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Franz Beckenbauer (l.) nimmt Louis van Gaal dessen barsches Interview nicht krumm © imago

Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus reagieren eher belustigt auf Louis van Gaals Ausbruch. Dabei hat der eine Vorgeschichte.

Von Martin van de Flierdt

München - Der "Kaiser" reagierte mit amüsierter Nachsicht.

"Ich kann Louis van Gaal verstehen, dass er wütend ist", sagte Bayern Münchens Ehrenpräsident Franz Beckenbauer am Sonntagabend schmunzelnd bei "Sky90", nachdem er den Wutausbruch des Münchner Trainers nach dem vom Ergebnis her dürftigen 1:1 beim 1.FC Nürnberg noch einmal angeschaut hatte 206200(DIASHOW: Der Zoff im TV).

"Irgendwie muss er das Ventil öffnen. Es ist immer schwierig, wenn man gleich nach dem Spiel in dieser Wunde berührt wird - dann kann der Gaul mal durchgehen."

Van Gaal hatte Reporter Dieter Nickles unmittelbar nach dem Abpfiff barsch für die Frage zurechtgewiesen, ob die Münchner die Aufgabe beim Tabellenvorletzten "mit halber Kraft" hätten lösen wollen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich finde es unglaublich, dass Sie das sagen!", hatte sich der Niederländer echauffiert. Auch die Unterstellung, seine Mannschaft habe unterkühlt gespielt, wollte van Gaal so nicht stehen lasen.

"Sie haben das total falsch gesehen. Haben Sie gesehen, dass Nürnberg mit elf Spielern in der eigenen Hälfte steht? Haben wir nicht ein sehr schönes Positionsspiel mit vielen Chancen gespielt?" Lediglich die Tore hätten gefehlt. 205134(DIASHOW: Die Bilder des Spieltags)

Erinnerung an Trapattoni

"Er hat schon einige Interviews gegeben, in denen er mich an Giovanni Trapattoni erinnert", meinte Lothar Matthäus süffisant. Im Nachhinein würde van Gaal selbst wohl auch über seinen Auftritt schmunzeln.

Auch Beckenbauer kann an dem Ausbruch nichts Schlimmes finden: "Emotionen haben noch nie geschadet: auf dem Platz nicht und außerhalb des Platzes auch nicht."

In seiner Sport1.de-Kolumne hatte schon Huub Stevens darauf hingewiesen, dass "Trainer auch nur Menschen" sind: "Louis ärgert sich, dass das Ergebnis nicht das erhoffte ist und schützt trotzdem seine Spieler. Ich finde das gut", urteilte er.

Draufhauen nach guten Ergebnissen

"Wenn das Resultat dagegen wunschgemäß ist, dann kann man ruhig mal draufhauen. Das tut Louis ja auch." Wie zum Beispiel nach dem jüngsten 3.1-Erfolg in Wolfsburg, als er erklärte, "richtig böse" auf seine Spieler zu sein.

Fernsehmann Nickles, glaubt Stevens nicht zu Unrecht, wird die Verbalattacke van Gaals nicht schaden. "Er wird sich im Nachhinein darüber gefreut haben, dass sein Interview das große Gesprächsthema war und eine ordentliche Quote beschert hat. Das ist doch alles Teil der Show." 206200(DIASHOW: Der Zoff im TV)

Allerdings haben van Gaals Ausbrüche durchaus eine Geschichte. Zu seinen Zeiten als Trainer des FC Barcelona bezichtigte er auf einer legendär gewordenen Pressekonferenz einen niederländischen Journalisten der Bösartigkeit ("Tu eres muy malo"), weil er immer nur gegen ihn schreibe ("Nunca positivo, siempre negativo").

Pressekonferenz als Rap

Bei "Youtube" ist der Auftritt noch heute ein Hit und sogar in einer Rap-Version zu finden. In den Niederlanden nahm er Journalisten nach dem Scheitern in der Qualifikation für die WM 2002 übel, dass sie seine Wechsel im wichtigen Spiel in Irland (0:1) kritisiert hatten.

Auf das irische Führungstor zum 0:1 in der 68. Minute hatte er mit der Einwechslung von Linksverteidiger Giovanni van Bronckhorst für Flügelstürmer Marc Overmars reagiert. Allerdings hatte er zuvor schon die Angreifer Pierre van Hooijdonk und Jerrel Haisselbank von der Bank gebracht.

Kamera malträtiert

Während seines Engagements als Trainer von AZ Alkmaar schlug er einmal mit der Hand gegen eine Kamera, die ihn ohne sein Einverständnis filmte.

In München schließlich ließ er einen deutschen Journalisten gleich im Sommer nach dem 4:1 im Testspiel gegen den AC Mailand vor der gesamten Kollegenschaft auflaufen.

Dieser hatte ihn gefragt, warum Luca Toni gegen seine Landsleute keine Einsatzzeit bekommen hatte. Als Bayern-Pressesprecher Markus Hörwick den Fragesteller sanft darauf hinweisen wollte, dass Toni verletzt sei, fuhr van Gaal brüsk dazwischen: "Nicht helfen! Das muss er wissen. Er muss sich vorbereiten."

"Journalisten haben keine Ahnung"

Und nun der "Fall Nickles". "Die meisten Journalisten haben keine Ahnung von Fußball", behauptete van Gaal am Wochenende nicht zuletzt deshalb. Wie er denn zu dieser Ansicht komme, wurde er daraufhin gefragt. 206200(DIASHOW: Der Zoff im TV)

"Ich habe diesen Sport studiert", antwortete er. "Und Sie?" Man darf van Gaal versichern, dass ein guter Teil der Journalisten, mit denen er in Deutschland zu tun hat, diese Frage mit "ich auch" beantworten wird.

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