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"Seht her, ich bin ein Kölner!" Lukas Podolski trifft endlich wieder für den FC © imago

Lukas Podolski jubelt über das Ende seiner Torflaute. Bastian Schweinsteiger kann sich für seinen alten Kumpel jedoch nicht freuen.

Von Thorsten Mesch und Matthias Gante

München/Köln - Über 1420 Minuten hatte Lukas Podolski auf seinen zweiten Saisontreffer gewartet, und auch bei der Doping-Kontrolle ließ sich der Nationalspieler reichlich Zeit.

Erst 90 Minuten nach dem 1:1 gegen den FC Bayern stellte sich der Kölner Torschütze den Fragen der Journalisten.

Nachdem zuvor eine Kiste Kölsch durch die Mixed Zone getragen worden war, vermuteten einige, Podolski habe seine Probleme beim Wasserlassen mit Bier behoben.

Dem war nicht so, auch wenn er nach seiner starken Leistung ein Schlückchen verdient gehabt hätte.

Apfelschorle statt Kölsch

"Es ist erlösend, wenn man sich so lange nicht mehr freuen konnte. Das Ganze ist natürlich nicht spurlos an mir vorbeigegangen", sagte der 24-Jährige mit einer Apfelschorle in der Hand.

"Man freut sich umso mehr, dass es gegen so einen starken Gegner passiert ist", ergänzte "Prinz Poldi", der im vergangenen Sommer aus München nach Köln zurückgekehrt war.

Seitdem hatte Podolski in 19 Einsätzen für den FC nur einmal getroffen: beim 1:2 gegen Schalke am 13. September.

Tor nur eine Frage der Zeit

Probleme mit der Bandscheibe hatten ihm immer wieder zu schaffen gemacht, vor dem Spiel gegen die Bayern war sein Einsatz wegen Prellungen an Fuß und Oberschenkel fraglich, doch er biss die Zähne zusammen.

Und er gab nach seinem schwachen Länderspiel gegen Argentinien und der folgenden Rangelei mit einem Journalisten seinen Kritikern die passende Antwort.

Ausgerechnet gegen den Verein, bei dem er nie glücklich wurde, machte er sein bestes Spiel seit seiner Rückkehr nach Köln - und beendete seine Torflaute. 209971(Diashow: Die Bilder des Spieltags)

"Ich habe immer wieder betont, dass es irgendwann fallen wird", sagte Podolski.

"Ich freue mich unheimlich für Lukas"

Der Publikumsliebling glänzte er nicht nur durch seinen Freistoßtreffer in der 32. Minute, sondern traf noch die Latte (7.), hatte hervorragende Pass- und Zweikampfwerte und war ein echter Anführer.

"Poldi hat sich wie immer voll reingehauen", lobte sein Teamkollege Sebastian Freis. So sah es auch sein Trainer.

"Lukas war heute sehr engagiert und motiviert und hat ein Tor geschossen. Ich hoffe, dass er jetzt eine Serie startet", sagte Zvonimir Soldo.

Ähnlich äußerte sich Manager Michael Meier, der Podolski im Sommer für zehn Millionen Euro zurückgeholt hatte: "Ich freue mich unheimlich für Lukas. Ich hoffe, dass war der Befreiungsschlag."

Schweinsteiger ärgert sich

Nicht ganz so euphorisch äußerten sich verständlicherweise die Bayern über den Mann des Tages.

"Ich finde diese Frage doof", entgegnete Bastian Schweinsteiger, als ein TV-Reporter wissen wollte, ob er sich für seinen Kumpel und Nationalmannschaftskollegen freue.

"Wir haben ein Gegentor kassiert, warum soll ich mich da freuen? Für ihn ist es schön, für mich nicht und für uns auch nicht", fügte der Mittelfeldspieler an, der den Münchnern mit seinem Ausgleich in der 58. Minute wenigstens das Remis sicherte.

"Nicht verdient, hier drei Punkte zu holen"

Auch der zweite Teil des einstigen "Sommermärchen"-Duos "Poldi Schweini" zeigte eine gute Leistung und hatte ebenfalls Pech mit einem Kopfball an die Latte (64.)

Zufrieden war er aber nicht: "Wir haben viele Fehler gemacht und einfach schlecht gespielt."

Der wegen einer leichten Verletzung erst in der 56. Minute eingewechselte Franck Ribery traf in der 85. Minute zwar auch noch den Pfosten.

Doch aufgrund der schwachen ersten Halbzeit der Bayern und der kämpferisch - und in der ersten Hälfte auch spielerisch - starken Leistung der Kölner war das Unentschieden ein gerechtes Ergebnis.

"Auch wenn wir in der zweiten Halbzeit auf ein Tor gespielt haben und eine Chance nach der anderen hatten, haben wir nicht verdient, hier drei Punkte zu holen", gestand Schweinsteiger ein.

"In der ersten Halbzeit haben wir zwei Punkte verschenkt", fand Torwart Jörg Butt, der Podolskis Freistoßtor auf seine Kappe nahm: "Der Ball ist am flattern, aber den muss ich halten."

Van Gaal wirkt gelassen

Bayern-Trainer Louis van Gaal blieb nach dem Patzer des Rekordmeisters, dem am Sonntag im Falle eines Leverkusener Siegs in Nürnberg schon wieder der Verlust der Tabellenführung droht, gelassen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Man muss ab und zu auch das Glück erzwingen, das haben wir 30 Minuten lang nicht getan", sagte der Niederländer über den Einbruch nach starkem Auftakt.

In Bezug auf den Titelkampf wollte van Gaal nicht von einem Rückschlag sprechen: "Ich habe immer gesagt, dass der letzte Spieltag entscheiden wird."

Schon am Dienstag kämpfen die Bayern in der Champions League in Florenz um den Einzug ins Viertelfinale. Die Generalprobe hat ihnen Lukas Podolski verdorben.

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