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Michael Preetz ist seit Juni 2009 Manager bei Hetha und Nachfolger von Dieter Hoeneß © getty

Eine Millionen-Stadt hat Angst vor dem Niedergang der "alten Dame". Den Berlinern droht eine jahrelange Bundesliga-Abstinenz.

Von Martin Volkmar und Marcel Braune

München/Berlin - Das Wort Abstieg steht bei Michael Preetz auf dem Index.

Zwar rückt die Rückkehr von Schlusslicht Hertha BSC in Zweitklassigkeit nach 13 Jahren mit jedem verlorenen Spiel näher.

Doch offiziell werden Nachfragen nach den Planungen fürs Unterhaus zum Tabu-Thema erklärt.

"Das sind alles hypothetische Fragen", sagte Manager Preetz Sport1.de.

"Wir haben den Rückstand seit der Winterpause verkürzt. Wir glauben an den Klassenerhalt."

Endspiel gegen Nürnberg

In der Tat waren es nach der Hinrunde mehr als die aktuellen fünf Punkte auf den Relegationsplatz 16, doch das liegt mehr an der Schwäche der Rivalen Hannover und Freiburg denn an eigener Stärke.

Gegen beide Klubs konnten die Berliner in der Rückserie gewinnen, viel mehr gelang allerdings nicht.

Entsprechend überlebenswichtig ist das Duell gegen den sechs Zähler entfernten Tabellen-15. 1. FC Nürnberg am Samstag (ab 15 Uhr LIVE).

"Keiner will als Absteiger abgestempelt werden"

"Keiner von uns Profis will in seiner Akte als Absteiger abgestempelt werden. Es geht um viel - um Arbeitsplätze und die Existenz des Vereins", sagte Kapitän Arne Friedrich der "Bild".

Für Fans und Medien in der Hauptstadt heißt das Motto daher: Sieg oder Abstieg. "Es geht tatsächlich um Sein oder Nichtsein", erklärte auch Ex-Präsident und Ältestenratmitglied Wolfgang Holst dem "Tagesspiegel".

"Das Spiel gegen Nürnberg ist die letzte Möglichkeit, den Anschluss zu wahren und mit dem Erhalt der Klasse zu kokettieren."

Der Abstieg und seine Folgen

Auch wenn Preetz davon öffentlich nichts wissen will - die Planungen für die nächste Saison laufen aus offensichtlichen Gründen längst zweigleisig.

Ein Abstieg hätte weitreichende Folgen für den gesamten Hauptstadt-Verein.

Angesichts von rund 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten würden der erhebliche Rückgang der Fernseh- und Sponsorengelder enorme Konsequenzen haben.

Allein an TV-Einnahmen gäbe es in Liga Zwei rund 15 Millionen Euro weniger als in der aktuellen Spielzeit.

Stars vor Abschiedstour

Der Ausbau der Infrastruktur und die kostenintensive Jugendarbeit hätten darunter ebenso zu leiden wie die Mitarbeiter, von denen wohl einige ihren Job verlieren würden.

Auch der aktuelle Kader wäre nicht mehr zu finanzieren. Der Etat würde von 77 Millionen auf 45 Millionen Euro gesenkt.

Stars wie Arne Friedrich, Gojko Kacar, Raffael oder Cicero werden den letztjährigen Vierten aber nicht nur aus finanziellen, sondern vor allem aus sportlichen Gründen verlassen.

Zumal Hertha auf Ablösesummen angewiesen wäre. Gar nichts bekäme der Verein bei elf Akteuren mit auslaufenden Verträgen, darunter Jaroslav Drobny, Pal Dardai und Steve von Bergen.

Zumindest Stürmer Artur Wichniarek verkündet, dass er auch in Zukunft zur Hertha steht: "Ich bleibe auch in der Zweiten Liga in Berlin", sagte der Pole dem "kicker".

"Wir werden die Renaissance anstreben"

Einen weiten Bogen um das Olympiastadion werden dann wohl auch die Berliner Fans machen, deren Begeisterung sich ohnehin von Ausnahmen wie der Vorsaison abgesehen schon immer in Grenzen hielt.

Trotzdem würde die Hertha wohl die sofortige Bundesliga-Rückkehr als Ziel ausgeben, zumal alles andere in der Medienstadt Berlin kaum zu verkaufen wäre.

"Wir werden selbstverständlich die Renaissance anstreben. Das erwartet man von uns in Berlin", sagte Ex-Präsident Holst. "Ein Abstieg darf kein Abschied für immer sein."

Doch dass das auch bei Traditionsklubs kein Selbstläufer ist, haben in den letzten Jahren unter anderem die Beispiele von 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern gezeigt.

Fan-Generation vor Absprung

Dann aber droht der Hertha erneut der Verlust eine ganzen Fan-Generation wie in den 80er und 90er Jahren, als die Alte Dame mit Ausnahme von zwei einjährigen Gastspielen zwischen 1980 und 1997 zweit- und sogar drittklassig war.

Nicht mal die Nummer eins wäre man dann mehr in der Hauptstadt, sondern würde vom bisher so weit entfernten Stadtrivalen Union Berlin herausgefordert.

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