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Jürgen Kohler machte 206 Spiele für Borussia Dortmund © getty

Dortmund gehen die Spieler aus. Jürgen Kohler hat den Schuldigen dafür gefunden. Die Spielweise von Klopp ist ihm zu laufintensiv.

Von Tobias Hlusiak

München - Zur sportlichen Krise hat sich in Dortmund längst eine personelle gesellt.

In der vorentscheidenden Phase der Saison gehen dem BVB die Spieler aus. Dortmunds Ikone Jürgen Kohler glaubt die Gründe für die Talfahrt zu kennen.

Nach vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen regiert bei der Borussia die Angst vor einer weiteren Saison ohne internationalen Wettbewerb.

Der ehemals beruhigende Vorsprung auf Platz sechs ist auf einen Punkt zusammengeschrumpft.

Nach dem 1:2 im Derby auf Schalke ist das Dortmunder Lazarett um zwei Spieler reicher.

Innenverteidiger Mats Hummels fällt mit einem Kieferbruch voraussichtlich zwei Monate aus. Sven Bender muss wegen einer Sehnenreizung im Knie zwei Wochen pausieren.

Nur Flüssignahrung für Hummels

DFB-Hoffnung Hummels darf in den nächsten zwei Wochen nur Flüssignahrung zu sich nehmen.

"Pudding, Suppe, Joghurt und Eis. Mehr geht im Moment nicht", sagte der 20-Jährige in der "WAZ".

Dazu kommen die Langzeitverletzung Tinga und Markus Feulner.

Kohler macht Klopp verantwortlich

"Mehr Verletzungspech kann man nicht haben", klagt Manager Michael Zorc.

Dortmunds Idol Jürgen Kohler hat allerdings seine ganz eigene Meinung zur Verletzungsmisere in schwarz und gelb.

"Wenn man immer mehr laufen muss als der Gegner, ist es zwangsläufig, dass man in Verletzungen rennt", ist sich der ehemalige Innenverteidiger sicher.

"Es ist schon auffällig, dass der BVB viele Verletzte hat - das war auch in der letzten Saison so", wird der Weltmeister von 1990 in der "Sport Bild" zitiert.

BVB-Trainer bekannt für lauffreudiges Spiel

Der angegriffene Coach will dazu auf Nachfrage von Sport1.de keinen Kommentar abgeben.

Seine laufintensive Spielweise ist Kernstück der Fußballphilosophie von Klopp, der seit der letzten Spielzeit die Zügel in Dortmund in der Hand hält.

Er legt Wert auf schnelles Umschalten in den einzelnen Mannschaftsteilen und kraftintensives Arbeiten gegen den Ball.

Um diese Spielweise zu etablieren trennte sich Klopp von den lauffaulen Stürmern Alexander Frei und Mladen Petric, installierte an deren Stelle die "Arbeiter" Nelson Valdez und Lucas Barrios.

Bereits in seiner Zeit als Trainer von Mainz 05 hatte sich Klopp stets für kampfstarke Stürmertypen entschieden.

Kohler widerspricht sich

Der Angriff von Kohler kommt überraschend.

Anfang Februar hatte dieser in der "WAZ" noch betont: "Jürgen Klopp passt sensationell zur Borussia. Er leistet tolle Arbeit. Die junge Mannschaft kämpft vorbildlich und spielt herzerfrischend."

Nun ist durch die Verletzung von Leistungsträger Hummels das internationale Geschäft in Gefahr.

Für Kohler ist jedoch selbst diese als Ziel zu niedrig gewählt. "Man kann sich nicht immer nur darauf berufen, junge Spieler eingesetzt zu haben", klagt der 44-Jährige an.

"BVB muss Titel gewinnen"

"Das Anspruchsdenken des BVB muss sein, in den nächsten zwei Jahren wieder einen Titel zu gewinnen."

Den letzten Erfolg feierte Dortmund 2002, als unter Trainer Matthias Sammer der Meistertitel eingefahren wurde. Der Trainer hat aber weiterhin die volle Rückendeckung der Vereinsführung.

"Ich habe vollstes Vertrauen in Jürgen Klopp und bin überzeugt davon, dass wir noch genügend Punkte für die Europa League holen", sagte Geschäftfsführer Hans-Joachim Watzke.

Um den Fans einen weiteren Pokal präsentieren zu können, ist ein Aufrüsten des Teams zwingend notwendig209112(Diashow: Die Bundesliga-Wechselbörse).

Die Europa-League-Qualifikation ist dafür, auch wenn beim BVB offiziell kein Saisonziel ausgegeben wurde, fest eingeplant. Die Verletzungsmisere droht diesen Plan zu durchkreuzen.

Kehl bläst zur Attacke

Bei aller Sorge gibt es dieser Tage auch positive Nachrichten aus dem Lazarett. Kevin Großkreutz hat seine Meniskusprobleme auskuriert, Dimitar Rangelov ist ebenfalls wieder fit.

Größter Hoffnungsträger ist aber Sebastian Kehl, der im Derby sein lange ersehntes Comeback feierte.

"Dynamik und Spritzigkeit kommen so langsam", sagt der Kapitän. "Ich stehe wieder zur Verfügung. Der Glaube an mich und meinen Körper kehrt zurück!"

Daher bläst Kehl zur Attacke: "Alleine durch meine Präsenz auf dem Platz wird der eine oder andere Spieler sich anlehnen und Sicherheit bekommen. Jetzt greifen wir an, aber richtig."

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