine Weiterbeschäftigung selbst nicht mehr zu glauben.

Seine Körpersprache zumindest gab das Gegenteil von dem ab, was ein engagierter bis impulsiver Kölner Übungsleiter Christoph Daum bot: Versteinert schaute Luhukay drein, als es nach fünf Minuten gleich die kalte Dusche gab.

Nach einem schweren Patzer von Schlussmann Christofer Heimeroth hatte Kölns Fabrice Ehret keine Mühe, zum 0:1 abzustauben.

Kaum Regung

Selbst der rasche Ausgleich durch Roel Brouwers (11.), bei dem FC-Keeper Faryd Mondragon danebengriff, löste in Luhukay nicht viel an Regung aus. Die Hände entweder gefaltet wie zum Gebet oder in Denkerpose am Kinn - obwohl den Gladbachern zumindest in dieser Phase bis zur Halbzeit ein Bemühen nicht abzusprechen war, nach vier Pleiten in Folge mal wieder etwas Zählbares einzufahren.

Die Schlussminuten dann brachte Luhukay nur noch sitzend zu, ähnlich lethargisch wie sein Team. Für die völlige Resignation sorgte kurz vor Abpfiff schließlich Milivoje Novakovic (88.): Der nicht unhaltbare Freistoß-Treffer des Slowenen bedeutete Gladbachs erste Heimniederlage gegen Köln seit 16 Jahren.

Schlimmer jedoch: Es war Luhukays sechste Schlappe im siebten Spiel. Ein Negativ-Rekord bei den Borussen, die unter ihrem in Krisensituationen personell nicht gerade zimperlichen agierenden Präsident Königs seit 2004 schon sechs Trainer verschlissen haben.

Fan-Aufstand, Autos blockiert

Luhukay wird nun wohl der siebte sein. Bei den eigenen Anhängern, die den 45-Jährigen und die schwache Borussen-Gesamtleistung mit Pfiffen quittierten, ist der Aufstiegstrainer der Vorsaison ohnehin unten durch: Schon während des letzten Trainings hatte es einen Fan-Aufstand gegeben, waren die Autos von Trainer und Spielern blockiert worden.

Es war zu wenig für eine Versöhnung sowie die sportliche Trendwende, dass Luhukay nach zuletzt schwerer Rotation mit 23 eingesetzten Spielern nun von Beginn an auf Offensive setzte:

Oliver Neuville ("Wir stehen alle hinter dem Trainer"), Rob Friend und Marko Marin, der nach der Pause mit einem Flachschuss die einzig gefährlich Mönchengladbacher Möglichkeit vergab, konnten ihrem Trainer wohl nicht mehr den Job retten. Sascha Rösler und Alexander Voigt sowieso nicht: Luhukay hatte die beiden Aufstiegshelden kurzerhand aus dem Kader gestrichen.

Kommt nun Slomka?

Zwei Wochen sind es wegen der Länderspielpause nun bis zum nächsten Spiel beim VfL Bochum. Als Nachfolger für Luhukay ("Ich war immer mit Leidenschaft und Herz beim Fußball") wird Schalkes Ex-Trainer Mirko Slomka gehandelt.

Ziege, zumindest als Interimslösung im Gespräch, brach unlängst seinen Lehrgang für die Trainerlizenz in Köln ab, weil sich zu viele Fehlstunden geleistet hatte. Später nach Abpfiff kündigte der Sportdirektor eine "baldige" Entscheidung an und meinte: "Ich gehe jetzt erst einmal nach Hause und will ein paar Minuten für mich haben."

Was Daum denkt

Luhukays FC-Pendant Daum lieferte zum Geschehen die passende Verbal-Steilvorlage, als er im Moment des Kölner Triumphs sagte: "Wenn du einmal gewinnst, kann's Zufall sein. Wenn du zweimal gewinnst, kann's Glück sein. Wenn du aber jetzt das dritte Mal gewinnst, dann steckt knallharte Arbeit dahinter."

Auch umgekehrt wird daraus ein Schuh. Sechs Gladbacher Niederlagen aus sieben Partien bedeuten: Die Arbeit von Luhukay ("Ich investiere hier jeden Tag totale Leidenschaft") ist gescheitert.

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