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Sergio Pinto (l.) erzielte für Hannover 96 seinen zweiten Saisontreffer © getty

Den Niedersachsen gelingt gegen Frankfurt nach 140 Tagen erstmals wieder ein Heimsieg. Hannover schöpft neue Hoffnung im Abstiegskampf.

Hannover - Die Spieler lagen sich überglücklich in den Armen, Trainer Mirko Slomka ballte die Hand zur Jubelfaust, und die Zuschauer verwandelten das Stadion in eine Fußball-Oper.

"Das ist einfach nur geil. Wir wissen, dass die Situation immer noch sehr brenzlig ist. Aber wenn wir weiter so auftreten, mache ich mir gar keine Gedanken darüber, dass wir den Klassenerhalt nicht schaffen", sagte Abwehrspieler Christian Schulz, nach dem 2:1 (1:1)-Sieg von Hannover 96 gegen Eintracht Frankfurt.

"Jetzt zeigen wir endlich wieder unser wahres Leistungsvermögen." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Psychologisch wichtiger Sieg

Sieben Tage nach dem 2:1-Erfolg beim direkten Konkurrenten SC Freiburg zündeten die Niedersachsen am Samstag die zweite Stufe ihrer Operation Klassenerhalt.

Vergessen war die zwischenzeitliche Negativserie von neun Spielen ohne Dreier in Folge, die Hannover zeitweise schon wie einen sicheren Absteiger hatte aussehen lassen.

"Nach dem Freiburg-Spiel hat sich in der Mannschaft einiges gelöst. Das war psychologisch sehr wichtig", meinte 96-Trainer Mirko Slomka.

Schweres Programm im April

Bei aller Freude über die monatelang ersehnte Trendwende und den ersten Heimsieg seit 140 Tagen gab der Coach aber auch umgehend zu bedenken: "Wir stehen immer noch auf dem Relegationsplatz und haben weiter nichts erreicht. Unser Ziel ist es, noch mindestens einen Rang nach oben zu klettern."

Am kommenden Samstag geht es zum VfB Stuttgart. Im April kommt es dann zum Hammer-Programm mit den Spielen gegen die Spitzenteams Hamburger SV, Schalke 04, Bayern München und Bayer Leverkusen. Die Möglichkeiten weiter stetig zu punkten, scheinen also überschaubar.

Doch das Selbstvertrauen ist nach Hannover zurückgekehrt. "Die Mannschaft glaubt wieder an sich. Das ist im Abstiegskampf elementar. Sonst kann man gleich nach Hause gehen. Wir hoffen auf eine Siegesserie", sagte Abwehrspieler Steven Cherundolo.

Keine Schockstarre durch Gegentor

Dass Hannover dem drohenden Abstieg nicht mehr blutleer entgegentaumelt, bewies gegen Frankfurt vor allem der Spielverlauf. Nach starker 96-Anfangsphase und der verdienten 1:0-Führung durch Leon Andreasen (14.) traf Halil Altintop in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 1:1 (45.+2).

Gern wird bei solch einem Gegentreffer von einem "Tor zum psychologisch denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gesprochen" - vor ein paar Wochen hätte sich manch 96-Profi wohl bereitwillig hinter dieser Floskel versteckt. Doch das Momentum hat sich geändert.

Teber sieht Gelb-rot

"Früher hätte uns so ein Tor umgehauen", sagte Schulz. Slomka ergänzte: "Wir haben das gut weggesteckt. Die Mannschaft ist mit großer Kampfbereitschaft in die zweite Halbzeit gegangen. Das hat den Sieg gebracht."

So traf Sergio Pinto in der 57. Minute zum entscheidenden 2:1. Allerdings begünstigten die Frankfurter die neuerliche Führung der Platzherren tatkräftig.

180 Sekunden vor Hannovers Tor war der bereits verwarnte Selim Teber wegen eines absichtlichen Handspiels im Mittelfeld von Schiedsrichter Peter Gagelmann per Gelb-roter Karte des Feldes verwiesen worden.

Viertes Spiel ohne Sieg

Teber wurde nicht als Einziger vorzeitig zum Duschen geschickt. Auch Maik Franz musste nach einer Ampelkarte wegen groben Foulspiels (90.+1) früher als geplant in die Kabine. Für Eintracht-Trainer Michael Skibbe waren die Platzverweise jedoch nicht ausschlaggebend für das vierte Spiel ohne Sieg in Folge.

"Wir haben die Partie in den ersten 20 Minuten verloren. In Unterzahl haben wir sogar dominiert", meinte der Coach, dem am kommenden Samstag neben Teber und Franz auch Patrick Ochs (5. Gelbe Karte) geperrt nicht zur Verfügung steht. Der Gegner: Bayern München.

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