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Frust nach dem Fehlstart: Jürgen Klinsmann (l.) und Uli Hoeneß © getty

Dicke Luft beim FC Bayern nach dem Fehlstart in die Saison: Nach dem 3:3 gegen Bochum hielt Jürgen Klinsmann eine Kabinenpredigt.

Von Martin Volkmarund Michael Schulz

München - Nach dem Fehlstart in die Saison herrscht dicke Luft beim FC Bayern.

Am Tag nach dem 3:3 gegen den VfL Bochum kam es zur Krisensitzung an der Säbener Straße.

In Anwesenheit des Bayern-Vorstands hielt Jürgen Klinsmann der Mannschaft eine Kabinenpredigt, in der er die bislang gezeigten Leistungen des Teams massiv kritisierte.

"Ich kann als Trainer nicht akzeptieren, wenn man beim Stand von 3:1 Ze Roberto auswechselt und die Leute, die reinkommen, bringen nicht die gleiche Einstellung", sagte er.

"Das sind Punkte, bei denen ich relativ strikt dagegen gehen werde. Es wird mit Sicherheit ein bisschen Leben reinkommen."

Rückendeckung von der Vereinsführung

Der Trainer gab damit einen Teil des Drucks weiter, der nach dem nach Punkten schlechtesten Auftakt seit 42 Jahren auf ihm lastet.

Von der Vereinsführung erhielt Klinsmann allerdings Rückendeckung. "Wir haben totale Geduld, wir haben totales Vertrauen zu Jürgen", erklärte FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Und Manager Uli Hoeneß meinte kurz angebunden: "Zu seiner Bilanz sage ich etwas am 30. Juni. Da endet unser Geschäftsjahr."

Klar ist allen Beteiligten aber, dass wesentlich früher die Wende kommen muss, um den Rückstand auf die Tabellenspitze und die Unzufriedenheit der Fans nicht allzu groß werden zu lassen.

Verständnis für Unmut der Fans

Der Chefcoach zeigte sogar Verständnis für die frustrierten Anhänger, die erstmals deutlich hörbar "Klinsmann raus!" riefen.

"Das tut natürlich weh", erklärte der 44-Jährige. "Aber ich verstehe die Fans. Wir haben bislang nicht die Leistungen gebracht, die von uns erwartet werden."

So beurteilte die Situation auch Ex-Nationalspieler Matthias Sammer, der das völlig unnötige Unentschieden gegen Bochum als "Katastrophe" bezeichnete.

Gleichzeitig warnte der DFB-Sportdirektor jedoch vor einer Entlassung Klinsmanns. "Natürlich zieht es Unruhe nach sich, wenn die Ergebnisse nicht stimmen", sagte Sammer der "Welt am Sonntag".

"Aber um die Qualität eines Trainers einschätzen zu können und sein wahres Leistungsvermögen zu erkennen, braucht es Zeit. Auch mit Blick auf den gesamten deutschen Fußball ist es wichtig, Jürgen Klinsmann ein bestimmtes Zeitfenster zu geben."

Klinsmann bittet um Geduld

Auch Klinsmann selber bat einmal mehr um Geduld: "Beim FC Bayern müssen die Ergebnisse immer besser sein als diese", gab er zu.

"Aber Uli Hoeneß und ich schauen und analysieren alle Spiele gemeinsam. Wir müssen einfach weiterarbeiten Es gibt immer Aufs und Abs - im Moment sind wir in einem Tal."

Für die Verhältnisse beim erfolgsverwöhnten Rekordmeister sind nur ein Punkt aus den letzten drei Spielen und die schlechteste Platzierung am 7. Spieltag seit 1977 jedenfalls viel zu wenig - vor allem zur Wiesn-Zeit, in der man früher als unschlagbar galt.

Gedämpfte Stimmung beim Wiesn-Besuch

Entsprechend gedämpft war die Stimmung beim traditionellen Oktoberfest-Besuch der Mannschaft am Sonntag. Zumal die Spieler spätestens nach Klinsmanns Ansprache am Vormittag wissen dürften, dass sie nun endgültig in der Pflicht sind.

"Nicht nur auf Jürgen Klinsmann wird in den nächsten Tagen eingeschlagen, auch uns Spielern tut es leid, wenn die Ergebnisse nicht stimmen", zeigte sich Bastian Schweinsteiger reuig.

"Ich bin es gewöhnt, dass es in München Theater gibt, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Es gibt Phasen, in denen es gut läuft, und manche, in denen es nicht so gut läuft. Momentan läuft es schlecht. Es wird auch wieder besser werden, wir müssen nur mehr an uns arbeiten."

"Ganze Mannschaft steht hinter Klinsmann"

Gründe für die Probleme - etwa die Löcher in der Abwehr (schon 13 Gegentore) und die anhaltende Ladehemmung im Angriff - nannte der Mittelfeldspieler nicht. Stattdessen stellte auch er sich hinter den Trainer:

"Die ganze Mannschaft steht völlig hinter Jürgen Klinsmann und an der Rotation hat es auch nicht gelegen, dass wir die letzten Wochen so schlecht gespielt haben."

Neue Stürmer sollen im Winter kommen

Der Trainer hingegen scheint langsam das Vertrauen in seine Akteure zu verlieren. Jedenfalls halten sich die Gerüchte über Einkäufe in der Winterpause hartnäckig. Als Top-Kandidaten werden Anatoly Tymoschuk, Pawel Pogrebnjak (beide St. Petersburg) und Goran Pandev (Lazio Rom) gehandelt.

Und auch der russische EM-Star Andrej Arschawin kann sich einen Wechsel vorstellen. "Es ist eine Ehre für jeden, in München zu spielen", sagte der Stürmer von St. Petersburg der "Bild am Sonntag". "Für mich natürlich auch."

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