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Bremens Per Mertesacker (l.) erzielt in letzter Minute das 2:2 gegen Leverkusen © getty

Nach dem Last-Minute-Ausgleich in Bremen spricht Friedrich von "einer gefühlten Niederlage". Bayer ist dennoch wieder an der Tabellenspitze.

Bremen - Jupp Heynckes schaute bereits gespannt auf die Uhr und zählte die Sekunden insgeheim runter, als das Unheil seinen Lauf nahm.

Einen Augenblick später sackte der Erfolgscoach von Bayer Leverkusen in seinem Polstersitz enttäuscht zusammen, die Vorfreude auf einen Big Point im Titelrennen wich der Fassungslosigkeit über zwei verschenkte Punkte.

Eine der in der letzten Viertelstunde des Spiels unzähligen Flanken war in den Leverkusener Strafraum hineingesegelt und hatte den Kopf des Abwehrriesen Per Mertesacker gefunden, der in der Nachspielzeit noch den Ausgleichstreffer für Werder Bremen zum 2:2 (1:1) erzielte.

Vorbei war es mit der Leverkusener Hoffnung auf einen Zwei-Punkte-Vorsprung auf den Rivalen Bayern München, der am Vortag beim 1. FC Nürnberg (1:1) gepatzt hatte.

Stattdessen hat Bayer im Kopf-an-Kopf-Rennen weiter nur den hauchdünnen Vorsprung von einem Tor.

"Das war eine gefühlte Niederlage", sagte Bayer-Abwehrspieler Manuel Friedrich und brachte die Stimmung im Bayer-Lager auf den Punkt.

Heynckes zieht positives Fazit

Jupp Heynckes konnte dem "neuen Anspruchsdenken" aber auch gute Seiten abgewinnen.

"Wir sind jetzt so weit, dass wir mit einem Unentschieden in Bremen unzufrieden sind. Die Mannschaft ist nun da, wo ich sie haben wollte", sagte der 64-Jährige und ergänzte:

"Wir überlassen es anderen, von der Meisterschaft zu reden. Aber wir sind seit vielen Spieltagen schon auf dem ersten Platz und das auch zu Recht."

Bayer weiter ungeschlagen.

Wohl wahr, als einziges Team bleibt Bayer auch nach dem 23. Spieltag ungeschlagen. Das hatte es in 47 Jahren Bundesliga bis dato nur einmal gegeben.

1988/89 waren die Bayern auch 23-mal vom Start weg ungeschlagen geblieben, ehe die erste Niederlage folgte.

Trainer der Münchner war damals Heynckes, der mit dem Punkt in Bremen unter dem Strich leben konnte.

Kroos mit herrlichem Tor

"Die Bremer Mannschaft ist nicht mit der Mannschaft zu vergleichen, die vor ein paar Wochen gegen die Bayern verloren hat. Sie sind jetzt viel besser drauf", sagte der Coach.

Dabei waren die drei Punkte trotzdem zum Greifen nah. Bayern-Leihspieler Toni Kroos (57.) hatte die Rheinländer mit einem tollen Fernschuss aus 27 Metern in der zweiten Halbzeit auf die Siegerstraße gebracht.

Zuvor hatte Claudio Pizarro (34.) einen Fauxpas von Nationaltorhüter Rene Adler ausgenutzt und die erste Bayer-Führung von Eren Derdiyok (29.) ausgeglichen.

Tore fallen nach Freistößen

Bayer steckte ansonsten die Gelbsperre des bislang so überragenden Abwehrchefs Sami Hyypiä weg.

"Beide Mannschaften haben darum gekämpft, sich einen Vorteil zu erarbeiten. Wir sind aber immer hinterhergelaufen. Wir waren in der zweiten Halbzeit häufig zu passiv. Die gute Schlussphase hätten wir direkt nach der Pause gebraucht", sagte Werder-Coach Thomas Schaaf.

Freistöße bringen die Tore

Im ersten Durchgang hatten zwei Freistöße die Höhepunkte dargestellt. Zunächst brachte Derdiyok in der 29. Minute die Gäste aus 18 Metern in Führung.

Dabei sah die Bremer Mauer alles andere als gut aus. Am Ausgleich in der 34. Minute war allein Torwart Adler Schuld, der den Schuss von Naldo aus 22 Metern nicht festhielt und durch die Beine trudeln ließ.

Pizarro beförderte den Ball schließlich über die Linie.

Adler entschuldigt sich bei der Mannschaft

"Das Tor nehme ich auf meine Kappe. Ich habe mich in der Halbzeit bei der Mannschaft dafür entschuldigt", sagte Adler. Der gesperrte Hyypiä ergänzte: "Wir sind menschliche Wesen. Solche Dinge passieren."

Friedrich fand die Entschuldigung des Torwarts sogar übertrieben.

"Das ist schon ein bisschen affig. Dennl wir sind eine Mannschaft, wir verlieren zusammen, wir gewinnen zusammen", sagt Friedrich bei "LIGA total!":

"Rene hält in jedem Spiel drei, vier Hundertprozentige. Da brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren, das passiert einfach."

"Fußball ohne Fehler ist undenkbar"

Heynckes ließ sich von den Patzern seiner Elf nicht aus der Ruhe bringen. "Fußball ohne Fehler ist undenkbar", sagte der Bayer-Coach nach dem Spiel.

Und sollte Leverkusen die Spitze bis zum Schluss verteidigen, wird niemand mehr nach den Fehlern in Bremen fragen.

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