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Die Berliner Anhänger gingen mit Stangen bewaffnet über die Absperrung © imago

Auch einen Tag nach den Ausschreitungen im Olympiastadion ist bei Hertha BSC noch keine Ruhe eingekehrt. Konsequenzen werden folgen.

Von Jessica Pulter

München/Berlin - Tiefe Bestürzung in Berlin und Training unter Polizeischutz:

Das sportliche Desaster des 1:2 von Hertha BSC gegen den 1. FC Nürnberg wird von den Ausschreitungen der Berliner Anhänger nach dem Abpfiff überlagert.

Auch am Sonntagmorgen war von Normalität noch nichts zu spüren.

Sieben Mannschaftswagen und zwei Streifenwagen der Polizei sicherten die Trainingseinheit des abgeschlagenen Tabellenletzten.

Randale im Innenraum

Rund 150 Hooligans des Hauptstadtklubs waren nach dem Spiel über die Absperrungen geklettert und so in den Innenraum des Stadions gelangt.

Dort zerschlugen sie mit Holz- und Metallstangen Plastik- und Glaswände und versuchten, in den Kabinengang zu gelangen.

Die siegreichen Nürnberger Spieler wollten noch mit ihren Fans in der Kurve feiern, doch als sie die Ausschreitungen auf der Gegenseite bemerkten, flüchteten sie in die Kabine.

"Das, was da passiert ist, sind Bilder des Schreckens, die einem Angst einjagen", sagte Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Kritik am Polizeieinsatz

Die Ordner, die vor dem Hertha-Block standen, waren zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Herren der Lage. Erst ein Großeinsatz der Polizeikräfte bekam die Randalierer nach knapp zehn Minuten unter Kontrolle.

Kritik am Einsatz der Polizisten, die viel zu spät eingegriffen haben sollen, wiegelten die Einsatzkräfte und der Verein allerdings ab.

"Wir hatten bei diesem Spiel mehr Ordner als normal im Stadion. Die Polizei war auch schnell da. Noch mal: Wir haben völlig korrekt gehandelt", erklärte Hertha-Manager Michael Preetz am Tag danach.

Allerdings kam es vor dem Stadion noch zu Schlägereien zwischen Berliner und Nürnberger Fans. 30 Randalierer wurden insgesamt am Samstag festgenommen, 26 Strafverfahren eingeleitet.

Training unter Polizeischutz

So wollten die Berliner am Tag danach auf Nummer sicher gehen, weshalb Polizisten das Trainingsgelände der Hertha sowie den U-Bahnhof des Olympiastadions sicherten .

Weitere Krawalle blieben wie auch in der Nacht zuvor aus, nur durch Plakate verschafften sich einige BSC-Fans Luft. "Absteiger" waren da noch die harmlosen Kommentare der Anhänger.

Kein leichter Gang also für Preetz, der sich zusammen mit Trainer Friedhelm Funkel in einer Pressekonferenz den Journalisten stellte.

"Wir werden mit aller Härte gegen die Randalierer vorgehen", sagte Preetz.

"Der DFB hat uns bestätigt, dass die Ordner absolut korrekt gehandelt haben. Aber wir stellen uns unserer Verantwortung."

Stadionverbote und harte Strafen

Der Kontrollausschuss des DFB verlangte aber vom Verein eine Stellungnahme und wird entscheiden, ob das Sportgericht tätig wird.

Auch die DFL kündigte Maßnahmen an. "Gewalttäter dürfen keinen Platz im Fußball haben", meinte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

"Der Ligaverband wird daher natürlich die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses nach allen Kräften unterstützen und für harte Strafen eintreten."

Bundesweite Stadionverbote könnten die Konsequenz sein. Bedenklich ist zudem, dass es bereits im Vorfeld Anzeichen gab, dass es im Falle einer Niederlage zu Ausschreitungen kommen würde.

Herthas Fan-Beauftragter Steffen Wirth ist trotzdem der Meinung, dass die Übergriffe am Samstag eher spontan geschehen seien: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Aktion von langer Hand geplant sei."

Planungen für die Zweite Liga

An der sportlichen Misere nach der 17. Saisonniederlage wird dies aber nichts ändern können.

"Wir kämpfen und geben nicht auf", gab Preetz trotzdem die Devise für die kommenden Wochen aus. "Aber wir treiben auch die Planungen für die Zweite Liga voran."

Doch der Abstand zu Platz 15 beträgt bereits neun Punkte, der Relegationsplatz ist nur einen Zähler näher.

Dennoch schloss Funkel einen freiwilligen Rückzug aus. "Ein Rücktritt kommt nicht in Frage", sagte der Coach.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein "blau-weißes Wunder" (Preetz). Doch nach den Vorkommnissen des Wochenendes liegt die Hauptstadt fußballerisch erstmal am Boden.

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