Obwohl es für die Entlassung von Trainer Jos Luhukay in Gladbach gute Gründe gibt, hat sie doch einen schalen Beigeschmack.

Eins vorweg: Es gab viele gute Gründe, Jos Luhukay bei Borussia Mönchengladbach zu entlassen.

Die verheerende Bilanz mit sechs Niederlagen aus sieben Spielen, die Dauer-Rotation mit der Ausmusterung einiger Aufstiegshelden, die defensive Taktik und das mutlose und ängstliche Auftreten der Mannschaft sprachen eindeutig gegen den Niederländer.

Und doch bleibt bei der ersten Trainer-Entlassung der neuen Saison ein schaler Beigeschmack.

Denn die Krise ist in den letzten Jahren Dauergast in Mönchengladbach, weil die Probleme hausgemacht sind.

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Fünf Trainer hat Präsident Rolf Königs seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren verschlissen, gebessert hat sich praktisch nichts.

Der einstige Spitzenklub hat sich zum Fahrstuhl-Team entwickelt, konstant waren nur die Berg- und Talfahrten inklusive rascher Trainerwechsel.

Auch diesmal ist sehr fraglich, ob unter einem neuen Mann alles besser wird. Vor allem, weil große Zweifel an der Erstliga-Tauglichkeit des Kaders bestehen.

Und den hat eben nicht nur Luhukay, sondern maßgeblich auch Sportdirektor Christian Ziege zusammengestellt.

Zieges Aufgabe wäre es auch gewesen, den Trainer frühzeitig auf seine offensichtlichen Fehler hinzuweisen.

Gut möglich, dass der 36-Jährige in seinem Amt mindestens ebenso überfordert war wie zuletzt Luhukay. Schließlich ist die Borussia sein erster Job als Sportdirektor, nachdem er vor eineinhalb Jahren praktisch über Nacht von Königs auf den Posten gesetzt wurde.

Trotz Zieges erfolgreicher Arbeit in der Zweiten Liga existiert daher weiter das Gladbacher Kardinalproblem: Es fehlt in der Vereinsführung schlicht an sportlicher Kompetenz.

Dass der Textil-Unternehmer Königs seine Stärken woanders hat, ist weithin bekannt. Und im Vergleich mit gestandenen Bundesliga-Managern wie Klaus Allofs oder Andreas Müller hat auch das so genannte sportlichen Kompetenzteam mit Ziege, Max Eberl und Steffen Korell noch erheblichen Nachholbedarf.

Umso überraschender ist die schnelle und klare Absage an Stefan Effenberg. Der Liebling der Fans und Ex-Kapitän könnte den Gladbachern sicher helfen - auf welcher Position auch immer.

Stattdessen lastet die ganze Verantwortung nun auf "Berufsanfänger" Ziege. Als Interimscoach auf dem Platz, vor allem aber bei der Suche des neuen Cheftrainers.

Viele Alternativen gibt es nicht: Mit dem neuen Mann muss endlich wieder Kontinuität zu den "Fohlen" zurückkehren.

Andernfalls müsste auch die Vereinsführung die Konsequenzen ziehen.

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