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Da mochten sie sich noch: Stefan Effenberg (r.) und Gladbach-Präsident Rolf Königs (l) © imago

Weiter Unruhe in Gladbach: Stefan Effenberg lässt kein gutes Haar am Präsidenten. Derweil läuft die Suche nach einem neuen Coach.

Von Christian Paschwitz

München/Mönchengladbach - Jetzt wird's richtig ungemütlich bei Borussia Mönchengladbach: Nachdem Rolf Königs ein Engagement von Stefan Effenberg kategorisch ausgeschlossen hat, kontert der Ex-Nationalspieler via "Bild":

"Er hat vom Fußball nur wenig Ahnung. Dieser Mann muss weg."

Und weiter: "Ich habe einmal meine Hilfe angeboten. Das war vor anderthalb Jahren. Ich werde das aber nicht wieder machen ? so lange diese Leute im Verein die Entscheidungen treffen."

Heißt: Unter der jetzigen Führung will Effenberg unter keinen Umständen seinem Ex-Klub zur Seite springen:

"Ich habe das Thema Borussia für mich momentan abgeschlossen. Vielleicht verändert sich die Situation, wenn andere Leute das Sagen haben. Ich wünsche mir für die Stadt, den Verein und für die Fans, dass bald Leute an die Macht kommen, die Ahnung vom Fußball haben."

Auch Sammer ein Kandidat

Derweil läuft die Suche nach einem Nachfolger für den am Sonntag entlassenen Jos Luhukay, dessen Assistent Markus Gellhaus am Mittwoch ebenfalls gehen musste, auf Hochtouren. Ein Kandidat ist nach Informationen der gewöhnlich gut unterrichteten "Rheinischen Post" DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

Den Ex-Nationalspieler dürften die schlechten Aussichten beim Bundesliga-Schlusslicht allerdings wohl ebenso abschrecken wie das angeblich auch bei Mirko Slomka der Fall sein soll.

Dagegen hält sich der Name von Ex-Coach Hans Meyer hartnäckig, den offenbar Königs gerne zurückholen würde - auch um den aufgebrachten Anhang zu besänftigen.

Fünf Trainer und zwei Sportdirektoren verschlissen

Der neue Mann setzt sich in jedem Fall auf einen Schleudersitz, was nach Effenbergs Ansicht vor allem auf Königs zurückzuführen ist: "Er hat jetzt in viereinhalb Jahren Amtszeit fünf Trainer (Holger Fach, Horst Köppel, Dick Advocaat, Jupp Heynckes und Luhukay, Anm. d.R.) und zwei Sportdirektoren (Christian Hochstätter, Peter Pander) verschlissen. Der Verein ist in seiner Amtszeit abgestiegen und jetzt wieder in akuter Abstiegsnot."

Was den 40-Jährigen vor allem beunruhigt: "Er hat sein Grüppchen um sich herum, die anscheinend zu allem nur Ja und Amen sagen. Nur damit wirst du keine Erfolge erzielen. Mir persönlich tun am allermeisten die Fans leid. Sie hoffen immer auf positive Ergebnisse, gehen ins Stadion und werden dann fast immer enttäuscht."

Von der Interimslösung Christian Ziege (als Sportdirektor und Trainer) hält Effenberg ebenso wenig. "Ich habe ja früher auch nicht um 10 und 15 Uhr trainiert und stand abends um 20 Uhr in der Pizzeria und habe Pizza und Pasta verkauft."

Auch Netzer zweifelt Königs an

Gladbachs Spieler-Legende Günter Netzer hatte Königs zudem vorgeworfen, es neben einer eigenen positiven Wahrnehmung in der Öffentlichkeit versäumt zu haben, beim Traditionsklub Personen mit großer Strahlkraft zu installieren.

Anders als beispielsweise der ewige Rivale Köln: "Christoph Daum ist eine Figur, die vieles auf sich vereinigt. So einen gibt es in Gladbach nicht. Dazu gehört eben auch, dass Wolfgang Overath als Präsident große Autorität und Anerkennung hat. So ist das bei der Borussia augenblicklich nicht der Fall."

Empfehlung für Vogts

Im DSF sprach sich Netzer nun gar für Vogts als Luhukay-Nachfolger aus. "Den einzigen, den ich für befähigt gesehen habe, war Berti Vogts. Es hat mich gewundert, dass sie den nicht irgendwo eingebaut haben, den hätten sie in jedem Fall gebrauchen können. Er hätte es ihnen auch sehr gedankt", sagte er.

Von Lothar Matthäus hält Netzer hingegen nicht so viel: "Von den Anforderungen entspricht er sehr vielen Dingen. Aber anscheinend genießt er nicht den Ruf, dass man ihm eine solche Aufgabe anvertrauen möchte. Das ist jetzt sicherlich auch in Mönchengladbach der Fall, kann ich mir vorstellen. Ich möchte eigentlich ausschließen, dass Matthäus da zur Verfügung steht."

Königs wiegelt ab

Präsident Königs berühren die Vorwürfe hinsichtlich seiner "Bilanz des Grauens" derweil keineswegs. Der Geschäftsführer eines Textil-Unternehmens und eines Lkw-Sitze-Herstellers hat Forderungen nach einem Rücktritt klar zurückgewiesen.

"Es geht jetzt darum, den richtigen Mann zu finden, mit dem wir unser Ziel Klassenerhalt umsetzen können", sagte er der "Bild".

"Das Anforderungsprofil dafür erstellt unsere sportliche Leitung mit Christian Ziege."

"Kein Feuerwehrmann"

Dieser hat klare Vorstellungen. "Es soll kein Feuerwehrmann für drei Monate sein. Sondern einer, der langfristig mit uns zusammenarbeitet, viel kommuniziert und sich mit diesen Spielern den Klassenerhalt zutraut", sagte der Interimscoach.

Ob der Luhukay-Nachfolger der Öffentlichkeit während der nun zweiwöchigen Länderspielpause präsentiert wird, kann Ziege nicht beantworten: "Wir brechen nichts übers Knie, aber eine zeitnahe Lösung ist wünschenswert."

So oder so hält der der 36-Jährige den Kader für stark genug, die Liga zu halten - und versucht, die durch Luhukays Extrem-Rotation zerbrochene Hierarchie wiederherzustellen "Wichtig ist jetzt, ein Gerüst zu haben, das für Stabilität spricht", sagte Ziege im "Express".

Bedenken hinsichtlich Erstliga-Tauglichkeit

Netzer hegt derweil große Zweifel an der Erstliga-Tauglichkeit der Borussen: Er habe so seine Bedenken, "aus der Ferne machen sie keineswegs einen stabilen Eindruck."

Schon vor dem Luhukay-Rauswurf hatte Netzer erklärt: "Dass in schweren Zeiten alle zusammenhalten, ist wichtig. In solchen Zeiten, braucht man Führungspersonen, die nicht hektisch reagieren."

Noch ein Seitenhieb in Richtung Königs.

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