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Mirko Slomka war von 2006 bis 2008 Cheftrainer des FC Schalke 04 © getty

Hannovers Klubboss schließt noch einen Trainerwechsel in dieser Saison aus. Die neuen Psychologen beobachtet er mit Argwohn.

Von Olaf Mehlhose und Martin van de Flierdt

München - Krisensitzungen hatten in Hannover schon gravierende Konsequenzen.

Doch nach dem Treffen von Klubchef Martin Kind, Sportdirektor Jörg Schmadtke und Trainer Mirko Slomka am Dienstag gab es mitnichten die vom Boulevard schon erwartete Trennung von Slomka.

"Nein, das wird nicht passieren", sagte Kind der "Neuen Presse". Einen weiteren Trainerwechsel in dieser Saison schließe er aus. "Irgendwann wird Mirko Slomka den Turnaround schaffen. Dafür müssen wir jetzt alles tun."

Viel Zeit bleibt dem Coach allerdings nicht. Fünf Spiele erst ist der 42-Jährige bei 96 im Amt, fünf Mal ging seine Mannschaft als Verlierer vom Platz, kassierte dabei 15 Gegentore. (DATENCENTER: Tabelle und Ergebnisse)

Und es ist nicht zu erwarten, dass den Niedersachsen, die nur noch durch zwei Punkte vom Tabellenende getrennt sind, am Sonntag im Derby vom wieder erstarkten VfL Wolfsburg etwas geschenkt wird.

"Wir haben alles versucht"

"Neue Trainer, neue Spieler, Psychologen - wir haben alles versucht. Welche Mittel bleiben, müssen wir jetzt sehen", sagt Kind. Dabei sind dem Vereinsboss vor allem die beiden erst vor elf Tagen verpflichteten Psychologen Dr. Andreas Marlovits und Michael Grunwald nicht geheuer.

"Ich weiß nicht, ob der Mann eine Hilfe ist", sagte er der "Sport Bild" über Marlovits. "Nach der ersten Woche ist das nicht erkennbar."

Marlovits hatte am vergangenen Wochenende beim 1:4 in Dortmund auf der Trainerbank gesessen und sich auch in der Halbzeitpause in der Kabine zu Wort gemeldet. "Aus meiner Sicht ist klar: Auf der Bank ist ein Psychologe nicht angebracht", meinte Kind. "Er sollte im Hintergrund arbeiten."

Psychologen als Alibi

Der 65-Jährige sieht in den Psychologen, die Slomka in sein Team geholt hatte, um die Nachwirkungen des Todes von Robert Enke aus den Köpfen der Spieler zu holen, inzwischen eher ein weiteres mögliches Alibi der Profis:

"Für die Spieler gibt es durch so viele Personen zu viele Unklarheiten. Sie brauchen einen einzigen Ansprechpartner." Der soll und wird vorerst weiter Mirko Slomka sein.

Gut möglich also, dass Marlovits, Grundwald und auch der ebenfalls erst vor gut zwei Wochen verpflichtete Leistungsdiagnostiker Jürgen Freiwald zügig ihren Dienst bei 96 quittieren werden.

Rudert Slomka zurück?

Slomka wird versuchen müssen, das angespannte Verhältnis zu einigen seiner Spieler mehr oder minder alleine wieder zu entspannen.

Noch in Dortmund hatte der Coach "schwere individuelle Fehler in der Abwehr" angeprangert und das Verhalten bei Standard-Situationen als "unverständlich und unprofessionell" bezeichnet.

"Es muss sich was ändern. Wenn die Spieler das nicht kapieren, dann müssen andere Spieler spielen."

"Ein konstruktives Gespräch"

Wie 96 nun den Hebel umzulegen gedenkt, kam nach der Krisensitzung nicht heraus. Die Inhalte der Beratung blieben intern. "Es war ein konstruktives Gespräch", meinte Schmadtke hinterher lediglich. "Es gibt nichts zu vermelden."

Am Wochenende soll sich das ändern. Dann würden die Niedersachsen am liebsten mit dem ersten Erfolg seit dem 31. Oktober 2009 das Ende ihrer Leidenszeit verkünden.

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