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Jürgen Klinsmann war von 1995 bis 1997 Spieler beim FC Bayern © getty

100 Tage ist Jürgen Klinsmann neuer Bayern-Coach. Sport1.de zieht eine Zwischenbilanz und benennt die Schwachpunkte beim Meister.

Von Christian Paschwitz

München - Es ist der schwächste Saisonstart des FC Bayern seit 34 Jahren - dabei ist Trainer Jürgen Klinsmann an diesem Dienstag gerade mal 100 Tage im Amt.

Die Probezeit des 44-Jährigen stimmt bedenklich, nicht nur wegen Tabellenplatz elf, zweier Niederlagen, dreier nicht gewonnener Liga-Spiele.

Augenfällig ist vor allem: Seit Klinsmann am 30. Juni den Rekordmeister übernommen hat, herrscht an der Säbener Straße ein Zickzack-Kurs statt echter Reformen, die der Ex-Bundestrainer vollmundig angekündigt hatte.

Die Fans werden immer unzufriedener, beim 3:3 zuletzt gegen Bochum hallten Rufe wie "Klinsmann-raus" und "Ami go Home" durch die Allianz Arena.

Sport1.de zieht eine Zwischenbilanz und benennt die Schwachpunkte:

Individueller Leistungsstillstand:

"Wir wollen jeden Spieler jeden Tag ein wenig besser machen", hatte Klinsmann bei seinem Amtsantritt versprochen. Das Gegenteil ist der Fall, Fortschritte sind rar:

Allenfalls Ze Roberto hat im Vergleich zur Vorsaison unter Ottmar Hitzfeld an Qualität gewonnen.

Dafür stagniert der bisherige Leistungsträger Philipp Lahm. Neben Christian Lell völlig von der Rolle ist der seit fünf Spielen ohne Tor dastehende Luca Toni, während Miroslav Klose auf dem besten Weg ist, seine fatale Rückrunde von 2007/08 zu wiederholen.

Rensing in der Kritik

Ohnehin Dauer-Bankdrücker ist Lukas Podolski. Zu einem solchen degradiert hat Klinsmann auch Mark van Bommel.

Zudem Supertalent Toni Kroos, obwohl Klinsmann sagt: "Ein deutscher Verein muss den Anspruch haben, die Jugend zu fördern." Schon ganz weg: Marcell Jansen, der wegen fehlender Perspektive zum HSV ging.

Torwart-Problem:

Seit Wochen am stärksten in der Kritik jedoch: Keeper Michael Rensing. Als Nachfolger von "Titan" Oliver Kahn hat es der 24-Jährige ohnehin schon schwer genug.

Weltklasse-Leistungen erwartet sicherlich niemand. Doch nicht nur bei den Pleiten gegen Bremen (2:5) und in Hannover (0:1) gab es folgenschwere Patzer. Klinsmanns Rückendeckung für Rensing hat bisher nicht gefruchtet.

Allmählich muss sich der Coach auch dieses Mankos annehmen, soll Youngster Rensing sich nicht weiterhin selbst demontieren und die Flut an Gegentoren (schon 13/letzte Saison insgesamt 21) endlich eingedämmt werden.

Fehlende Hierarchie:

Erst beordert Klinsmann van Bommel zum Kapitän und damit zum Kahn-Nachfolger - um ihn dann öffentlich wieder zu demontieren.

Wie einst übrigens auch Kahn, als Klinsmann Bundestrainer war. Van Bommel sitzt ständig auf der Bank, ist de facto kein Führungsspieler mehr. Wie überhaupt niemand auf dem Platz die Richtung vorgibt.

Keiner übernimmt Verantwortung

Keiner krempelt die Ärmel hoch, stellt sich der Verantwortung, nimmt damit auch den Trainer ein wenig aus der Schusslinie. Die Mir-san-mir-Mentalität ist perdu.

Van Bommel schweigt dazu lieber und akzeptiert seine Verbannung, als sich öffentlich den Mund zu verbrennen. Klinsmann beschönigt das Thema, schwärmt gar vom "sehr professionellen Verhalten" des Niederländers.

System-Dilemma und Rotation:

Auch Hitzfeld ließ rotieren. Der "General" hatte allerdings Erfolg damit.

Bei Klinsmann stellt sich vielmehr Verunsicherung und Irritation ein: Kroos rein, dann wieder raus. Ebenso Breno.

Auch Klinsmanns Lernauftrag an sein Team, "mit mindestens zwei Systemen umzugehen", ging in die Hose. Ob zunächst Viererkette, Dreierreihe, 3-5-2 oder 4-4-2:

Ständiges Experimentieren

Vor allem in der Defensive läuft das ständige Experimentieren schief. Es fehlt die Zuordnung, vor allem bei Standards.

Gar nicht erst zur Geltung kommt das kollektive Pressing. Eine dominante und agierende Spielweise sieht anders aus. Fehlende Linie und Struktur kennzeichnet die von Klinsmann angesagte "Neudefinierung".

Hier geht es weiter zumzweiten Teil

Ist Klinsmann noch der Richtige? - jetzt mitdiskutieren"

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