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Slomka kassierte als sechster Trainer der Bundesligahistorie zum Einstand sechs Pleiten © getty

Hannovers Boss setzt Trainer Mirko Slomka ein Ultimatum. In Freiburg muss 96 endlich Punkte einfahren. Mut machen die Fans.

Von Tobias Hlusiak

München - "Mirko Slomka wird auch in Freiburg auf der Bank sitzen." Das sagt Martin Kind - der muss es schließlich wissen.

Hannovers Präsident hat seinem glücklosen Trainer eine Jobgarantie für eine weitere Woche ausgestellt. Was darüber hinausgeht, bleibt bislang unklar.

Eine weitere Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten wäre die zehnte Pleite in Folge ? die siebte unter Slomka.

Kein Bundesligatrainer startete jemals so schlecht. "Ich gehe davon aus, dass wir gewinnen werden", sagt Kind deshalb trotzig. Sonst wäre der dritte Trainerwechsel der Saison beim Tabellensiebzehnten wohl beschlossene Sache.

Slomka glaubt an seine Maßnahmen

Slomka selbst hat ein Scheitern ohnehin ausgeblendet. "Ich mache mir keine Gedanken um mich selbst, weil ich das erstens nicht in der Hand habe und zweitens schon glaube, dass ich in Hannover etwas bewegt habe", ist sich Slomka sicher.

Der Glaube allein wird den Abstieg der "Roten" allerdings nicht verhindern.

Andererseits kann man dem ehemaligen Schalke-Trainer nicht vorwerfen, nicht mit allen Mitteln zu versuchen, etwas zu bewegen. Allein die Punkte bleiben aus. (DATENCENTER: Tabelle und Ergebnisse)

Trainer schmeißt zwei Spieler raus

Slomka holte mit Elson aus Stuttgart und Arouna Kone aus Sevilla Verstärkungen nach Niedersachsen, vergrößerte den Trainerstab und engagierte Psychologen.

Zuletzt warf der 42-Jährige Jan Schlaudraff und Konstantin Rausch aus dem Kader. Letzterer aus Leistungsgründen

Ein Mittel, zu dem der Coach äußerst selten greift.

Als S04-Trainer suspendierte er 2007 vor einem entscheidenden Champions-League-Spiel gegen Rosenborg Trondheim die Stammspieler Ivan Rakitic und Mladen Krstajic. Mit Erfolg - Schalke siegte 3:1.

"Schlaudraff hat lustlos trainiert"

Bei der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg verfehlte die Schlaudraff-Suspendierung ihre Wirkung.

Trotzdem beharrt Slomka auf seiner Maßnahme. "Er hat lustlos trainiert. Das können wir im Abstiegskampf nicht gebrauchen."

Allerdings ist der Graben zwischen Trainer und dem Ex-Münchner nicht allzu groß.

"Das kann sich wieder ändern. Wenn er gut trainiert", stellt der Coach ein Comeback in Aussicht.

Vielleicht steht der Techniker schon beim Abstiegs-Showdown in Freiburg wieder in der ersten Elf oder zumindest im Kader.

Fans geben positives Signal

Auf die Unterstützung ihrer Fans wird die Mannschaft dann aber verzichten müssen.

Zwar werden einige hundert Schlachtenbummler die 600 Kilometer in den Breisgau auf sich nehmen, mit der Stimmung vom Wolfsburg-Spiel wird dies aber nicht zu vergleichen sein.

Erstmals seit der ergreifenden Trauerfeier für Robert Enke war wieder Zusammenhalt in der AWD-Arena zu spüren.

Schon vor dem Anpfiff ging die komplette Mannschaft in die Kurve, verbrüderte sich mit ihren Anhängern.

Der Trainer schiebt Frust

"Diese positive Stimmung auf den Rängen, diese Entschlossenheit, die ich auch bei uns allen in den Augen gesehen habe, muss uns jetzt tragen", sagt Torwart Florian Fromlowitz sichtlich ergriffen.

"So müssen wir auftreten, dann schaffen wir es noch zusammen."

Alleine hat in der Bundesligageschichte noch niemand den Abstieg verhindert - schon gar nicht ein Trainer.

Der schwärmte nach dem Spiel zwar auch von der "Leidenschaft und Lautstärke" im Stadion, gab aber zu, dass das "sechste verlorene Spiel auch frustrierend" für ihn sei.

Slomka bald Geschichte?

Die Rückendeckung für Slomka bröckelt in der Führungsetage.

Sportdirektor Jörg Schmadtke antwortete auf die Frage, ob das Spiel gezeigt habe, dass Slomka der richtige Mann für 96 sei: "Das ist der Beweise, dass wir mit aller Kraft kämpfen, die Klasse zu erhalten."

Ein klares Bekenntnis zum Trainer hört sich anders an.

Nun ist der Coach am Zug. Es müssen den guten Taten auch Punkte folgen. Sonst redet in einer Woche in Hannover niemand mehr über Slomka.

Dann hat Kind vielleicht schon Hans Meyer, Jörg Berger oder Klaus Toppmöller an der Angel.

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