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Leverkusen kassierte gegen Nürnberg die erste Liga-Niederlage seit 288 Tagen © imago

Leverkusen liegt nach der ersten Saisonniederlage nur noch auf Rang drei. Erste Sorgen vor einem Abrutschen machen sich breit.

Von Christian Stüwe und Nikolai Kube

München/Nürnberg - Bayer Leverkusen hat ein tiefsitzendes Trauma.

Vier Mal wurden die Rheinländer Bundesliga-Zweiter.

Spätestens seit der Saison 2001/2002 sind die ungeliebten Spitznamen "Vizekusen" oder aus dem englischen "Neverkusen" feststehende Begriffe.

Damals verspielte die Werkself gleich drei Titel auf der Zielgeraden.

Bitteres Deja Vu

Die heiß ersehnte Meisterschaft wurde im Mai 2002 am 33. Spieltag noch abgeschenkt - durch ein 0:1 beim Abstiegskandidaten 1. FC Nürnberg.

Entsprechend schlimm war das Deja Vu am Sonntag für Wolfgang Holzhäuser, damals wie heute Bayer-Boss. Wortlos flüchtete er nach der 2:3-Pleite bei Abstiegskandidat Nürnberg.

Es war die erste Saisonniederlage nach 288 ungeschlagenen Tagen, mit der leichtfertig die Rückkehr auf Platz eins verspielt wurde.

"Ich weiß auch nicht, was in den ersten 60 Minuten mit uns los war. Wir haben einfach nicht zu unserem Spiel gefunden", sagte Abwehrchef Sami Hyypiä nach dem Spiel zu Sport1.de.

"Das war eine Katastrophe."

Nach nur zwei von möglichen neun Punkten in den letzten drei Spielen machen sich erste Sorgen vor einem Abrutschen breit. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Völler: "Es geht nicht nach unten"

"Wir haben nur ein Spiel verloren und das ist definitiv kein Drama. Es geht nicht nach unten", versuchte Sportdirektor Rudi Völler zu beschwichtigen.

Doch spätestens wenn Leverkusen am Sonntag auch gegen den Hamburger SV patzen sollte, würde das Vize-Trauma wieder ein ganz großes Thema werden.

"Aber im Moment sind wir ja nur Dritter", meinte Stefan Kießling mit einem Anflug von Galgenhumor.

Eine Erklärung für die Vorstellung bei seinem Ex-Klub hatte auch der Nationalspieler nicht. "Das war ein Drecksspiel", meinte der Stürmer, der sich auch über seinen 14. Saisonstreffer nicht freuen konnte.

"Wir haben Nürnberg mit Sicherheit nicht unterschätzt. Wir haben es aber verpasst, so aggressiv aufzutreten wie gewohnt."

Probleme in der Abwehr

Das galt vor allem für die Hintermannschaft, die schon nach 55 Minuten dreimal den Ball aus dem Tor holen musste.

Die junge Club-Offensive um den 20-jährigen zweifachen Torschützen Maxim Choupo-Moting wirbelte die zuvor so hoch gelobte Bayer-Abwehr um Hyypiä und Manuel Friedrich ein ums andere Mal durcheinander.

"Wenn man so spielt, kann man nicht erfolgreich sein. So dürfen wir nicht in der Defensive agieren", kritisierte Trainer Jupp Heynckes seine Verteidiger.

"Es ärgert mich maßlos, dass wir unsere Serie nicht ausbauen konnten."

Adler in der Kritik

In der Kritik stand auch Nationaltorwart Rene Adler, der beim dritten Nürnberger Treffer eine unglückliche Figur machte.

Es war sein zweiter Patzer nach dem Fehler beim argentinischen Siegtor beim Länderspiel des DFB-Teams am vergangenen Mittwoch.

Heynckes verteidigte zwar seinen Schlussmann und suchte den Fehler vor 0:3 im allgemeinen Abwehrverhalten seiner Mannschaft, dennoch scheint der Keeper nach der Verkündung seines Stammplatzes in der Nationalmannschaft in einer kleinen Krise zu stecken.

Der Torwart verließ das Stadion in Nürnberg ohne einen Kommentar abzugeben. Zu Wort meldeten sich dafür andere.

"Vielleicht ein Dämpfer zur rechten Zeit"

"Vielleicht war es ein Dämpfer zur rechten Zeit", meinte Kießling, der wie sein Trainer vor allem die gute Schlussphase hervorhob.

"In der letzten halben Stunde haben wir Moral gezeigt und gegen einen gut gestaffelten Gegner Tore erzielt", bemerkte Heynckes.

Gegen den HSV kann der abgelöste Spitzenreiter am Sonntag beweisen, dass die erste Saisonniederlage nur ein Ausrutscher war.

Und falls es doch schief gehen sollte, baute Kießling schon mal vor.

Bayer stehe auf Rang drei "noch gut da", befand der Nationalspieler: "Unser Ziel ist ein Platz im internationalen Geschäft, alles andere ist Zukunftsmusik."

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