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Jupp Heynckes gewann 1998 mit Real Madrid die Champions League © getty

Jupp Heynckes kann am 24. Spieltag eine neue Bestmarke aufstellen. Doch für den Routinier zählt nur die Meisterschaft.

Von Martin Volkmar

München - Das Fernduell um die Tabellenspitze geht am Wochenende in die nächste Runde.

Seit dem 0:1 am 7. Spieltag beim Hamburger SV vor fünf Monaten ist der FC Bayern ungeschlagen, nun kommen die Hanseaten am Sonntag (ab 17.15 Uhr LIVE) zum Rückspiel.

Trotzdem liegt Bayer Leverkusen noch immer hauchdünn vorne, denn die Überraschungsmannschaft hat noch gar kein Ligaspiel in dieser Saison verloren.

Mit einem Punkt im Derby am Samstagabend gegen den 1. FC Köln (ab 18.15 Uhr LIVE) hätten die Rheinländer einen neuen Bundesliga-Startrekord aufgestellt.

"Rekord bedeutet nichts"

"Der Rekord bedeutet mir aber nichts", sagt Jupp Heynckes zwar.

Doch für den 64-Jährigen würde sich damit der Kreis schließen, denn als Chefcoach von Titelrivale FC Bayern stellte er 1988/89 die bisherige Bestmarke auf.

Am Saisonende gewann Heynckes damals seine erste Meisterschaft als Trainer, die er in der Folgesaison verteidigte. Doch dann ging es abwärts:

Dem in München nicht geschätzten zweiten Platz folgte die Talfahrt in der Saison 19991/92 und die Entlassung, die Uli Hoeneß bis heute als seinen größten Fehler als Bayern-Manager bezeichnet.

Comeback dank Hoeneß

Im letzten Frühjahr konnte Hoeneß dann seinen Fehler ein kleines bisschen revidieren, als er Fußball-Rentner Heynckes überraschend zum Nachfolger von Jürgen Klinsmann machte und damit die Chance zum Comeback gab.

Heynckes hat die wohl letzte Möglichkeit beim Schopfe gepackt und kann nun mit dem Außenseiter Leverkusen das Kunststück schaffen, erstmals seit 1990 wieder eine Meisterschaft zu gewinnen.

Denn trotz aller Erfolge bei kleineren Vereinen hat der einstige Nationalspieler seitdem nur noch einen bedeutenden Titel geholt: Die Champions League 1998 mit Real Madrid.

Mobbing in Madrid

Und doch bleibt dieses einjährige Gastspiel bei den "Königlichen" bei Heynckes nur bedingt in guter Erinnerung. Denn der Triumph am Saisonende konnte die bitteren Erfahrungen der Monate zuvor in der spanischen Hauptstadt nicht verdrängen.

Heynckes wurde trotz des ersten Real-Erfolgs im Europacup der Landesmeister nach einer Durststrecke von 32 Jahren von Medien, Fans und vor allem Präsident Lorenzo Sanz förmlich aus dem Amt gemobbt.

Denn in Madrid, wo noch mehr als in München nur der erste Platz zählt, hatte "Don Jupp" in der Primera Division als abgeschlagener Vierter hinter Erzrivale FC Barcelona sowie den beiden baskischen Klubs Athletic Bilbao und Real Sociedad San Sebastian auf ganzer Linie enttäuscht.

Essen mit van Gaal

Ein Grund dafür war die herausragende Saison von Barca mit dessen damals ebenfalls neuem Coach: Louis van Gaal, seit Sommer 2009 Nachfolger von Heynckes beim FC Bayern.

Den Münchnern den Titel wegzuschnappen, wäre also nicht nur gegenüber seinem Ex-Verein eine späte Genugtuung für den Deutschen, sondern auch gegenüber dem damaligen Trainer-Rivalen.

Gleichwohl spricht Heynckes nur positiv von van Gaal. "Wenn wir damals in Spanien mit unseren Mannschaften gegeneinander spielten, dann haben wir uns vorher sogar zum Essen verabredet", sagte er Sport1.de.

"Wir sind ein Mittel zum Erfolg"

"Unser Verhältnis damals wie heute war und ist geprägt von gegenseitiger Achtung und Zuneigung."

Deshalb hat er den Niederländer auch wärmstens bei Hoeneß als neuen Bayern-Coach empfohlen: "Der arbeitet richtig auf dem Trainingsplatz mit den Spielern, der hat Autorität dank seiner Persönlichkeit, seines Charakters und seiner Erfolge, nicht bloß seines Amtes wegen."

Der "Tulpen-General" gibt die Komplimente bei Sport1.de an seinen Kontrahenten zurück: "Für mich ist ein Trainer nicht entscheidend, wir sind ein Mittel zum Erfolg. Und Jupp ist ein gutes Mittel für eine Mannschaft. Denn die Trainer geben die Richtung vor."

Stichelei der Spitzenreiter

Gleichwohl kann sich der 58-Jährige eine kleine Spitze gegen Heynckes nicht verkneifen. "Wenn es wieder so läuft wie damals, werden wir am Ende Meister. Mit wie viel Punkten Abstand es damals war, das können Sie nachschauen. Ich denke, dass Jupp das sicher weiß."

Doch Heynckes ist längst zum Gegenangriff übergegangen und überrascht immer wieder mit seiner offen zur Schau gestellten Zuversicht. "Dass Bayern immer als Favorit gehandelt wird, ist ihrer Tradition zuzuschreiben. Aber man kann sich ja auch irren", erklärte er kürzlich.

"Er soll sich warm anziehen?

"Im letzten Jahr war waren die Bayern froh, am Ende noch Zweiter geworden zu sein. Auch diesmal könnten sie mit dem zweiten Platz zufrieden sein, denn das wäre immerhin die direkte Qualifikation für die Champions League."

Noch allerdings reagiert Verfolger FC Bayern gelassen auf die ungewohnten Töne. Hoeneß schickte lediglich - dank der Hilfe seiner Tochter - eine SMS an seinen alten Freund:

"Ich habe Jupp gesagt, dass die Jagd jetzt eröffnet ist. Ich habe ihm ein schönes Halali vom Tegernsee geschickt. Er soll sich warm anziehen."

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