Mit dem äußerst dürftigen Auftritt gegen Argentinien bleibt die deutsche Nationalelf weit hinter dem eigenen Anspruch zurück.

Ein "gutes Resultat und vor allen Dingen ein gutes Spiel" seiner Mannschaft sei "wichtig für die Stimmung und die Vorfreude auf die WM", hatte Joachim Löw vor der Partie gegen Argentinien gesagt.

Die Folgen des enttäuschenden Auftritts auf die öffentliche Meinung zur aktuellen Leistungsfähigkeit der deutschen Auswahl waren daher absehbar.

Kurz gesagt: Das DFB-Team war nicht so schlecht wie beim desaströsen 1:4 in Italien zum vergleichbaren Zeitpunkt 2006. Aber berauschend besser war es eben auch nicht.

Und wenn eine Mannschaft sich selbst zum Ziel setzt, Weltmeister zu werden, dann muss sie sich auch an diesem Anspruch messen lassen - auch oder gerade, wenn der Gegner keine Laufkundschaft darstellt.

[image id="970cfe1a-65c9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Die blutleere Darbietung war nun aber ernüchternd und wirft deutlich mehr Fragen auf als sie beantwortete.

Rene Adler, gerade erst zur Nummer eins gekürt, leistete sich eine spielentscheidende Fehleinschätzung und nährte nach dem Patzer gegen Werder Bremen erneut Zweifel daran, dass er schon die nötige Reife für eines WM-Keepers besitzt.

In der Defensivreihe entpuppten sich der zu unnötigem Risikospiel neigende Jerome Boateng und der wenig souveräne Serdar Tasci als Unsicherheitsfaktoren.

Die neue Doppel-Sechs aus Bastian Schweinsteiger und dem lustlos wirkenden Michael Ballack wurde von den Argentiniern völlig aus der Partie genommen, produzierte eine Vielzahl von Ballverlusten und ist in dieser Verfassung nicht die erhoffte Ideenfabrik für einen geordneten Spielaufbau bei der WM.

Ein Flügelspiel existierte zum wiederholten Mal nicht, obwohl mit Thomas Müller und Lukas Podolski nominell beide Außen besetzt waren. Beide litten wie auch Mesut Özil als vermeintlicher Spielgestalter unter den mangelnden Zuliefererdiensten aus der Mittelfeldzentrale.

Ohne einen Özil in guter Form ergibt zudem Löws 4-2-3-1-System keinen Sinn, weil dann Miroslav Klose respektive Mario Gomez als Einzelkämpfer in vorderster Linie völlig in der Luft hängen.

Nicht zuletzt der frische Wind, den Cacau als Einwechselspieler brachte, war ein Plädoyer für einen zweiten Stürmer auch in Spielen gegen hochkarätigere Gegner.

Nach dem Ausraster von Podolski im Anschluss an die Partie muss außerdem die Frage erlaubt sein, ob der aktuell sportlich durchhängende Kölner der deutschen Auswahl weiterhin gut zu Gesicht steht.

Denn es war nach der Backpfeife für Kapitän Michael Ballack im Vorjahr in Wales seine zweite Disziplinlosigkeit. Es hat bereits Stürmer in der Ära Löw gegeben, bei denen eine zum Rauswurf gereicht hat.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel