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Der HSV belegt in der Rückrundentabelle mit 12 Punkten den fünften Platz © getty

Trotz der passablen Platzierung enttäuschen die Hamburger in der Rückrunde. Trainer Bruno Labbadia ist offenbar nicht unumstritten.

Von Christian Stüwe

München - Im ersten Drittel der Saison begeisterte der Hamburger SV mit Offensivfußball, führte zwischenzeitlich die Tabelle an und galt gemeinhin als Titelanwärter.

Noch immer steht der HSV auf Rang vier, allerdings mit sieben Punkten Rückstand auf die Champions-League-Plätze. Und begeisternden Angriffsfußball zeigt der HSV schon lange nicht mehr.

Trotz der passablen Platzierung ist die Situation in Hamburg angesichts von Formschwankungen und Ergebnisfußball ungemütlich. Besonders für Trainer Bruno Labbadia.(DATENCENTER: Die Bundesliga)

Löw für Labbadia? Hoffmann dementiert

Zuletzt machte sogar das Gerücht die Runde, dass Bundestrainer Joachim Löw im Sommer den Trainerposten beim Traditionsklub übernehmen solle.

"Da ist mit Sicherheit nichts dran", dementierte Vorstandschef Bernd Hoffmann allerdings energisch.

Trainer angeblich nicht unumstritten

Dennoch scheint der Trainer nicht unumstritten. Schon vor Wochen sollen sich Spieler über das Training, Taktik und Auswechslungen beschwert haben.

So musste etwa Dennis Aogo gegen Bayern München überraschend auf der Bank Platz nehmen, auch Piotr Trochowski wurde bereits mehrfach aus der Startelf - und wieder hinein - rotiert.

Zudem werden Erinnerungen an die vergangene Saison wach, als Labbadia Trainer bei Bayer Leverkusen war. Auch die Werkself zeigte in der Hinrunde tollen Kombinationsfußball, stürzte aber in der Rückrunde ab.

Labbadia verabschiedete sich dann im Sommer nach einigen Differenzen in Richtung Hamburg.

"Das kostet Kraft und Nerven"

Und auch in der Hansestadt läuft es in der Rückrunde nicht rund. Nach dem glücklichen 1:0 gegen Schlusslicht Berlin wurde die Mannschaft trotz des Erfolges ausgepfiffen.

"Wir müssen uns für einen Sieg nicht entschuldigen", verteidigte Labbadia nach der Partie den Auftritt seiner Mannschaft.

Doch das Team selber scheint mit dem Gezeigten nicht zufrieden. Es sei nichts Neues, dass die Mannschaft in diesem Jahr nicht überzeugen könne, meint Aogo.

Gründe dafür kann der Außenverteidiger aber nicht nennen: "Es ist schwer zu erklären, was uns fehlt. Im Moment schalten wir zu früh einen Gang zurück. Das kostet Kraft und Nerven."

Auf der Suche nach Lockerheit

Auch Abwehrchef Joris Mathijsen ist mit der aktuellen Situation nicht zufrieden.

"Unsere Lockerheit vom Anfang ist weg. Es ist ja auch nicht alles schlecht. Immerhin spielen wir immer noch um den dritten Platz. Aber entscheidend ist, dass wir einfach nicht die Form haben, die wir selbst erwarten", erklärt der Niederländer im "Hamburger Abendblatt".

Es gebe es viele Gründe dafür, dass der HSV hinter den Erwartungen liege, fügte Mathijsen vielsagend an.

Einer der Hauptgründe ist natürlich das große Verletzungspech. Fast alle Leistungsträger fielen während der Saison mehr oder weniger lange aus.

Aktuell kämpft Nationalspieler Jerome Boateng mit einer Oberschenkelzerrung, die seinen Einsatz im Europa-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht am Donnerstag (ab 18.50 Uhr LIVE) fraglich macht.

Van Nistelrooy bisher nicht in Startelf

Ganz zu schweigen von Ruud van Nistelrooy. Der Superstar wechselte in der Winterpause nach Hamburg und löste eine riesige Euphorie aus. Doch fit genug für die Startelf war der Niederländer bisher noch nicht.

Doch nun scheint "Van the Man" gerade rechtzeitig die Kurve zu kriegen. Gegen Anderlecht könnte der Stürmer erstmals von Beginn an auflaufen.

Zwölf entscheidende Tage stehen an

Am Sonntag geht es dann in der Liga in Leverkusen weiter, wo der HSV wieder den Anschluss an die Champions-League-Plätze herstellen kann.

Am darauffolgenden Donnerstag reist der HSV zum Rückspiel nach Belgien, bevor Schalke nach Hamburg kommt.

In diesen vier Spielen kann der HSV viel gewinnen, aber auch fast alles verspielen.

Und obwohl van Nistelrooy wieder fit ist, werden die Hamburger wohl weiter auf Ergebnisfußball setzen.

Siegenthaler soll neue Philosophie etablieren

"Das allerhöchste Augenmerk hat das Ergebnis. Ansprüche sollen andere haben", sagt Co-Trainer Eddy Sözer.

Im Sommer wird DFB-Chefscout und Löw-Vertrauensmann Urs Siegenthaler seine Arbeit als neuer Sportdirektor in Hamburg aufnehmen.

Er soll den Hamburgern eine neue Philosophie verpassen. Reiner Ergebnisfußball ist dabei sicher nicht vorgesehen.

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