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Club-Fans brennen vor dem Spiel in Bochum bengalische Feuer ab © getty

Nach den Vorfällen in Bochum, mit vielen Verletzten, ermittelt der Kontrollausschuss gegen den Club. Auch der VfL muss zittern.

Bochum - Bengalische Feuer, südländische Begeisterung? Von wegen! In deutschen Fußballstadien entwickelt sich ein gefährlicher Trend mit den Feuerwerkskörpern, mit teilweise schwerwiegenden Folgen.

Am 24. Spieltag wurden in drei Bundesliga-Stadien bengalische Feuer gezündet.

Wie gefährlich diese Feuerwerkskörper sind, zeigte sich vor allem vor dem Spiel Bochum gegen Nürnberg.

Zwei Fans wurden mit schweren Verbrennungen in Spezialkliniken eingeliefert und liegen auf der Intensivstation.

Fünf weitere Personen erlitten ebenfalls Verbrennungen, ein Fan eine Rauchvergiftung. Eine Frau wurde am Sonntagmorgen operiert.

Auch auf Schalke und in Leverkusen gab es während der Derbys gegen Dortmund und Köln Zwischenfälle mit dem chemischen Stoff Magnesiumpulver.

Magnesiumpulver ist nur sehr schwer zu löschen und entwickelt Temperaturen von bis zu 3000 Grad.

"Das war natürlich unrühmlich. Zwei Menschen haben Verletzungen an den unteren Gliedmaßen erlitten. Das ist sehr heftig", sagt Bochums Finanzvorstand Ansgar Schwenken nach dem Spiel.

Kontrollausschuss ermittelt

Die Vergehen werden als gefährliche Körperverletzung geahndet. Gegen die betroffenen Vereine ermittelt der DFB-Kontrollausschuss.

Der VfL Bochum ist als Gastgeber verantwortlich.

Inwiefern Bochum bezüglich der Aufsichtspflicht haftbar gemacht werden kann, ist für Schwenken noch nicht absehbar.

"Die Utensilien können von verschiedenen Personen ins Stadion gebracht werden, was nicht einfach zu kontrollieren ist", sagt Schwenken.

Der 1. FC Nürnberg haftet für die eigenen Fans und muss mit einer hohen Geldstrafen rechnen.

Maßnahmenkatalog in Planung

Bei der Suche nach den Verursachern will der "Club" eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen arbeiten, zudem plant der FC einen Maßnahmenkatalog mit intensiven Kontrollen der Fans.

Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader sagte auf der Internetseite, man werde alles daran setzen, die Verursacher zu finden.

"So etwas schadet nicht nur dem Verein, sondern der ganzen Bundesliga", bekräftigt Bader, "wir wollen eine lückenlose Aufklärung und werden alles daran setzen, die Täter, die andere Zuschauer, aber auch sich derart gefährdet haben, zu ermitteln. Wir arbeiten dabei Hand in Hand mit dem VfL Bochum und den Sicherheitsbehörden zusammen."

Sicherheit hat Priorität

Bader betonte, dass "die Sicherheit und die Gesundheit aller Zuschauer höchste Priorität hat."

Künftig will sich der FCN bei Auswärtsspielen noch enger mit den jeweiligen Vereinen und Sicherheitsbehörden vor Ort über notwendige zusätzliche Maßnahmen austauschen.

In den kommenden Tagen sollten intensive Gespräche mit der Nürnberger Ultra-Szene geführt werden.

"Wir sind es dem Gros unserer Fans schuldig, dass wir an den Tätern ein Exempel statuieren", erklärte der FCN-Sicherheitschef Daniel Kirchner in der Nürnberger "Abendzeitung".

Schadensersatz-Prozesse seien aber erst der zweite Schritt.

FCN setzt auf Mithilfe

Zunächst ermittle die Polizei wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, vorsätzlicher schwerer Körperverletzung, Verstoßes gegen das Versammlungsrecht und Beihilfe zu einer Straftat.

Ein Maßnahmenkatalog soll ausgearbeitet werden.

Vorgesehen ist dabei der ausschließliche Verkauf von personifizierten Tickets wie bei der Weltmeisterschaft 2006.

Fan-Busse sollen bei der Anreise intensiver kontrolliert werden.

Beim Vorgehen gegen Gewalt und Vandalismus setzt der "Club" auch auf aktive Mithilfe seiner Fans und Zuschauer im Nürnberger Stadion.

Der Fußball nimmt Schaden

Die Deutsche Fußball Liga fordert indes harte Sanktionen.

"Vorkommnisse wie am Wochenende schaden dem Fußball. Wir setzen uns daher für hohe und abschreckende Sanktionen im Rahmen der bestehenden Strafenkataloge ein und werden die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses voll unterstützen", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus dem "Hamburger Abendblatt".

Der renommierte Sportjurist Christoph Schickhardt plädiert für Stadionverbote: "Für Krawallmacher darf in unseren Stadien kein Platz sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass Rowdys unseren Fußball kaputtmachen."

Pyrotechnik unter Aufsicht?

Indes diskutiert man in Fankreisen das legalisierte Abbrennen von Pyrotechnik unter Aufsicht.

"Für einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik im Innenraum, mit Leuten, die wir kennen, sehe ich kein Problem", sagt Sven Brux, Sicherheitsbeauftragter des FC St. Pauli.

Der HSV-Fanbeauftragte Mike Lorenz sieht es ähnlich. DFL und DFB lehnen dies jedoch als viel zu riskant ab.

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