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Schalke feierte in Frankfurt den höchsten Sieg in dieser Saison © getty

Schalke rückt näher an die Spitze heran. Die Spieler träumen vom Titel, doch Magath redet die Chancen klein. Wie letztes Jahr.

Von Christian Stüwe

München/Frankfurt - Schon in der Halbzeit fühlte sich Joachim Löw beim Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 an die vergangene Spielzeit erinnert.

Der Bundestrainer, der die beeindruckende Vorstellung der Königsblauen beim 4:1 von der Tribüne aus beobachtete, zog Parallelen zur Wolfsburger Meistersaison.

"Ich denke, dass die Schalker auf jeden Fall in den Titelkampf eingreifen werden", sagte Löw.

"Sie kommen aus dem Hinterhalt, haben nichts zu verlieren. Das macht sie gefährlich. Ähnlich wie in Wolfsburg."

Magath hatte mit den "Wölfen" im letzten Jahr zum gleichen Zeitpunkt sogar drei Zähler weniger als jetzt (51 Punkte) auf dem Konto. Das Ende ist bekannt.

Magath blockt ab

Eine weitere Parallele ist, dass Magath wie auch schon in der vergangenen Saison die starken Leistungen und die Meisterchancen seiner Mannschaft klein redet.

"Der Sieg erscheint klarer als er letztlich war", sagte Magath: "In der ersten Halbzeit haben wir zwei Standardsituationen gebraucht, um in Führung zu gehen."

Was der 56-Jährige als Makel abtut, ist in Wirklichkeit aber eine der großen Stärken seiner Mannschaft:

Keine Mannschaft ist nach Freistößen und Ecken gefährlicher als Schalke. 15 Kopfballtreffer sind der Spitzenwert der Liga.

Skibbe warnt vergeblich

Eine Ecke und ein Freistoß von rechts, Joel Matip und Benedikt Höwedes vollendeten jeweils per Kopf.

"Ich hatte noch vor dem Spiel vor den Schalker Standardsituationen gewarnt, und dann bekommen wir dadurch zwei Gegentore", ärgerte sich Frankfurts Trainer Michael Skibbe.

Schalke dominiert ohne zu glänzen

Einmal mehr demonstrierten die Schalker ihre gnadenlose Effektivität. Ohne ein fußballerisches Feuerwerk zu zünden, beherrschten die Gelsenkirchener in der ersten Hälfte die Hessen und ließen fast gar nichts zu.

Nur 19 Gegentreffer sind ebenfalls der Spitzenwert der Liga, einen Zwei-Tore-Rückstand gegen die Magath-Elf aufzuholen scheint fast aussichtslos.

Der Rückstand auf Spitzenreiter FC Bayern beträgt nur noch zwei Punkte, zumindest vor Leverkusens Spiel am Sonntag kletterte das Ream auf Platz zwei.

Magaths taktischer Schachzug

Und dabei mussten die Schalker ohne Abwehrchef Marcelo Bordon auskommen, der verletzt ausfiel. Doch Magath scheint im Moment auf alles eine Antwort zu haben.

Rafinha verteidigte erstmals auf links, um die Vorstöße von Frankfurts Patrick Ochs zu verhindern. Der wieder fitte Heiko Westermann kehrte in die Innenverteidigung zurück. Und die neuformierte Abwehr ließ wenig zu.

Nur nach dem Anschlusstreffer durch den Frankfurter Alex Meier gerieten die "Knappen" nur kurzfristig ins Schwimmen.

"Nach der Pause sind wir ins Rudern geraten und haben die Kontrolle verloren", nutzte Magath die Chance zum Understatement: "Zum Glück haben wir mit einem Konter das Spiel entschieden."

Rakitic und Kuranyi entscheiden die Partie

Die starken Ivan Rakitic und Kevin Kuranyi, der nun in der Torjägerliste mit 13 Treffern gleichauf mit Leverkusens Stefan Kießling liegt, entschieden mit ihren Treffern die Partie.

Dass mit Jefferson Farfan ein weiterer Kopf der Mannschaft verletzt fehlte, fiel dabei gar nichts ins Gewicht.

Brandgefährlich bei Standards und Kontern, lauf- und kampfstark - lediglich wenn es darum geht, das Spiel zu machen, zeigt Schalke Schwächen.

Schalke vor Wochen der Wahrheit

Nun stehen die "Wochen der Wahrheit" mit den Spielen gegen den Stuttgart, beim HSV, in Leverkusen und gegen Bayern an.

Magath versucht daher wie schon im letzten Jahr die Konkurrenz in Sicherheit zu wiegen:

"Wir haben unsere Situation in der Tabelle stabilisiert, jetzt aber ein schweres Programm vor uns. Erst nach den nächsten vier Spielen werden wir sehen, wohin wir uns orientieren können."

Während Magath davon sprach, dass man sich da "schon ein bisschen strecken" müsse, träumen die Spieler längst vom ersten Titel seit 52 Jahren.

"Wir sind noch nicht ganz oben, aber da wollen wir hin. Wir haben Fortschritte gemacht", sagte Torhüter Manuel Neuer.

Frankfurt kann die Saison ausklingen lassen

Die Frankfurter Träume von Europa sind hingegen geplatzt. Nur ein Punkt aus den Spielen gegen Hamburg, Stuttgart und Schalke reichen nicht, um sich im oberen Drittel der Tabelle zu behaupten.

"Wir haben deutlich unter dem Niveau gespielt, das wir in der Rückrunde zuvor gezeigt haben", ärgerte sich Skibbe.

Ganz anders die Situation beim Gegner. Auch die Tabellenführung nach den nächsten schweren Spielen wollte Magath auf Nachfrage nicht mehr kategorisch ausschließen.

"Ich halte es für unwahrscheinlich", erklärte Magath. "Aber schön wäre es schon."

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