vergrößernverkleinern
Christian Ziege übernimmt vorerst den Posten von Jos Luhukay © getty

Borussia Mönchengladbach hat auf die sportliche Krise reagiert und Jos Luhukay entlassen. Kommt nun einer seiner Vorgänger zurück?

Von Martin Volkmar

München/Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat auf die sportliche Krise reagiert und Jos Luhukay entlassen.

Rund 24 Stunden nach dem 1:2 im Derby gegen den 1. FC Köln gab das Bundesliga-Schlusslicht den ersten Trainerwechsel der Saison bekannt.

"Die sportliche Leitung und die Vereinsführung haben die Situation ausführlich beraten. Dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir ohne Jos Luhukay weitermachen", erklärte Präsident Rolf Königs.

Ziege keine Dauerlösung

Sportdirektor Christian Ziege wird vorerst als Interimscoach die Verantwortung übernehmen, soll aber keine Dauerlösung sein.

"Wir suchen ab sofort nach einem neuen Trainer, der zum Verein und zur Mannschaft passt, werden dies aber in Ruhe und mit Sorgfalt tun", sagte Ziege.

"Es wird keinen Schnellschuss geben, deshalb habe ich mich bereit erklärt, die Mannschaft vorübergehend zu trainieren."

Ziege fehlt die Trainerlizenz, die allerdings Torwart-Trainer Uwe Kamps und U-19-Coach Sven Demandt vorweisen können.

Slomka heißer Kandidat

Doch der Ex-Nationalspieler, der seit längerem als Favorit auf die Nachfolge galt, will offenbar weiter als Sportdirektor arbeiten.

Heiß gehandelt wird nun Schalkes Ex-Coach Mirko Slomka. "Ich habe noch keinen Anruf bekommen", sagte Slomka bei "Premiere" - allerdings vor dem Rauswurf von Luhukay.

Treffen mit Meyer?

Die "Bild am Sonntag" brachte zuvor eine weit spektakulärere Alternative ins Gespräch: Demnach haben sich die Gladbacher schon zu Gesprächen mit Hans Meyer getroffen.

Der 65-Jährige trainierte die "Fohlen" von September 1999 bis März 2003 und ist bei den Borussen-Fans nach wie vor äußerst populär.

Ein Grund ist die Tatsache, dass der Thüringer die Gladbacher 2001 zurück in die Bundesliga führte.

Zuletzt war Meyer beim 1. FC Nürnberg tätig, wo er nach dem DFB-Pokalsieg 2007 allerdings Anfang dieses Jahres wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde. Offen ist, ob der Routinier noch einmal Lust auf eine Rückkehr auf die Trainerbank verspürt.

Luhukay wollte weitermachen

Luhukay musste vor der zweiwöchigen Länderspielpause gehen, nachdem sein Team sechs von sieben Saisonspielen verloren hatte.

"Jos Luhukay ist unser Aufstiegstrainer und ihm gilt unser Dank und unser Respekt", erklärte Königs. "Wir schätzen ihn menschlich und fachlich sehr, trotzdem hat uns die aktuelle sportliche Lage veranlasst, uns von ihm zu trennen."

Der Niederländer, der den Klub seit dem 31. Januar 2007 trainierte und die direkte Bundesliga-Rückkehr schaffte, hätte gerne weitermachen. "Wenn es nach mir geht, betreue ich die Mannschaft auch beim nächsten Spiel. Ich gebe nicht auf", hatte Luhukay nach der Pleite gegen Köln erklärt.

310. Entlassung der Bundesliga-Geschichte

Der 45-jährige Niederländer ist der 310. Trainer in der Bundesliga-Geschichte, der vorzeitig seinen Platz räumen muss.

Neben der Negativserie wurden Luhukay, der noch einen Vertrag bis Saisonende besaß, vor allem die defensive Taktik und die zahlreichen Spielerwechsel vorgeworfen.

Dies hatte Kapitän Oliver Neuville zuletzt sogar öffentlich kritisiert. Bisher hatten die Gladbacher bereits 23 Spieler eingesetzt.

Randale vor dem Derby

Neben den sportlichen Probleme haben die Gladbacher zudem Ärger mit einigen Fans. Anhänger hatten vor dem Derby Kölner Fan-Busse attackiert, die FC-Fans wiederum Leuchtraktene abgeschossen.

"So etwas gehört nicht zum Fußball. Im Stadion herrschte aber eine tolle Atmosphäre", meinte FC-Trainer Christoph Daum.

Aufgrund des Verkehrschaos rund um den Borussia-Park war die Partie erst mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen worden, da die Kölner erst um 14.45 am Stadion eingetroffen waren.

Die FC-Spieler mussten sich daher bereits im Mannschaftsbus umziehen. Ihrer Leistung war das nicht abträglich, zum Leidwesen der Gladbacher und vor allem von Luhukay.

"Zum Forum - jetzt mitdiskutieren"

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel