vergrößernverkleinern
Ein randalierender Fan beschädigt die Reservebank der Hertha © imago

In Berlin beginnen nach dem 1:2 gegen Nürnberg die Planungen für die Zweite Liga. Spieler müssen vor Chaoten fliehen, die den Platz stürmen.

Von Christian Stüwe und Andreas Ziepa

München/Berlin - In der Nachspielzeit brach für die Hertha die Fußballwelt zusammen.

Angelos Charisteas erzielte den späten Siegtreffer zum 2:1 für Nürnberg und schickte die Berliner auf den fast sicheren Weg in die Zweite Liga.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Präsident Werner Gegenbauer verließ fluchtartig seinen Platz, Manager Michael Preetz rang nach 217 Tagen ohne Heimsieg an der Außenlinie mit den Tränen, während auf den Rängen das Chaos begann.

Aufgebrachte Hertha-Fans stürmten den Platz. Die Spieler und Betreuer beider Mannschaften mussten in die Kabinen fliehen.

Spieler flüchten in die Kabinen

"Tür zu! Tür zu!", riefen die Spieler auf ihrer Flucht, die mit Fahnenstangen bewaffneten Chaoten verwüsteten Reservebänke und Werbetafeln, zündeten Böller und erreichten teilweise sogar den Eingang zu den Katakomben.

Während die Ordner der Hertha sich zurückhielten, machte erst ein massiver Einsatz der Polizei nach mehreren Minuten dem Treiben ein Ende.

"Da nimmst du nur noch deine Beine in die Hand. Die hauen dir sonst die Birne ein", sagte Nürnbergs Verteidiger Andreas Wolf.

30 Festnahmen

Es kam zu 30 Festnahmen. "Dabei handelt es sich aber wohl ausschließlich um Fälle, bei denen die festgenommenen Personen nicht dem Haftrichter vorgeführt werden mussten. Da reichte es, die Personalien aufzunehmen", sagte ein Polizeisprecher.

Vier Polizisten wurden leicht verletzt. Im weiteren Verlauf des Abends soll es ruhig geblieben sein, erklärte die Polizei in Berlin.

"Das Wichtigste ist, dass niemand zu Schaden gekommen ist", sagte Preetz, dem der Schock sowohl über die Niederlage wie auch über die Vorfälle nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben stand.

Deutliche Worte von Hecking

Er verurteile die Vorfälle auf das Schärfste, die Randalierer müssten mit "härtesten Konsequenzen" rechnen, kündigte Preetz an. Die forderte auch Nürnbergs Trainer Dieter Hecking.

"Wir müssen aufpassen, dass das nicht Überhand nimmt", sagte Hecking: "Ich möchte nicht erleben, was passiert, wenn es den ersten Toten gibt."

Konsequenzen kündigte auch der Hertha-Präsident an. "Dagegen werden wir mit allen Mitteln vorgehen", erklärte Gegenbauer: "Das Spiel unserer Mannschaft gab keinen Anlass, so mit dem Olympiastadion umzugehen."

Schwache Chancenverwertung der Hertha

Jagdszenen auf dem Platz, den Abstieg fast sicher vor Augen. Nicht nur die Reservebank der Hertha lag nach dem Abpfiff in Trümmern.

"Das ist natürlich nicht förderlich für einen Verein, wenn solche Szenen bundesweit ausgestrahlt werden. Das ist ärgerlich und hinterlässt auch Schrammen am Image", sagte Gegenbauer

Dabei hatte der Nachmittag für die Hertha so gut begonnen. Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel war stark in das Spiel gekommen und erarbeitete sich eine ganze Reihe hochkarätiger Chancen.

Doch Latte, Pfosten, "Unvermögen" (Funkel) und immer wieder der überragende Nürnberger Torwart Raphael Schäfer verhinderten mehr als die knappe 1:0-Führung durch Theofanis Gekas zur Pause.

"Dann wird man bestraft"

"Wenn man die hochkarätigen Chancen nicht nutzt, wird man bestraft", sagte Funkel. Und die alte Fußballweisheit bewahrheitete sich einmal mehr.

Zunächst glich Albert Bunjaku mit seinem zwölften Saisontreffer aus, dann versetzte Charisteas den Berlinern den K.o.-Schlag.

"Jetzt hilft nur noch ein Wunder", glaubte Pal Dardai, der sein 281. Bundesliga-Spiel für die Hertha absolvierte und Michael Sziedat als Rekordspieler ablöste, aber nichts zu feiern hatte.

Hertha plant für die Zweite Liga

"Ich bin 14 Jahre in diesem Verein. Es tut mir sehr weh. Wir brauchen ein blau-weißes Wunder", sagte Preetz: "Wir forcieren nun auch die Planung für die Zweite Liga."

Auch Präsident Gegenbauer gab seine abwehrende Haltung auf: "Ich werde mich jetzt nicht mehr so stark dagegen wehren, wenn man mich auf das Thema Abstieg anspricht."

Während die Hertha nun einen der schwärzesten Abende in der langen Klubgeschichte verdauen muss, feierte Nürnberg drei glückliche, aber wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg.

"Machen jetzt Druck von unten"

"Wir hatten schon genug Pech, heute war das Glück mal auf unserer Seite", freute sich Torschütze Bunjaku.

"Wir können uns bei Raphael Schäfer bedanken, dass es nicht zu einem Debakel gekommen ist", sagte Hecking angesichts der schwachen ersten Halbzeit und dem glücklichen Ausgang.

Der Club steht mit 24 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz. "Wir machen jetzt Druck von unten auf Bochum und Köln", nannte Hecking die Ziele für die nächsten Wochen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel