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Jürgen Klinsmann (l.) und Uli Hoeneß wurden als Spieler Welt- Und Europameister © getty

100 Tage Klinsmann beim FCB: Im zweiten Teil analysiert Sport1.de die Philosophie des Trainers und die öffentliche Wahrnehmung.

Von Christian Paschwitz

München - Die Zahlen sprechen gegen Jürgen Klinsmann. Doch noch stärken die Veranwtortlichen beim FC Bayern - Manager Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Franz Beckenbauer - dem 44-Jährigen den Rücken.

Kein Wunder, denn zumindest die Posten der ersten beiden Funktionäre stehen und fallen mit der Person des Ex-Bundestrainers..

Im zweiten Teil analysiert Sport1.de die Philosophie und die öffentliche Wahrnehmung:

Philosophie-Suche:

Vermittelbar ist diese "Neudefinierung" immer weniger. "Man kann nicht zum AC Mailand gehen und sagen: Wir spielen jetzt so wie Real Madrid", motzt nun erstmals auch Kahn. "Wichtig ist: Jeder Verein hat seine eigene Philosophie. An der kann man mal ein bisschen da und ein bisschen dort drehen. Sie aber ganz über den Haufen zu werden, ist schwierig."

Die Bayern-Bosse bemühen derweil pathetische Worte voller Selbstironie.

Präsident Franz Beckenbauer sagt: "Der Mythos FC Bayern macht gerade eine Pause."

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wiederum fühlte sich kürzlich nach einer Sitzung einmal mehr dazu genötigt, Klinsmann demonstrativ den Rücken zu stärken: "Wir haben totale Geduld, totales Vertrauen in Jürgen Klinsmann."

Öffentliche Wahrnehmung:

Die Akzeptanz bei den Fans schwindet dagegen immer schneller, sogar Rücktrittsforderungen werden laut. Klinsmann wird inzwischen betrachtet als inkonsequenter Dauer-Experimentierer, der sich mit seiner Reformfreudigkeit verzettelt.

Und das nicht nur auf dem Trainingsplatz und an der Außenlinie: Er lässt Buddha-Statuen aufstellen, die dann klammheimlich wieder verschwinden. Er schafft Trainingslager ab vor den Spielen zu Hause, erklärt dafür das Heimschlafen für unerwünscht - und umgekehrt.

Viele Verletzungen

Klinsmann lässt ein Leistungszentrum mit High-Tech-Geräten bauen.

Trotzdem gibt es auffällig viele Muskelverletzungen wie bei Martin Demichelis (Muskelriss), Toni, Lell (beide Faserriss), obendrein Franck Ribery (Verhärtung sogar im Aufbautraining). Klinsmann installiert einen Sportpsychologen zur Persönlichkeitsentwicklung.

Gleichwohl wirken die Spieler vor allem auf dem Platz geistig unflexibel und bei Interviewfragen gereizt.

Hoeneß gereizt

Das gilt auch für Uli Hoeneß, der nur genervt das Gesicht verzog, anstatt ein kurzes Fazit der ersten 100 Klinsmann-Tage in München abzugeben: "Ich werde erst am 30. Juni Bilanz ziehen, da ist das Geschäftsjahr zu Ende", blaffte der Bayern-Manager nach der Bochum-Partie und verschwand.

Klinsmann selbst glaubt zu erkennen, "wo die Probleme stecken". Er wolle sie "Schritt für Schritt korrigieren".

Auch in dem Wissen, "dass letztendlich immer der Trainer seinen Kopf hinhalten" muss, wenn die Ergebnisse und Leistungen nicht stimmen.

Warten bis zur Winterpause

Die Frage ist nur, ob er dafür weitere 100 Tage Schonfrist eingeräumt bekommt.

Zumal die Bayern bis zu Winterpause auch personell nicht mehr nachbessern können.

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