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Nur vier Punkte liegen zwischen der Hertha auf Rang 18 und dem 15. Freiburg © getty

Der Abstiegskampf ist hart: Während es bei der Hertha und Nürnberg aufwärts geht, präsentieren sich 96 und Freiburg desolat.

Von Christian Stüwe

München - Glich der Abstiegskampf in der Bundesliga bisher einem Schneckenrennen, hat sich die Situation am Wochenende zugespitzt.

Das abgeschlagene Schlusslicht Hertha BSC hat sich mit einen eindrucksvollen 3:0-Sieg in Freiburg zurückgemeldet und gleichzeitig die Breisgauer in den Abstiegsstrudel gezogen.

Während sich Nürnberg als Vorletzter einen für die Moral sehr wertvollen Punkt gegen den FC Bayern erkämpfte, präsentierte sich Hannover 96 in Dortmund erneut desolat.

Elf Spieltage vor Schluss scheint nun festzustehen, dass die vier Teams am Tabellenende die beiden direkten Abstiegsplätze und den Relegationsplatz unter sich ausspielen werden.

Denn zwischen dem Tabellenvierzehnten 1. FC Köln und den Freiburgern auf Rang 15 klafft bereits eine Lücke von sechs Punkten. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Sport1.de blickt auf die Situation der vier Abstiegskandidaten und wagt eine Prognose.

SC Freiburg (Platz 15, 19 Punkte, 21:44 Tore)

Vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC hatte Trainer Robin Dutt von einem Spiel gesprochen, dass man "unbedingt gewinnen muss". Doch die Breisgauer präsentierten sich mutlos und ließen jeglichen Kampfgeist vermissen.

"Die Enttäuschung ist jetzt natürlich erstmal wahnsinnig groß. Man hat gespürt, wie nach dem 0:1 das mentale Gerüst zusammengefallen ist", sagte Dutt nach der Partie.

Mit einem Heimsieg hätte Freiburg sich selbst der größten Abstiegssorgen entledigen und die Hertha in Richtung Zweite Liga schicken können.

Doch die total verunsicherte Mannschaft ergab sich in ihr Schicksal. Zudem sorgen Störfeuer neben dem Platz für Ärger.

Der erfolreichste Stürmer Mohamadou Idrissou saß über 90 Minuten auf der Bank.

Unter der Woche soll er schlecht trainiert haben und nach Informationen des "kicker" seinen Kollegen vor dem Spiel gesagt haben, dass er keine Lust habe "mit euch Absteigern zu spielen."

Dutt räumte Zwischenfälle ein: "Es sind Dinge vorgefallen, die ich nicht akzeptieren kann. Zu Details sage ich nichts, aber diese Sachen können eine Mannschaft entzweien."

Idrissou droht nun sogar der Rauswurf: "Natürlich würde ich in dieser Situation lieber auf Mo zurückgreifen, aber manchmal geht es nur mit dem Vorschlaghammer", sagte Dutt.

Zudem spricht das schlechteste Torverhältnis der Liga gegen die Freiburger. "Ich weiß, dass ich jetzt als Psychologe gefordert bin. Es geht darum, die Mannschaft wieder aufzurichten", sagt Dutt.

Hannover 96 (Platz 16, 17 Punkte, 25:45 Tore)

Seit Wochen präsentiert sich Hannover 96 in katastrophaler Verfassung. Aus den letzten zwölf Spielen holten die Niedersachsen nur einen Punkt.

Der neue Trainer Mirko Slomka hat seine ersten fünf Spiele verloren und wackelt nun selber schon wieder. Seiner Mannschaft bescheinigte er nach der Niederlage in Dortmund wenig schmeichelhaft "wie eine Schülermannschaft" gespielt zu haben.

Vor dem Spiel hatte wiederum Hanno Balitsch Trainer und Vorstand mit harten Worten kritisiert.

Mittlerweile kümmert sich ein Psychologe um das lustlos auftretende Team. Um die Wende zu schaffen, brauchen die 96er aber fast schon ein Wunder.

"Vielleicht müssen wir im Maschsee schwimmen gehen und dann gestärkt rauskommen", vermutete Altin Lala in der "Hannoverschen Allgemeinen".205134(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

1. FC Nürnberg (Platz 17, 17 Punkte, 19:40 Tore)

Der Club spielte eine dürftige Hinrunde, Trainer Michael Oenning wurde gegen Dieter Hecking ausgetauscht.

Mit Andreas Ottl, Breno und Mickael Tavares wurde aber in der Winterpause personell gut nachgelegt. Albert Bunjaku hat sich zudem als Torjäger etabliert.

In Hannover gelang ein ganz wichtiger Sieg im Abstiegskampf, nun stoppten die Nürnberger die Siegesserie der Bayern.

"Wir haben uns mit Leidenschaft einen glücklichen Punkt erkämpft. Das ist gut für die Moral und das Selbstvertrauen", sagte Hecking nach dem Spiel.

Auswärts in Bochum, gegen Leverkusen und in Berlin heißen die nächsten Aufgaben. In dieses Spielen muss der Club zeigen, ob der Aufwärtstrend anhält.

Hertha BSC Berlin (18. Platz, 15 Punkte, 21:42 Tore)

Die Hertha war schon abgeschrieben, Trainer Friedhelm Funkel wurde angesichts seiner Durchhalteparolen belächelt.

"Abgerechnet wird am Schluss", wurde der Trainer des Schlusslichts aber nicht müde zu betonen. Und er scheint recht zu behalten.

Schon unter der Woche verkauften sich die Berliner gegen Benfica Lissabon passabel, beim dritten Saisonsieg in Freiburg konnte die "alte Dame" überzeugen.

Vor allem die Offensivabteilung mit Raffael, Cicero, Theofanis Gekas und Ramos kommt immer besser ins Rollen, aber auch die Defensive um Kapitän Arne Friedrich präsentiert sich gefestigt.

"Unser Aufwärtstrend hält weiter an, wir sind zurzeit sehr stabil", sagte Funkel nach dem Sieg in Freiburg.

Und die Konkurrenz ist wieder in Reichweite. Allein das dürfte schon für weiteren Auftrieb sorgen.

Sport1.de-Prognose:

Aktuell haben Hannover und Freiburg die schlechteste Form der Abstiegskandidaten. Zudem sorgen Querelen neben und auf dem Platz für weiteren Ärger.

Dass die beiden Teams noch nicht auf den Abstiegsrängen liegen, ist bisher vor allem dem Umstand geschuldet, dass Nürnberg und Hertha es versäumt haben, zu punkten.

Doch dies scheint sich nun zu ändern.

Bestätigen sich die aktuellen Trends, sind Freiburg und Hannover die heißesten Anwärter auf die Abstiegsplätze, Nürnberg und die Hertha würden sich darum streiten, wer in die Relegation muss.

Ziemlich sicher wird sich die Entwicklung der letzten Spielzeiten fortsetzen, dass immer weniger Punkte zum Klassenerhalt reichen. Von 40 Punkten kann längst keine Rede mehr sein.

In der letzten Saison brauchte Gladbach 31, um drin zu bleiben.

In dieser Spielzeit könnten erstmals auch weniger als 30 reichen.

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