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Der verhängnisvolle Moment: Weidenfeller (r.) prallt mit Hummels zusammen © imago

Schalkes Coach verlässt nach dem Derbysieg gegen den BVB wütend das TV-Studio. Dortmunds Verteidiger fällt lange aus.

Aus Gelsenkirchen berichtet Jan Große-Geldermann

Gelsenkirchen - Felix Magath hätte allen Grund zur entspannten Freude gehabt.

Gerade hatte seine Mannschaft das zumindest in der zweiten Halbzeit hitzige 135. Revierderby gegen Borussia Dortmund mit 2:1 gewonnen und damit deutlich aufgezeigt, wer derzeit die Nummer eins im Pott ist.

Doch Schalkes Coach war sauer, und zwar richtig. Denn seiner Ansicht nach wurde bei der medialen Nachbetrachtung zu sehr vermeintlich unfaires Spiel seiner Schützlinge thematisiert.

"Ich habe Roman Weidenfeller nicht gesagt, dass er Mats Hummels mit der Faust ins Gesicht hauen soll", echauffierte sich der Coach mit Blick auf die 71. Minute, als Dortmunds Schlussmann seinen Verteidiger heftig erwischte - freilich bedingt durch einen Schubser Kevin Kuranyis.

Als er ein weiteres Schalker Foul kommentieren sollte, verließ Magath mit dem Kommentar "ich habe die Schnauze voll" das TV-Studio.

Rakitic ist der Mann des Tages

Der Mann des Tages genoss unterdessen beim Auslaufen den Augenblick. Ivan Rakitic hatte diesem Derby seinen Stempel aufgedrückt.

In erster Linie mit seinem spektakulären Tor zum 2:1 (83.), mit dem er den zweiten Schalker Erfolg gegen den BVB in dieser Saison besiegelte.

Dass der eher schüchterne, fast schon in sich gekehrte kroatische Nationalspieler zuvor den Elfmeter zum 0:1 durch Nuri Sahin (47.) mit einem überflüssigen Foul an Nelson Valdez verursacht hatte, geriet da schon fast in Vergessenheit.

Langes Warten auf den Durchbruch

Benedikt Höwedes hatte zwischenzeitlich für die Königsblauen ausgeglichen (66.). Rakitic hat auf Schalke noch nicht oft positiv im Mittelpunkt gestanden.

Vor drei Jahren kam er vom FC Basel, doch auf Schalke schien er nie wirklich anzukommen. Der hoch talentierte Mittelfeldspieler agierte chronisch unter seinen Möglichkeiten, wirkte auf dem Feld behäbig bis phlegmatisch. Die Ungeduld des Schalker Publikums ist bei keinem Spieler aus dem aktuellen Kader größer.

Doch seit dem Beginn der Rückrunde zeigt Rakitics Formkurve deutlich nach oben. Auf der ungewohnten Position direkt vor der Abwehr machte er gegen Dortmund sein vielleicht bestes Spiel für die "Knappen" - inklusive Siegtor.

Rakitic und der "geile Moment"

"Das war einfach ein geiler Moment", sagte der Kroate später den Journalisten. Die Dortmunder hätten ihn gerne anders erlebt. Der BVB hatte bis zu Sahins Führungstreffer vieles richtig gemacht - und machte anschließend fast alles falsch.

"Uns hat nach dem 1:0 der Mut verlassen", sagte Trainer Jürgen Klopp, dessen Team zu tief stand, kaum noch für Entlastung sorgte und durch viele Standardsituationen unter Druck geriet - mit der Folge des Ausgleichs nach Freistoß von Lukas Schmitz.

Dortmunds Innenverteidiger Hummels ärgerte sich gleich nach dem Spiel noch über die verpasste Revanche für die 0:1-Hinspielpleite: "Hier wäre relativ leicht mehr möglich gewesen, aber uns fehlt momentan der absolute Killerinstinkt."

Hummels schon operiert

Der Zusammenprall mit Torwart Weidenfeller sorgte dann dafür, dass Hummels andere Sorgen hatte.

Bei einer Untersuchung stellten die Ärzte bei ihm einen Kieferbruch fest, der bereits am Samstag in der Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie der Ruhr-Universität Bochum operiert wurde.

Hummels bekam eine Platte eingesetzt und fällt wohl vier Wochen aus.

Comeback von Kehl

Nach vier Niederlagen in den letzten fünf Spielen hat der BVB im Kampf um einen Platz im internationalen Wettbewerb wichtigen Boden eingebüßt und spürt den Atem der Konkurrenz im Nacken.

Da konnte Klopp auch das Comeback von Sebastian Kehl, der nach langer Verletzungspause in der 86. Minute eingewechselt worden war, nicht besänftigen.

Unmittelbar nach dem Abpfiff versammelte der Dortmunder Coach seine gesamte Mannschaft in der Kabine. Offiziell zu einer Analyse, inoffiziell soll etwas lauter geworden sein.

Denn Klopp hatte nach diesem Derby im Gegensatz zu Magath keinerlei Grund zu entspannter Freude.

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