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Sechs Pleiten in Folge: Mirko Slomka stellt einen Liga-Negativ-Rekord ein © getty

Mit der Wolfsburg-Pleite verliert der 96-Coach das sechste Mal in Folge. Vorwürfe gibt's nicht, doch der Abstieg droht.

Hannover - Alles gegeben und doch wieder alles verloren:

Trotz einer Leistungssteigerung befindet sich Hannover 96 unter "Minus-Mann" Mirko Slomka weiter im freien Fall Richtung Zweite Bundesliga.

Nach dem unglücklichen 0:1 (0:0) im Niedersachen-Derby gegen den VfL Wolfsburg und der neunten Niederlage in Folge war die Enttäuschung groß bei 96.

Einzig die beste Leistung im Jahr 2010 diente als Mutmacher für den Abstiegskampf in den letzten zehn Spielen.

"Wir haben ein gutes Spiel gemacht, das gibt ein bisschen Hoffnung. Das ist auch ein Beweis, dass wir mit aller Macht darum kämpfen, die Klasse zu halten", sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.

Zwölf Spiele ohne Sieg

Doch die Bilanz ist ernüchternd. Seit zwölf Spielen warten die Niedersachsen auf einen Sieg, im Jahr 2010 gab es noch nicht einmal einen Punkt. (DATENCENTER: Bundesliga)

Auch "Feuerwehrmann" Slomka schaffte nicht die Wende, stattdessen stellte er mit der sechsten Niederlage den Negativrekord ein.

So schlecht waren in 47 Jahren Bundesliga zuvor nur fünf Trainer gestartet - der letzte war Klaus Peter Nemet 1996/'97 in Diensten des FC St. Pauli.

"Der Trainer hat doch alles getan"

Slomka, der dritte 96-Trainer in der laufenden Saison, wollte aber niemand verantwortlich machen. "Der Trainer hat doch alles getan. Man kann ihm keinen Vorwurf machen", sagte Kapitän Arnold Bruggink.

Slomka verbreitete indessen Zuversicht: "Die Enttäuschung in der Mannschaft ist jetzt natürlich groß, aber sie hat gemerkt, dass sie in der Bundesliga mithalten kann."

Um seinen Job macht sich Slomka im Moment zumindest nach außen hin keine Sorgen. "Ich mache mir keine Gedanken um mich selbst, weil ich das erstens nicht in der Hand habe und zweitens schon glaube, da ss ich etwas in Hannover bewegt habe", sagte er.

Präsident Kind stützt Slomka

Hannovers Präsident Martin Kind erklärte indes, dass Slomka auf jeden Fall in der Partie gegen Freiburg auf der Bank sitzen werde.

Langfristige Garantien sprach Kind aber nicht aus. "Slomka hat einen reinen Erstliga-Vertrag."

Bis zur 78. Minute durften die Hannoveraner vom Ende der Krise träumen, ehe der Treffer von Zvjezdan Misimovic (78.) die Gastgeber mitten ins Herz traf und mit 17 Punkten hinter dem 1. FC Nürnberg (18) auf den 17. Tabellenplatz abstürzen ließ.

"Kampf bis auf die Knochen"

Der Meister aus Wolfsburg kletterte durch den Pflichtspielsieg in einer Woche zumindest auf Platz elf.

Dabei hatte man in Hannover noch mal alle Kräfte mobilisiert. "Der Traum vom Klassenerhalt ist noch nicht vorbei" und "Kampf bis auf die Knochen" hatten die treuesten 96-Anhänger auf Spruchbändern in der Nordkurve geschrieben.

Das Team lief schon vor der Partie zu seinen Anhängern und forderte sie zu rückhaltloser Unterstützung auf.

Jede Grätsche und jedes gewonnene Kopfball-Duell wurde in der ersten Hälfte von den 96-Fans bejubelt. "Das war schon Gänsehaut pur", sagte 96-Keeper Florian Fromlowitz.

Denkzettel für Schlaudraff

Jan Schlaudraff war indes nicht dabei. Slomka hatte den ehemaligen Nationalstürmer kurzfristig wegen angeblicher "Lustlosigkeit" aus dem Kader geworfen.

Die Gastgeber begannen die Partie auch mutig und entschlossen und versuchten, Wolfsburg von Beginn an unter Druck zu setzen. Sie kämpften um jeden Ball schon im Mittelfeld und zeigten eine ganz andere Einstellung als in allen Heimspielen nach der Winterpause.

Wolfsburg agierte wieder aus einer sicheren Defensive heraus und suchte sein Heil überwiegend mit langen Bällen auf Edin Dzeko und Grafite.

Grafite-Tor im Abseits

Nach dem Wechsel tat der im ersten Durchgang absolut enttäuschende VfL etwas mehr für die Offensive und traf auch in der 55. Minute ins Tor.

Grafite stand nach Vorarbeit von Dzeko allerdings im Abseits. Weil auch Hannover mit bescheidenen spielerischen Mitteln, aber großem Elan weiterhin seine Chance suchte, nahm die Spannung immer mehr zu.

Fans und Spieler ahnten, dass der erste schwere Fehler die Partie entscheiden konnte. Und so kam es dann auch.

Kurz vor dem Ende versagten dann auch noch Arnold Bruggink, den Ausgleich vor Augen, die Nerven: Der Niederländer vergab völlig frei vor Hitz (87.) die beste und letzte Chance für Hannover.

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