DSF-Experte Udo Lattek beurteilt die missliche Situation des Kölner Heimkehrers. Von Hannovers Psycho-Helfer hält er nichts.

Hallo Fußball-Freunde,

eines ist an diesem Wochenende wieder sehr deutlich geworden: Lukas Podolski ist in Köln angekommen, aber nur in der Stadt, im Umfeld, bei den Leuten - noch nicht in der Mannschaft.

Man hat manchmal das Gefühl, dass seine Teamkollegen nicht mit ihm spielen. Nicht bewusst, aber er wird nicht gesucht, er ist nicht Mittelpunkt des Spiels. Das muss er aber schon sein, wenn er den Ansprüchen gerecht werden soll, die an ihn gestellt werden.

In der Nationalmannschaft bringt er seine Leistung, weil er einer unter vielen ist. In Köln muss er aber Führungsspieler sein und das Spiel gestalten. Damit ist er total überfordert.

Das wirklich Interessante ist, dass Köln in Wolfsburg gewonnen hat, als Milivoje Novakovic und Podolski gefehlt haben. Weil die Spieler gerannt sind und gezeigt haben, dass sie die beiden nicht brauchen.

Das ist eine Geschichte, die man in dieser Mannschaft lösen muss, sonst geht es nicht weiter.

Kommen wir zum traurigen Kapitel Hannover. Die Misere von 96 ist mir unbegreiflich, weil ich das Spielerpotenzial für nicht so schlecht halte. Vor der Saison habe ich noch gesagt, dass Hannover im gesicherten Mittelfeld landen wird.

Jetzt alles auf den Tod von Robert Enke zu reduzieren, halte ich auch nicht für richtig. Da muss irgendetwas anderes innerhalb der Mannschaft passiert sein.

Es kommt ja schon mal vor, dass der Trainer etwas sagt und die Spieler es vergessen haben, wenn sie auf den Platz gehen. Unter der Stresssituation wissen sie nicht mehr, was sie zu tun haben. Vielleicht soll der Psychologe dahingehend helfen

Aber bis der kapiert hat, was in der Mannschaft vorgeht, ist diese schon abgestiegen. Ich halte die Maßnahme für absoluten Schwachsinn. Ich habe nichts gegen Psychologen oder Psychologie. Aber man damit bis er den Kern der Mannschaft gestoßen ist, ist es schon zu spät.

Noch ein Wort zu den Bayern. Jeder weiß, dass Franck Ribery und Arjen Robben verletzungsanfällig sind. Das war auch meine Rede, als ich meinte, dass die Bayern Spiel auf Spiel haben. Das ist kein Problem, wenn die beiden gesund sind.

Wenn sie aber verletzt sind, dann kann man diese zwei Spieler der Extraklasse nicht gleichwertig ersetzen. Das geht gar nicht. Das hat man in Nürnberg letztlich auch gesehen.

Euer Udo Lattek

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