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Louis van Gaal (l.) war 2009 Trainer des Jahres in den Niederlanden © imago

Nach dem Remis in Nürnberg findet Bayern-Trainer Louis van Gaal positive Worte für sein Team. Auf Kritik reagiert er dünnhäutig.

Von Thorsten Mesch

München - Als Louis van Gaal nach dem Ende der Bayern-Siegesserie im Interview gefragt wurde, ob seine Mannschaft das Spiel vielleicht mit halber Kraft nach Hause schaukeln wollte, explodierte er förmlich.

"Es ist unglaublich, dass Sie das sagen", blaffte der Bayern-Trainer den TV-Reporter nach dem 1:1 in Nürnberg an und konterte mit Gegenfragen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Haben Sie gesehen, dass Nürnberg mit elf Spielern in der eigenen Hälfte stand? Und haben wir nicht ein sehr schönes Positionsspiel gespielt?"

Kritik nicht erwünscht

Die Kritik des Fragestellers schien den Niederländer mehr zu ärgern als der überraschende Punktverlust der Münchner nach zuletzt 13 Pflichtspielsiegen in Folge und das damit verbundene Verpassen eines Vereinsrekords von zehn Bundesligasiegen in Serie.

Besser als das Florenz-Spiel

"Wir waren sehr dominant und hatten viele Chancen. Dass wir sie nicht genutzt haben, ist schade", meinte van Gaal.

"Das Publikum hat ein sehr gutes Spiel gesehen. Nürnberg hat unglaublich gekämpft, und das ist schön. Aber sie können nicht sagen, dass wir schlecht gespielt haben!"205134(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

Im Gegenteil. "Viel besser als gegen Florenz", habe seine Mannschaft gespielt. "Da haben wir aber 2:1 gewonnen, und deshalb hat man nichts gesagt."

Ohne Esprit

Auch wenn van Gaal seine Sicht der Dinge so vehement verteidigte war doch nicht zu übersehen, dass dem Spiel seiner Mannschaft im 180. fränkisch-bayerischem Derby Entschlossenheit und Überraschungsmomente fehlten. 17089(DIASHOW: Das fränkische Derby)

Ohne den schon wieder verletzten Franck Ribery fanden die Münchner kaum eine Lücke im Dickicht der Nürnberger Hintermannschaft.

Nach einer Unaufmerksamkeit der Gastgeber leitete Thomas Müller erst in der 38. Minute den ersten gefährlichen Angriff ein, den er nach Vorlage von Mario Gomez mit seinem siebten Saisontor zum 0:1 abschloss.

Gündogan durchkreuzt Pläne

Van Gaal gönnte Arjen Robben nach zwei Wochen mit Doppelbelastung durch Pokal und Champions League eine Pause und wollte mit Hamit Altintop wohl die Defensive stärken, doch Nürnbergs Ausgleich durch Ilkay Gündogan (54.) machte dem Bayern-Trainer einen Strich durch die Rechnung.

"Schlag ins Gesicht"

Als "Schlag ins Gesicht" bezeichnete Mario Gomez das Gegentor. Dabei hatte der Nationalspieler in der 77. Minute selbst die größte Chance zum Sieg auf dem Fuß, scheiterte aber aus zehn Metern freistehend an FCN-Torwart Raphael Schäfer.

Das Remis sei "ärgerlich. Wir hätten sicherlich einen Riesenschritt machen können", meinte Torwart Jörg Butt.

"Nicht entscheidend"

Den Dämpfer im Fernduell mit Bayer Leverkusen um die Bundesligaspitze wollte van Gaal jedoch nicht überbewerten: "Das ist nicht entscheidend. Am Ende ist es wichtig und nicht an diesem Wochenende."

Van Bommel nimmt es gelassen

Genauso sah es sein Kapitän. "Statistisch gesehen kam der Punktverlust immer näher, denn man kann in der Bundesliga nicht alles gewinnen", sagte Mark van Bommel.

"Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Am Ende kommt ein 1:1 heraus, unverdient, aber so ist das manchmal."

Chancen herauszuspielen gegen einen "Gegner, der nur verteidigt" sei nicht einfach gewesen. "Wir waren nicht nachlässig, wir waren gar nicht so schlecht und meiner Meinung nach besser als gegen Florenz", meinte van Bommel.

Konter auf Heynckes-Aussagen

Die Sticheleien von Leverkusens Trainer Jupp Heynckes ("Ich glaube, die Bayern wären auch mit Platz zwei zufrieden") konterte der Mittelfeldspieler trocken.

"Er muss das sagen, weil Leverkusen noch nie Meister war. Jupp Heynckes hat schon einige Jahre bei Bayern trainieren dürfen, und er weiß ganz genau, wer am Ende Meister wird."

Nürnberg weiter unterm Strich

Während die Münchner zumindest bis zum Sonntag mit einem Punkt Vorsprung auf die in Bremen antretenden Leverkusenern auf Platz eins stehen, bleiben die Nürnberger trotz des Punktgewinns auf einem Abstiegsplatz.

Hecking zufrieden

Dennoch herrschte Zufriedenheit bei den Gastgebern. "Man kann nicht erwarten, dass wir den Bayern hier spielerisch Paroli bieten, aber wir haben uns mit Leidenschaft einen glücklichen Punkt erkämpft", sagte Trainer Dieter Hecking und ergänzte: "Das ist gut für die Moral und das Selbstvertrauen."

Selbstvertrauen, das die Nürnberger im Abstiegskampf am kommenden Samstag in Bochum gut gebrauchen können.

Der FC Bayern hat am Sonntag den Hamburger SV zu Gast. Bis dahin wird sich Louis van Gaal sicher wieder beruhigt haben.

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