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Louis van Gaal wechselte 2009 von AZ Alkmaar zum FC Bayern © imago

Computer her, Linienrichter, Einwürfe und Elfmeterschießen abschaffen: Der Bayern-Trainer will den Sport radikal reformieren.

Von Martin Hoffmann

München - Louis van Gaal ist kein Mann für Kleinteiliges.

Wenn der Bayern-Coach etwas angeht, dann soll ein großer Wurf dabei herauskommen.

Das gilt in seinem Trainerjob und das gilt auch, wenn er sich über andere Dinge Gedanken macht - das Regelwerk des Fußballs etwa.

Im "kicker" hat van Gaal vor dem Champions-League-Rückspiel in Florenz (Di., 20.15 Uhr LIVE) skizziert, wie es aussehen sollte, wenn es nach ihm gehen würde - ein Entwurf, der für reichlich Diskussionsstoff sorgen wird (COMMUNITY: Jetzt mitdiskutieren!).

Technische Revolution - und mehr

Mit Detailverbesserungsvorschlägen hält van Gaal sich nicht auf: General van Gaal will eine Generalüberholung, die den Sport vom Kopf auf die Füße stellen würde.

Van Gaal setzt einen totalen Kontrapunkt zum Beschluss des International Football Association Boards, die technischen Hilfsmittel Ballchip und Torkamera zu verwerfen.

Der Bayern-Coach will die technische Revolution des Fußballs - und er will noch viel mehr.

Es gibt kaum eine heilige Kuh, die van Gaal nicht zur Schlachtbank führen will. 208766 (DIASHOW: Die Personalplanungen des FC Bayern)

Sport1.de fasst van Gaals Reformagenda zusammen.

Her mit Hilfsmitteln!

Van Gaal will dem Fußball eine Computer-Revolution verordnen. Technische Hilfsmittel will er nicht dosiert einführen: "Ich will alles."

Chip im Ball? Her damit, sagt der Bayern-Coach: "Es ist doch Wahnsinn, das wir das nicht verwenden."

Aber van Gaal will die subjektive, menschliche Einschätzung auch bei der Abseitsregel entmachten.

Er schwört auf eine Technologie namens "Object Tracking", in der Kameras, die Spieler und Ball verfolgen, die Abseitsfrage präzise klären können.

Dass auch sein Team dann nicht mehr von Fehlentscheidungen begünstigt würde, wie bei Miroslav Kloses Abseits-Siegtor gegen Florenz, ist van Gaal bewusst.

Und es ist ihm recht: "Ein Fehler wie gegen Florenz ist nicht gut."

Und geht es nach van Gaal, soll die vom Computer ausgewertete Szene den Fans im Stadion auch direkt per Video präsentiert werden: "Dann herrscht Ruhe im Haus."

Linienrichter einmotten!

Die Schiedsrichter-Assistenten in ihrer jetzigen Form "müssen weg", findet van Gaal.

Seine Vision: "Wir brauchen wie im Basketball oder Eishockey zwei Schiedsrichter, einen in jeder Hälfte und in der Diagonalen positioniert" - zwecks optimaler Spielübersicht.

Die beiden Schiris sollten per Funk verbunden sein mit einem dritten Unparteiischen, der den Überblick über den Computer hat.

Der vierte Offizielle und die Torrichter sind in van Gaals Wunschrealität überflüssig.

Weg mit passivem Abseits!

"Ein dumme Regel", befindet van Gaal kurz und knapp: "Die Regeln müssen klar sein."

Einschuss statt Einwurf!

Geht der Ball ins Seiten-Aus, soll er mit dem Fuß wieder hinein befördert werden - was dann ähnlich gefährlich wäre wie ein Freistoß.

Van Gaals Gedanke dahinter: "Das ist besser, weil dann die verteidigenden Teams nicht so einfach den Ball ins Aus schießen."

Nachspielzeit abschaffen!

Van Gaal wünscht sich eine "saubere Spielzeit", anstelle der subjektiv auslegbaren Extra-Minuten: "Sie sind Interpretationen."

Wie ein Schiedsrichter mit seiner Macht über die Nachspielzeit ein Spiel beeinflussen kann, hat van Gaal zu spüren bekommen, als das 0:0 gegen Juventus Turin abgepfiffen wurde, als Ivica Olic mitten in einem Sololauf aufs gegnerische Tor war.

"Das kann doch nicht wahr sein", findet van Gaal.

Der Bayern-Coach wünscht sich eine klar definierte Spielzeit, wie sie in den meisten anderen Teamsportarten üblich ist.

Wie lange die Spielzeit sein soll, müsse noch ermittelt werden, so van Gaal. "Ein Spiel dauert 90 Minuten" ? auch der herbergersche Grundsatz ist ihm nicht heilig.

Gladiatorenspiel statt Elfmeterschießen!

Die "Lotterie" am Punkt ist van Gaal ein Gräuel, er bringt eine ganz neue Idee in die Debatte ein: das "Gladiatorenspiel".

In dieser Spielart der 30-minütigen Verlängerung müsse alle fünf Minuten je ein Spieler pro Team vom Feld.

Stehe es nach 120 Minuten immer noch remis, sollen die zwölf übrig gebliebenen "Gladiatoren" weiterspielen, bis ein Golden Goal falle.

"Was glauben Sie, was das für taktische Finessen erfordert", glaubt van Gaal: "Jetzt gewinnt nur noch die bessere Mannschaft."

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