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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
"Ich gehe kerzengerade vorneweg": Funkel ist kämpferisch - und in Frankfurt wohl unumstritten © getty

Krise ohne Krisenstimmung: Frankfurts Coach Funkel erhält neue Rückendeckung. Dafür beunruhigt der Gesundheitszustand von Alex Meier.

Von Christian Paschwitz

München - Jos Luhukays Bilanz war nicht wesentlich schlechter. Trotzdem wurde der Niederländer in Gladbach als Trainer entlassen.

Beim Vorletzten Eintracht Frankfurt hingegen (ebenfalls erst drei Punkte) bemühen die Vereinsgranden offiziell die Treue zu ihrem Erfolglos-Coach Friedhelm Funkel, der den ersten Saisonsieg weiter schuldig ist, zuletzt mit 1:2 in Hoffenheim verlor, nur einen Dreier aus den letzten 14 Spielen einfuhr - die Vorjahressaison miteinbezogen.

Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen demonstriert in blumigen Worten Geschlossenheit - und versucht, den Druck vom Trainer zu nehmen, indem er sich und die Eintracht-Entscheidungsträger geschickt in die Pflicht nimmt: "Wir erfahren zur Zeit, dass es auch mal rückwärts gehen kann. Da muss sich jetzt die Qualität im Umfeld zeigen..."

Eine Aussage, mit der man sich vor allem ein wenig zusätzliche Zeit verschafft, einen Ausweg aus der Krise zu finden. Ähnlich verhält es sich, wenn Bruchhagen via "Bild" erklärt: "Unsere Hoffnung ist, dass wir besser werden, wenn Amanatidis, Korkmaz und Chris zurückkehren." Das Trio ist derzeit mit Verletzungen und wegen einer Rotsperre zur Untätigkeit verdammt.

Funkel "lobt" zurück

Funkel gibt die warmen Worte gern weiter: "Wir arbeiten hier schon lange vertrauensvoll miteinander, wir gehen respektvoll, aber auch kritisch miteinander um", sagte der Coach in der "Frankfurter Rundschau". Im "kicker" schränkt er allerdings ein: "Paradiesische Zustände herrschen mit Sicherheit nicht."

Aufzugeben ist für den 54-Jährigen - anders als 2003 beim 1. FC Köln - aber undenkbar. Selbst wenn die Krise anhält: "Ich bin kampfeslustig. Diese schwierige Situation lähmt mich nicht. Im Gegenteil: Ich will sie unter allen Umständen meistern. Ich denke nicht daran aufzuhören. Da gehe ich jetzt kerzengerade vorneweg."

Was bleibt Funkel auch anderes übrig? Immerhin ist es nicht das erste Mal für den Trainer, dass er während seines nun bereits vierjährigen Engagements in Frankfurt eine brenzlige Situation meistern muss. "Unabsteigbar" ist Funkel dadurch keineswegs: Dreimal runter ging es mit ihm als Trainer in Uerdingen, einmal mit den Kölnern.

Immerhin Ruhe an der Fan-Front

Was Funkel das Arbeiten am Main immerhin etwas erleichtert: Die Fans schwanken zwischen Frust und Durchhaltewille. Rufe nach Funkels Entlassung wie bereits mehrfach in der Vergangenheit bleiben vorerst aus.

Auch die Rufe, den brasilianischen Neueinkauf Caio häufiger einzusetzen, sind abgeebbt. "Die Zuschauer spüren, dass Caio kein Heilsbringer ist", meint Funkel.

Entscheidend wird sein, wie die unerfahrene und mit einem halben Dutzend Neuzugängen ausstaffierte Eintracht sich in den nächsten Wochen verkauft: Mit dem Nachholspiel gegen Karlsruhe warten drei Heimspiele. Danach geht es zu Energie Cottbus.

Die Qualität, die bisher fehlt, dürfte Ümit Korkmaz vorerst nicht deutlich anheben können. Der österreichische EM-Shooting-Star hat gerade erst seine dreimonatige Zwangspause wegen eines Mittelfußbruchs überwunden. Wunderdinge sind beim denkbaren Bundesliga-Debüt gegen Leverkusen (18. Oktober) also nicht zu erwarten.

Meiers Knie-Fall

Auch auf anderen Feldern kränkelt die Eintracht: Mittelfeldspieler Alexander Meier quält sich seit einem Jahr mit gravierenden Problemen am rechten Knie, ließ sich Anfang März in Basel operieren.

Weil der 25-Jährige allerdings keine Linderung bekommt und ständig Schmerzmittel schlucken muss, droht nun der nächste Eingriff - den Meier erneut in der Schweiz vornehmen lassen will, gegen den Willen der Eintracht-Mediziner. Die legen Meier vielmehr einen Kniespezialisten in Augsburg nahe.

"Da habe ich ein ganz schlechtes Gefühl"

So oder so sollte die Operation schnellstmöglich erfolgen - Funkel ("Da habe ich ein ganz schlechtes Gefühl"), der sie lieber nicht in Basel vorgenommen sähe, hat seinen Ex-Lieblingsschüler wegen des Knie-Falls vorerst abgeschrieben.

In der Hinrunde muss Meier seinem Trainer die Hilfe im Abstiegskampf damit versagen. Möglicherweise auch später - es sei denn, das malade Knie ist wieder den Belastungen des Profi-Fußballs gewachsen. Und Funkel dann noch im Amt.

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