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Schluss in Stuttgart: Alexander Hleb (r.) verlässt den VfB im Sommer © getty

Der Offensivmann überwirft sich endgültig mit Trainer Gross - und trübt damit die neue Cacau-Gala beim Sieg über Frankfurt.

Von Christian Paschwitz

München/Stuttgart - Gestört war das Verhältnis zwischen Alexander Hleb und Christian Gross eh schon - jetzt ist es komplett kaputt und bald beendet:

Unmittelbar nach dem 2:1 (2:1)-Sieg des VfB Stuttgart über Eintracht Frankfurt kündigte der Mittelfeldspieler an, wegen seiner Differenzen mit dem Trainer die Schwaben zum Sommer definitiv zu verlassen.

"Ich bleibe zu null Prozent in Stuttgart", erklärte der vom FC Barcelona bis zum Saisonende ausgeliehene Hleb.

Der 28-Jährige trübte damit auch den Auftritt von Matchwinner Cacau, der mit seinem Doppelpack (41./45.) eine bemerkenswerte Torausbeute von sieben Toren binnen nur einer Woche aufstellte.

"Nur Barca entscheidet"

Doch die Aufmerksamkeit zog Hleb nach dem Schlusspfiff mit seiner Abschiedsverkündung auf sich. Wo er ab der kommenden Saison spielen werde, ließ der Weißrusse offen:

"Wie es mit mir weitergeht, entscheidet nur Barca. Es haben aber schon positive Gespräche stattgefunden."

Auch einen Wechsel in die Bundesliga kann Hleb sich vorstellen.

Das am Donnerstag aufgekommene Gerücht, der Weißrusse stehe vor einem Transfer zum FC Bayern, dementierten bei Sport1.de jedoch sowohl der VfB als auch Hlebs Berater.

Erneute Auswechslung

Den letzten Ausschlag für Hlebs Entscheidung, Stuttgart den Rücken zu kehren, gab wohl die einmal mehr vorzeitige Auswechslung durch Gross.

Der Schweizer hatte den Offensivmann trotz einer passablen Leistung erneut nach gut einer Stunde runtergenommen - schon das neunte Mal.

Allein am Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League, ausgerechnet gegen Barcelona (1:1), hatte Hleb durchspielen dürfen.

"Mannschaft doch besser ohne mich"

"In meinem Vertrag steht wohl, dass ich nur 60 Minuten spielen darf", meinte Hleb spitz.

Der frühere Arsenal-Spieler wollte das zwar nur als "Scherz" verstanden wissen.

Mit beißender Ironie fügte er aber an: "Die Mannschaft spielt doch ohne mich viel besser, also hat der Trainer alles richtig gemacht."

Hinsichtlich seine Verhältnisses zu Gross erklärte Hleb weiter, er habe "keine Ahnung, was er von mir erwartet, aber ich habe kein Problem mit ihm".

Was offenbar rein sarkastisch gemeint war. "Vor dem Köln-Spiel gab es ein Gespräch zwischen dem Trainer und mir, aber das bringt alles nichts", so Hleb.

Gross' Vorwurf: Kein Druck auf Hlebs Flügel

Gross wich auf Nachfragen zu Hleb aus. Er wolle keine Polemik aufbauen, so der Schweizer: "Ich gehe mit allen Spielern gleich um. Ich will die Spiele gewinnen, auch mit Alex."

Der Coach erklärte auch, er habe aber zuletzt schon mehrmals betont, "dass wir mehr Druck über die Seiten entwickeln müssen".

Auf dem linken Flügel hatte Hleb die hochgesteckten Erwartungen an ihn bisher aber nicht erfüllen können.

Cacau der Ballermann der Liga

Ganz anders als Cacau, der auch gegen Frankfurt zum Stuttgarter Spieler der Stunde avancierte:

Mit sieben Toren in Liga und Champions League binnen acht Tagen stieg Cacau zum Ballermann der Liga auf und hat einen Lauf, der selbst prominenten Vorgängern wie Jürgen Klinsmann und Giovane Elber versagt bliebt.

Erst war der Stürmer in der 41. Minute per Kopf erfolgreich, egalisierte Frankfurts Führung durch Benjamin Köhler (39.).

Dann setzte Cacau einen Volleyschuss satt in die Maschen (45.). 207800(DIASHOW: Die Bilder)

In der Vorwoche gegen den 1. FC Köln hatte der Nationalspieler, dessen WM-Chancen nach der Gala weiter steigen, bereits das Kunststück vollführt, viermal zu treffen.

Vor vier Wochen nicht mal im Training

Und auch am Mittwoch gegen Barcelona war Cacau der Treffer gelungen, der den VfB mit einem 1:1 noch Chancen fürs Rückspiel lässt.

Was Cacaus sensationelle Quote umso bemerkenswerter macht:

Vor vier Wochen hatte der 28-Jährige, der mit ganzem Namen Jeronimo Maria Barreto Claudemir da Silva heißt, wegen Adduktoren-Problemen noch nicht mal mit der Mannschaft trainiert.

Vier Saison-Minuten vorm Köln-Spiel

Bis zum Kölner Spiel stand Cacau in der Rückrunde ganze vier Minuten auf dem Platz, rutschte dort nur in die Startelf, weil Ciprian Marica gesperrt war.

Jetzt aber schießt er den VfB weiter nach oben: Der Frankfurt-Sieg macht die Mannschaft von Trainer Christian Gross zum besten Team der Rückrunde.

Nach dem siebten Erfolg aus den vergangenen acht Spielen rücken sogar die internationalen Plätze wieder ins Visier. (DATENCENTER. Ergebnisse und Tabelle)

Europa League rückt näher

Der VfB liegt nur noch fünf Punkte hinter dem Fünften Dortmund, näherte sich den Frankfurtern bis auf einen Zähler.

Deren Trainer Michael Skibbe haderte hinterher:

"Ich bin etwas traurig, weil wir die letzten Minuten vor der Pause nicht so konzentriert waren wie in der ersten halben Stunde. Bis dahin haben wir ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht und waren sehr mutig."

30 Minuten später verließ dann offenbar auch Hleb der Mut, sich bei Stuttgart noch mal durchbeißen zu wollen.

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