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Kevin Großkreutz wechselte im Sommer 2009 von RW Ahlen nach Dortmund © imago

Kevin Großkreutz ist Dortmunder. Und wenn er nicht Profi wäre, wäre er Fan. Das Derby gegen Schalke wird eine Herausforderung.

Von Daniel Rathjen

München - Seit seinem siebten Lebensjahr hat er kaum ein Spiel seines Vereins verpasst.

Kevin Großkreutz, geboren im Stadtteil Eving, ist Borusse, Dortmunder - durch und durch.

Das BVB-Gen bekam er in die Wiege gelegt. Mit seinen Kumpels fieberte er lange auf der Südtribüne mit 70433(Diashow: Die heißesten Revierderbys).

Heute, mit 21 Jahren, ist er selbst Profi. Wenn er aufläuft, singt die Südtribüne: "Wir sind alle Dortmunder Jungs".

Am Freitag (ab 20 Uhr LIVE) spielt Großkreutz mit dem BVB erstmals im "Feindesland" - beim FC Schalke 04, von den Fans in Schwarz-Gelb gerne auch "Scheiß 03+1" genannt.

Für Großkreutz wird das Duell mit dem Erzrivalen zum Spießrutenlauf. Ihn erwartet ein Pfeifkonzert. Denn er bekennt sich offen zu seiner Abneigung.

"Die sind mein Feindbild Nummer eins. Für kein Geld der Welt würde ich dort spielen. Ich hasse Schalke wie die Pest!", soll er mal gelästert haben.

"Maulkorb" nach Heimspruch

Letzte Woche verpasste ihm BVB-Coach Jürgen Klopp einen "Maulkorb" bis zum Derby.

Nachdem Großkreutz bei einem Fragebogen der "Sport-Bild" angekreuzt hatte: "Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, dann - kommt er ins Heim!"

Für Klopp war das "nur ein Scherz, der in der Kabine für schallendes Gelächter gesorgt hat", für die Schalker jedoch purer Ernst.

Treffen mit dem Intimfeind

"Das kam nicht so gut an. So etwas sagt man nicht. Als Funktionär oder Angestellter eines Vereins sollte man vorsichtiger sein", warnt der S04-Fanbeauftragte Rolf Rojek.

In Gelsenkirchen trifft der Mittelfeldspieler mit Tordrang auch auf Intimfeind Manuel Neuer.

Das Verhältnis der beiden ist seit dem letzten Aufeinandertreffen - vorsichtig formuliert - angespannt.

Vor dem 0:1 des BVB im Hinspiel schwor Großkreutz seine Kollegen noch auf das Spiel ein ("Ich hab mal erklärt, was das Derby für uns Fans bedeutet"), danach war es zum Eklat gekommen.

Großkreutz behauptete, der Schalke-Keeper habe ihm absichtlich den Ellbogen ins Gesicht gerammt 70433(Diashow: So lief der Streit ab).

Beweise dafür gab es nicht, die verfügbaren TV-Bilder entlasteten Neuer. Der DFB-Kontrollausschuss nahm keine Ermittlungen auf.

"Feiernde Schalke kann ich nicht sehen"

"Feiernde Schalker vor unserer Südtribüne - das kann ich nicht sehen", schrieb Großkreutz, Bezug nehmend auf den Tumult, in seiner Kolumne auf der BVB-Fanseite "schwatzgelb.de".

Weiter heißt es dort: "Neuer ist halt ein echter Blauer. Klar ist das provokant, aber ich würde es genau so machen vor deren Fankurve."

Genau solche Vorhaben wird Klopp ihm vor dem Derby aber ausreden wollen, um die Feindseligkeit nicht noch zu schüren.

"Wir werden das mit ihm besprechen, ihm erzählen, was auf ihn zukommt und wie er sich zu verhalten hat", erklärt der 42-Jährige im "kicker".

Klopp nimmt ihn ins Gewissen

Er weiß: "Es ist eine Herausforderung für ihn, in dem Stadion zu spielen, in dem relativ viele Leute keinen besonders großen Spaß daran haben, dass man gekommen ist."

Die Unterstützung seiner Teamkollegen ist Großkreutz jedenfalls sicher.

"Auch wenn Kevin gnadenlos ausgepfiffen wird, stört ihn das nicht. Denn er weiß, dass er nicht alleine ist und wir ihm helfen", sagt Torhüter Roman Weidenfeller der "Bild".

Unterstützung von Weidenfeller

"Das Derby wird Kevins schwerstes Spiel als Profi - aber auch sein schönstes. Kevin selbst hat mir erzählt, dass er sich wahnsinnig drauf freut. Weil er bisher nur als Fan in der Arena gewesen ist. Und jetzt steht er plötzlich selber auf dem Platz."

Und dort wird es so oder so kompromisslos zur Sache gehen.

Die Königsblauen stützen sich auf die Heimstatistik gegen den BVB, der nur eines der letzten zwölf Gastspiele auf Schalke gewann (2:1 am 16. Mai 2005), und auf das Comeback von Heiko Westermann nach fünfwöchiger Verletzungspause 70433(Diashow: Die heißesten Revierderbys).

Die Borussen müssen auf den gelbgesperrten Lucas Barrios verzichten. Für ihn wird wohl Nelson Valdez als einzige Spitze beginnen.

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